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Wie beim Heavy-Metal-Festival
Das Wacken der Bürofachangestellten

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Wenn Weihnachtsmarkt ist, verhalten sich auch Büromenschen sonderbar. Von Alexander Stallmann

Kaum sind die ersten grauen Herbstwolken zu sehen, da beginnt bei vielen die Vorfreude auf den Weihnachtsmarkt. Dieser Duft von gerösteten Maronen. Besinnlichkeit. Zeit der Nächstenliebe, Zeit der inneren Einkehr. Von wegen! Weihnachtsmärkte in Städten sind längst zu Kommerzveranstaltungen verkommen. Überlaufen, überteuert und mit Ballermann-Charme statt Besinnlichkeit.


Ein Freund von mir sagt immer, Weihnachtsmärkte seien das Wacken der Bürofachangestellten. Und er hat recht. Ich erinnere mich an eine Nerd-Clique an meiner Schule. Einmal im Jahr verhielten die Computerfreaks sich immer sonderbar. Sie waren hibbelig, schmierten sich schwarze Farbe ins Gesicht und verschwanden für ein paar Tage. Es war Wacken. Dieses riesige Heavy-Metal-Festival, das jedes Jahr in Schleswig-Holstein stattfindet. Die Nerds setzten sich dort ausnahmsweise direktem Sonnenlicht aus. Sie legten ihre Magic-Karten für mehrere Stunden aus der Hand, tranken literweise Honigwein und fühlten sich wie Wikinger.

Ein ähnliches Verhalten beobachte ich seit Jahren bei befreundeten Bürokauffrauen und -männern, wenn Weihnachtsmarkt ist. Sie wirken wuselig, halten sich entgegen ihrer Gewohnheiten mehrere Stunden am Stück im Freien auf und trinken einen Schluck mehr als sie vertragen. Allerdings Glühwein, keinen Honigwein. Wacken ist weit weg. Der Weihnachtsmarkt liegt hingegen auf meinem täglichen Weg zur Arbeit. Ich kann ihm einfach nicht entfliehen.



Deshalb mein Vorschlag: ein einziger riesiger Weihnachtsmarkt für alle Bürofachangestellten in der ganzen Republik. Gerne weit weg. Das Wacken-Open-Air ist im August. In der Adventszeit könnte man das Gelände problemlos anderweitig nutzen.