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Treffpunkt Kühlschrank
Hier ist man machtlos

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Mensch, bist du groß geworden. Neues T-Shirt? Steht dir gut.“ Diese Anmerkungen zur aktuellen Lage im häuslichen Mikrokosmos wären mir neulich fast herausgerutscht, als wir uns mal wieder rein zufällig vorm Kühlschrank trafen. Der Nachwuchs wohnt unterm Dach und ich halte mich die meiste Zeit im Erdgeschoss auf. Da ist es nicht unbedingt gesagt, dass man sich täglich im Haus begegnet. Um so größer die Freude bei der Feststellung, dass ihm weiter nichts fehlt. Dann wechseln wir noch ein paar Worte über die Arbeit und den sonstigen Alltag und schon ist er wieder verschwunden. Von Michèle Hartmann

Mensch, bist du groß geworden. Neues T-Shirt? Steht dir gut.“ Diese Anmerkungen zur aktuellen Lage im häuslichen Mikrokosmos wären mir neulich fast herausgerutscht, als wir uns mal wieder rein zufällig vorm Kühlschrank trafen. Der Nachwuchs wohnt unterm Dach, und ich halte mich die meiste Zeit im Erdgeschoss auf. Da ist es nicht unbedingt gesagt, dass man sich täglich im Haus begegnet. Um so größer die Freude bei der Feststellung, dass ihm weiter nichts fehlt. Dann wechseln wir noch ein paar Worte über die Arbeit und den sonstigen Alltag, und schon ist er wieder verschwunden.


Früher haben die Familien bei Tisch gebetet und gemeinsame Mahlzeiten eingenommen. Und dann sind sie leider auch – zumeist auf Veranlassung des Hausherrn – am Sonntagmittag dem „Internationalen Frühschoppen“ nicht entronnen. Sie wissen schon, das für Kinder und Jugendliche entsetzlich langweilige Polit-Gebraddel mit Werner Höfer. Eigentlich war da in der TV-Ansage im Hinblick auf die Diskussionsrunde die Rede von „sechs Journalisten aus fünf Ländern“. Doch meine Schwester sprach gerne von „sechs Alkoholikern aus fünf Ländern“. Mensch, wurde da vor aller Augen getrunken und geraucht.

Heute stellt sich die Frage, was man falsch gemacht hat in der Erziehung. Nichts, wie ich von einigen anderen Leuten höre, gar nichts. Da klingelt auch der Pizza-Service am Abend, obwohl der Kühlschrank überquillt vor Lebensmitteln. Obwohl man glaubhaft versichert, viel gesünder und preiswerter zu kochen.

Hilft alles nichts, man ist machtlos. Wobei wir wieder bei der Anfangsfrage wären: Wie kann er so groß geworden sein bei all dem Schlangenfraß, den er sich da einverleibt?