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Moderne Architektur in Völklingen
Hier möchte man gern Schüler sein

Pausen- und Aufenthaltsraum für die beiden Gemeinschaftsschulen an der Völklinger Heinestraße. Ein geschwungenes, halbhohes Taschenregal unterteilt den Raum, lässt ihn zugleich offen; rechts dahinter gibt es Tische und Hocker, die man nach Belieben gruppieren kann.
Pausen- und Aufenthaltsraum für die beiden Gemeinschaftsschulen an der Völklinger Heinestraße. Ein geschwungenes, halbhohes Taschenregal unterteilt den Raum, lässt ihn zugleich offen; rechts dahinter gibt es Tische und Hocker, die man nach Belieben gruppieren kann. FOTO: Doris Döpke
Völklingen. In den Schulen an der Völklinger Heinestraße ist hochmodernes, zugleich freundliches Bauen gelungen. Beim Tag der Architektur am Wochenende konnte man sich davon überzeugen. Von Doris Döpke

Offene Türen in den Gemeinschaftsschulen an der Völklinger Heinestraße, einladend für Neugierige. Einladend auch die Räume dahinter – aber leer. Wo sind denn die Menschen, die am Tag der Architektur die geöffneten Bauten erklären? „Sie sind grad hinten“, sagt Hausmeister Siegmund Nau, der draußen entspannt am Geländer lehnt, und macht eine freundliche Wegweiser-Geste.


„Sie“, das sind zwei junge Architektinnen aus dem Saarbrücker Büro Blass/Weber, das im Auftrag des Schulträgers – des Regionalverbandes Saarbrücken – die Ergänzungsbauten für die beiden Gemeinschaftsschulen geplant hat. Die Schule Am Sonnenhügel und die Hermann-Neuberger-Schule liegen direkt benachbart. Da bot es sich an, fehlende Infrastruktur so einzufügen, dass sie beiden Schulen dienen kann: Cafeteria und  Räume für den Ganztagsbetrieb. Mehrzweckräume, Fach-Räume. Über mehrere Jahre zog sich das Bauen (wir haben berichtet). Welchen Ideen die Planer dabei gefolgt sind, können Katarzyna Rizk und Holle Hoffmann, die beiden Architektinnen, bis ins Detail zeigen.

Wichtig war, sagt Hoffmann, so zu bauen, dass die beiden Schulen unabhängig bleiben und doch verbunden sind. Und dabei war wichtig, Räume zu schaffen, die transparent sind, offen, und den Schülern zugleich Rückzugsmöglichkeiten, Wärme, Wohnlichkeit bieten – auf dem Beobachtungs-„Präsentierteller“ sitzt niemand gerne. Der Transparenz dienen großzügige Glasflächen, die etwa die kleine Bibliothek vom großen Aufenthaltsraum oder so Räume für Arbeitsgruppen von Klassenzimmern trennen. Für Offenheit sorgen auch Raumteiler, die ein Stück unterhalb der Decke enden. „Sonst“, so Rizk, „sähe man im Aufenthaltsraum ja auch die Decke selbst nicht.“ Die ist tatsächlich sehenswert, helles Holz, massiv. Und konstruktiv etwas Besonderes: eine Brettstapeldecke, die auf Brettschichtträgern ruht – gewaltigen „Balken“ aus fest aufeinander gepressten Holzstreifen. Weil das enorm stabil sind, kamen die Planer für den großen zentralen Raum mit nur drei senkrechten Stützen aus.



Vom großen Raum, gegliedert mit einem halbhohen, geschwungenen Taschenregal, zweigen kleinere ab. Eine pfiffige Idee, auf die Rizk mit spürbarer Begeisterung hinweist: Seitenwände öffnen sich auf Nischen mit geschwungenen Wänden, in die sich Grüppchen zurückziehen können. Nebenan gibt es noch eine kleine Bibliothek. Und zwei Mehrzweckräume, in einem steht ein Klavier an der Wand – angejahrt, aber gepflegt und gut gestimmt –, vor den Fenstern eine mobile Bühne. Das, sagt Hoffmann, sei ein weiterer Grundsatz fürs Planen gewesen: „Alles sollte möglichst flexibel sein.“

Das hat geklappt. Die Pausenhalle, die ein Glasdach vor schlechtem Wetter schützt, und die Cafeteria können vielerlei Zwecken dienen. Die Werkräume im Anbau, technisch gut ausgestattet, machen Lust, kreativ mit Ton, mit Stoff oder Sonstigem zu hantieren. Die Lehrerzimmer wirken großzügig und freundlich, die Außenanlage mit Multifunktionsfeld – dort spielen gerade ein paar Schüler Fußball – und Kletter-Felsen einladend. Die Architekten haben konsequent modern gestaltet – und dabei bis in kleine Details an die Menschen gedacht, die in und mit den Räumen leben (müssen). Hier möchte man gern Schüler sein.

Vom großen zentralen Aufenthaltsraum (Bild oben) zweigen verschiedene Räume für spezielle Zwecke ab. Zum Beispiel halboffene Rückzugs-Nischen. Oder  diese kleine Bibliothek.
Vom großen zentralen Aufenthaltsraum (Bild oben) zweigen verschiedene Räume für spezielle Zwecke ab. Zum Beispiel halboffene Rückzugs-Nischen. Oder diese kleine Bibliothek. FOTO: Doris Döpke
Das Glasdach lässt viel Licht in die Pausenhalle. Hinter den Glaswänden  schließt sich die Cafeteria an.  Auf die Scheiben ist ein bisschen Dschungel aufgemalt: Sichtkontakt, aber keine unangenehme Dauerkontrolle.
Das Glasdach lässt viel Licht in die Pausenhalle. Hinter den Glaswänden schließt sich die Cafeteria an. Auf die Scheiben ist ein bisschen Dschungel aufgemalt: Sichtkontakt, aber keine unangenehme Dauerkontrolle. FOTO: Doris Döpke
Die Architektinnen Katarzyna Rizk (links) und Holle Hoffmann vom Büro Blass/Weber.
Die Architektinnen Katarzyna Rizk (links) und Holle Hoffmann vom Büro Blass/Weber. FOTO: Doris Döpke