Historische Werkstatt in Ludweiler bleibt

Heimatkunde : Historische Werkstatt in Ludweiler bleibt

Wie man in früheren Zeiten Schuhe repariert hat, kann man in einer historischen Schuhmacherwerkstatt in Ludweiler erfahren.

Absatzschwierigkeiten? Waren Peter Loeb fremd. Der Mann war „der“ Schuhmachermeister in Lauterbach. Seine Werkstatt mit dem nostalgischen Charme des vorigen Jahrhunderts bleibt uns erhalten, im denkmalgeschützten „Rücke Haus“ aus dem Jahr 1750 im Völklinger Stadtteil Ludweiler. Dort, im Püttlinger Stadtteil Köllerbach und in einem kleinen Lothringer Dorf können Interessierte des Schusters Arbeitsstube und noch viel mehr aus „guten alten Zeiten“ auf Anfrage besichtigen – dank der Initiative von Harald Baldauf, der sich als „Bewahrer von Heimat“ sieht.

Gisela Siegwart, geborene Loeb, ist im Schuhmacherhaus Loeb in Lauterbach groß geworden. Immer mit dem Geruch von Leim, Leder, Gummilösung und Papa Peters Pfeifentabak in der Nase, seinem Radio im Ohr, dem Anblick von Kneipmessern, Zwickzangen, Aufrauhern, Ahlen, Stahlborsten, Leisten und Poliermaschinen vor Augen. Der Vogelbauer am Ausgang war etwas ganz Besonderes. Drinnen saß ein putzmunterer Kanarienvogel namens Johnny, dem Meister Loeb das Sprechen beigebracht hatte. „Honnda bezahlt?“ plärrte der Sittich, wenn Kunden mit ihren wieder genagelten Schaffschuhen, aufgefrischten Stöckelschuhen oder den neu besohlten Sonntagstretern die Werkstatt verließen. Kam die Mutter oder Hausfrau vorbei, rief Johnny munter: „Paula, gib Küsschen!“

„Es war mein Ziel, dass diese schöne Werkstatt im Warndt bleibt“, sagt Siegwart. Immerhin war schon der Großvater Nikolaus ein Flickschuster in Lauterbach gewesen, bis Papa Peter das Handwerk in Metz erlernte und in der Folge, bis in die Mitte der 90er Jahre, über einen reinen Dienstleistungsbetrieb zu einem wichtigen Kommunikationstreff, „einen Dreh- und Angelpunkt im Dorfleben“ ausbaute, sagt Siegwart. Dank der vereinigten Initiative der Denkmalschutzbehörde beim Regionalverband Saarbrücken, den Anregungen von Hans Werner Desgranges, dem Vorsitzenden des Heimatkundlichen Vereines Warndt, den Erben der Schuhmacherwerkstatt und von Harald Baldauf konnte der erfolgreiche Umzug der Produktionsstätte von Lauterbach nach Ludweiler vollzogen werden.

Baldauf ist ein Mann, der Zeit, Energie, auch Geld, in sein Steckenpferd („Die Liebe zur Heimat, zur Tradition und zur Nostalgie“) investiert. In seinem Heimatort Köllerbach besitzt Baldauf eine historische Schnapsbrennerei, eine Bierbrauerei im ehemaligen Milchhäuschen und einen historischen Verkaufsladen mit Nostalgiekino in der Scheune seines Elternhauses. In Lothringen, in einem ehemaligen Bürgermeisteranwesen mit Landwirtschaft, lädt er gerne Besucher aus dem Saarland ein. Und in Ludweiler hat er zwei denkmalgeschützte Immobilien, das „Zeitze Bergmannsbauernhaus aus dem Jahr 1850“ und das noch ältere „Rücke Haus, datiert auf das Jahr 1750 und damit wohl eines der ältesten Häuser in Ludweiler“, erworben und mit vielen Einrichtungsgegenständen aus vorigen Jahrhunderten bestückt.

Die Fassaden versprechen, was die Einrichtungen halten: Nostalgie pur. Alle Baldauf-Immobilien, man könnte auch von Mini-Museen sprechen, können auf Anfrage unter Telefon (0 68 06) 49 04 63 besichtigt werden. Sie eignen sich auch für Vereinsausflüge oder Familienfeiern, sei es im erwähnten Kino beim Film Casablanca, in der historischen Elsässer Weinstube bei Flammkuchen und Federweißem oder beim Blick in Peter Loebs Schuhmacherei mit vollgekritzeltem Auftragsbüchlein, Papas Portemonnaie, Pfeife und Vogelkasten.

Führungen nach Vereinbarung: Telefon (06806) 49 04 63