| 16:41 Uhr

Stadtrat will Badeordnung ändern
Grünes Licht für Burkinis im Völklinger Schwimmbad

 Völklingen hat bisher Burkinis, Ganzkörper-Schwimmanzüge speziell für muslimische Frauen, in seinen Bädern geduldet. Nun sollen sie in der neuen Badeordnung offiziell erlaubt werden – wie übrigens auch Schwimm-Shirts und sonstige Schwimmanzüge aus nicht saugendem Material. Foto: Rolf Haid/dpa
Völklingen hat bisher Burkinis, Ganzkörper-Schwimmanzüge speziell für muslimische Frauen, in seinen Bädern geduldet. Nun sollen sie in der neuen Badeordnung offiziell erlaubt werden – wie übrigens auch Schwimm-Shirts und sonstige Schwimmanzüge aus nicht saugendem Material. Foto: Rolf Haid/dpa FOTO: Rolf Haid/dpa
Völklingen. Stadtrat will heute die Badeordnung ändern. Auch der neue Bolzplatz steht zur Debatte. Bernhard Geber

Bei strenggläubigen muslimischen Frauen gilt es als unschicklich, sich unverhüllt in der Öffentlichkeit zu zeigen. Auf Schwimmfreuden möchten dennoch viele nicht verzichten. Als Lösung wurde der Burkini, ein Ganzkörper-Schwimmanzug, entwickelt. Der stößt sich aber an deutschen Hygiene-Vorschriften, die bisher nicht einmal Besucher mit langbeinigen Schwimm-Shorts duldeten.


Beim Burkini drückte die Stadt Völklingen schon seit Ende 2013 ein Auge zu. Jetzt soll er auch offiziell in einer neuen Badeordnung verankert werden, und zwar bereits heute Abend. Dann tagt der Stadtrat in öffentlicher Sitzung ab 17 Uhr im Großen Saal des Neuen Rathauses. Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) soll der Paragraf 7 so gefasst werden, dass auch Burkinis ausdrücklich zur "üblichen Badekleidung" zählen. Doch es geht hier nicht um eine Sonderregelung für Muslime. Im gleichen Atemzug werden auch Schwimm-Shirts und Schwimmanzüge aller Art zugelassen, "sofern diese Bekleidungen aus nicht saugenden Materialien (85 Prozent Polyamid, 15 Prozent Elasthan) bestehen". Das Völklinger Freibad öffnet am 20. Mai. Schon ab dann dürften Besucher, die zum Beispiel keinen Sonnenbrand riskieren möchten, von den gelockerten Vorschriften profitieren. Sie müssen allerdings im Zweifelsfall dem Aufsichtspersonal nachweisen, dass ihre Textilien wirklich aus dem richtigen Material bestehen. Wie das genau geschehen soll, wird in § 7 nicht gesagt: Vielleicht per Etikett? Und es bleibt nach wie vor verboten, "Unterwäsche oder Ähnliches, auch unter der Badekleidung" zu tragen.

Vom Freibad-Freuden im Köllerbachtal richtet sich dann im Stadtrat der Blick auf fußballbegeisterte Jungen in Fürstenhausen. Sie sind von ihrem bisherigen Bolzplatz vertrieben, nachdem ein Anlieger, der sich von dem Treiben gestört fühlte, schweres juristisches Geschütz aufgefahren hat. Zähneknirschend hatte der Stadtrat eingewilligt, diesen Platz abzubauen und in der Nähe, auf einem städtischen Wiesengelände, neu zu errichten. Heute Abend soll der dafür nötige Bebauungsplan endgültig beschlossen werden. Die Bauarbeiten, geschätzte Kosten 30 000 bis 40 000 Euro, haben derweil bereits begonnen.



Ein Erdhang wurde teilweise ausgekoffert. Mit dem anfallenden Material wurde ein hoher Wall in Richtung Wohnbebauung aufgeschüttet. Dieser gilt als unerlässlich, um nicht neue Klagen wegen Lärmbelästigung zu riskieren. Andererseits tut sich neues Ungemach auf. Anlieger, die nichts gegen den alten Bolzplatz hatten, beschweren sich nun darüber, dass ihnen die Aussicht versperrt sei. Mindestens einer von ihnen befürchtet auch, dass Wasser unkontrolliert auf sein Grundstück laufe. Dieser hat bereits gerichtliche Schritte angedroht.

Nach einer Ortsbesichtigung meinte Paul Ganster, Fraktionsgeschäftsführer der Linken im Stadtrat, man könne den Wall, der derzeit viereinhalb bis fünf Meter Höhe erreiche, zumindest etwas abflachen. Für eine Nachjustierung hatte sich bereits auch CDU-Sprecher Uwe Steffen ("das kann man nicht so lassen") in der jüngsten Ortsratssitzung ausgesprochen.

 Die Wand des Anstoßes: Nun stören sich Anwohner an dem hohen Lärmschutzwall, der in Richtung Wohnbebauung aufgeschüttet worden ist; hier rechts im Bild, vom neuen Platz aus gesehen. Foto: Becker & Bredel
Die Wand des Anstoßes: Nun stören sich Anwohner an dem hohen Lärmschutzwall, der in Richtung Wohnbebauung aufgeschüttet worden ist; hier rechts im Bild, vom neuen Platz aus gesehen. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel