Grüne rechnen mit Oberbürgermeister Lorig ab: Grüne rechnen mit Oberbürgermeister ab

Grüne rechnen mit Oberbürgermeister Lorig ab : Grüne rechnen mit Oberbürgermeister ab

Die Völklinger Stadtpolitik befinde sich derzeit auf völlig falschem Kurs, beginnend bei Geldverschwendung in Sachen  Fußballvereine, sagen  Manfred Jost und Gerold Fischer (Grüne).

Mit der Wahl im Jahr 2009 waren die Grünen in den Völk­linger Stadtrat zurückgekehrt. Als eine der ersten Aktionen forderten sie damals den sofortigen Stopp der Meeresfischzucht. Diese wurde dann – mit den bekannten verheerenden Folgen – weiter ausgebaut. Mittlerweile sind Manfred Jost und Gerold Fischer im Rentenalter angelangt. Doch sie scheuen weiter keine Konfrontation mit der jeweiligen Mehrheitsmeinung im Stadtrat und Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU). Aktuelle Kernpunkte haben uns die beiden Grünen-Ratsmitglieder nun in einem Gespräch in der SZ-Redaktion Völklingen erläutert.

Punkt Nr. 1: der Fußballsport. Während Container auf Schulhöfen aufgestellt werden müssten und Kinder keinen Platz in Betreuungseinrichtungen fänden, verhätschele die Stadt weiterhin ihre Fußballvereine. Fahrlässig verzichte man auf eine angemessene Beteiligung an den von ihnen verursachten Energiekosten und verliere damit mögliche Einnahmen von um die 80 000 Euro. Obwohl nach einer Stufenregelung im Haushaltssanierungsplan schon im Jahre 2017 die Vereine 100 Prozent dieser Kosten selbst tragen sollten, habe man es zunächst bei 40 Prozent belassen, „weil angeblich die Vereine nicht mehr tragen könnten“. Der Forderung der Grünen, die Vereinsbilanzen offenzulegen, sei die Verwaltung bisher nicht nachgekommen. Jost betonte, er kenne sich aus persönlicher Erfahrung mit dieser Materie aus: „Ich bin von 1981 bis 1991 Kassenwart des SV Röchling Völklingen gewesen.“

Die richtige Lösung aus Sicht der Grünen wäre, dass die Fußballclubs zunächst alle Rechnungen selbst bezahlen und anschließend einen Zuschuss bei der Stadt beantragen können. Dieser solle maximal 50 Prozent der Kosten betragen und sich gestaffelt nach dem Ausmaß der jeweiligen Jugendarbeit richten. Die Energiekosten der Clubheime, an denen in der Regel gut verdient werde, müssten die Vereine selbst tragen, „denn dafür darf nicht auch noch der Steuerzahler aufkommen“. „In Völklingen wird in Sachen Fußball viel zu großzügig verfahren“, meinen Jost und Fischer. Dies betreffe auch die FCS-Gastspiele, unter denen viele Bürger litten. Das Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasium habe deshalb sogar die Feier seines 110-jährigen Bestehens auf das Jahr 2018 verschieben müssen. Und dass FCS-Fans nach massivem Falschparken auf Grünflächen anschließend ihre Strafzettel erlassen worden seien, sei „ein Skandal“.

Punkt Nr. 2: der Schulentwicklungsplan.  Es sei ein völlig verfehlter Ansatz von Oberbürgermeister Lorig, an der früheren Mühlgewannschule zunächst eine funktionsfähige Turnhalle abzureißen,  das Restgebäude mit öffentlichen Mitteln von 1,3 Millionen Euro zu sanieren und dann an einen privaten Investor zu etwa einem Drittel dieser Summe weiterzuverhökern mit der Maßgabe, dass dieser es dann an soziale Einrichtungen vermiete. Mit diesem so genannten Sozialzentrum entstünden dann zudem Leerstände an vier anderen Stellen in der Innenstadt.

Die Grünen hätten schon von Anfang an dafür plädiert, den Mühlgewann als Schulstandort zu erhalten, und auch angeregt, dort die (dann auf Heidstock entstandene) Gebundene Ganztagsgrundschule unterzubringen, so Jost und Fischer. Nun mehrten sich die Anzeichen, dass auch die SPD zur Einsicht gelange, dass die Raumprobleme an den Völklinger Grundschulen mit dem Mühlgewann-Gebäude zu lösen seien. Fischer, als früherer Leiter des Kaschnitz-Gymnasiums erfahrener Schulmann, widersprach der von Oberbürgermeister Lorig kürzlich geäußerten Auffassung, dass zuvor das Bildungsministerium Ja zu einer weiteren, neuen Grundschule in Völklingen sagen müsse. „Der Mühlgewann kann durchaus als Dependance einer bestehenden Schule geführt werden“, sagt Fischer.

Gerold Fischer. Foto: Doris Döpke
Manfred Jost. . Foto: Doris Döpke

Punkt 3: der Bebauungsplan für das frühere Kaufhof-Areal. Jost wie Fischer meinen, dass es unnötig sei, hier – wie derzeit vorgesehen – den Durchgang zwischen Rathausstraße und Alter Schulstraße  zu schließen. Diese Passage sei von alters her der klassische Weg für Fußgänger und Radfahrer in die Innenstadt. Die Gebäudestruktur des Modeparks, im Wesentlichen ein Längsbau entlang der Rathausstraße, unterscheide sich wesentlich von der beim (gescheiterten) City-Center vorgesehenen hufeisenförmigem Bebauung.   Die Grünen plädieren zudem dafür, die Rathausstraße ab der Einfahrt zur Tiefgarage in eine Fußgängerzone umzuwandeln, durch die nur noch Busse fahren dürfen. Dies sei die einzige Chance, eine zusammenhängende Fläche zu schaffen, in der sich städtisches Leben und Gastronomie entfalten könnten. Wenn gleichzeitig die Poststraße, wie im Verkehrsentwicklungsplan vorgesehen, wieder zu einer Durchgangsstraße werde,  stelle eine Fußgängerzone Rathausstraße kein Problem  mehr dar. Planung und Finanzierung sollten gleichzeitig mit dem Projekt Modepark Röther vorangetrieben werden.

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