Grubensiedlung wird Solarpark

Ludweiler. Die Zukunft der so genannten Ludweiler Kolonie war am Mittwochabend Thema einer Bürgerversammlung im Naturfreundehaus Warndt. Die etwa 40 Besucher, die Bürgermeister Wolfgang Bintz und Ortsvorsteherin Christiane Blatt begrüßten, mussten nicht lange auf Informationen warten: In der ehemaligen Grubensiedlung will der Eigentümer, die RAG, mit Photovoltaik Energie erzeugen

Ludweiler. Die Zukunft der so genannten Ludweiler Kolonie war am Mittwochabend Thema einer Bürgerversammlung im Naturfreundehaus Warndt. Die etwa 40 Besucher, die Bürgermeister Wolfgang Bintz und Ortsvorsteherin Christiane Blatt begrüßten, mussten nicht lange auf Informationen warten: In der ehemaligen Grubensiedlung will der Eigentümer, die RAG, mit Photovoltaik Energie erzeugen. Bis zum Sommer, erklärte Rudolf Krumm, sollen alle Gebäude abgerissen sein. Krumm ist Geschäftsführer der Montan Solar GmbH, einer Tochter der RAG Montan Immobilien (RAG MI) GmbH. Die RAG MI kümmert sich um die Neunutzung früherer Bergbau-Liegenschaften.

Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung hob Krumm den Modellcharakter des Projekts hervor: Erstmals würde in Deutschland auf einer zurückgebauten Wohnfläche Photovoltaik angesiedelt. Die Energieerzeugung auf dem rund 7,5 Hektar großen Gelände sei wirtschaftlich machbar und genehmigungsfähig. Der kaum noch genutzte Spielplatz, der sich im Eigentum der Stadt befinde, könnte verlegt werden, die Straßen blieben erhalten. Eine Bepflanzung zur Wohnbebauung würde Blendeffekte ausschließen. Und neben der Anlage sei Platz für sechs neue Häuser.

In der Diskussion wurden unterschiedliche Meinungen vertreten. Einige Bürger können sich Photovoltaik auf dem Gelände vorstellen, andere sind dagegen. Ein Argument der Kritiker: Die Anlage liege zu nah an der Wohnbebauung.

Es wurden auch andere Nutzungen angesprochen. Warum entwickelt man auf dem Gelände nicht eine neue Wohnsiedlung? Vielleicht könnte man die Fläche auch in einen Park umwandeln? Die Alternativen hat die RAG geprüft. Eine erneute Wohnbebauung scheitert aus Sicht des Eigentümers schon an der fehlenden Nachfrage. Außerdem würden die großen Bruchspalten zusätzliche Sicherungen erfordern. Und bei der Umwandlung in einer öffentliche Park- oder Grünfläche stellt sich die Frage des Unterhalts und der Pflege.

Vor der Umsetzung des Photovoltaik-Projekts müsste ein Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht werden. "Wir sind in einem sehr frühen Stadium", sagte Bürgermeister Bintz. In Ortsrat und im Stadtrat wurde die Idee noch nicht diskutiert. Bintz betonte die Wichtigkeit der Bürgerakzeptanz, die Photovoltaik sei ein Vorschlag. "Man muss ergebnisoffen sein", sagte der Bürgermeister. Vielleicht liege der Schlüssel in einem Kompromiss. Und der könnte womöglich so aussehen, dass nur ein Teil der Fläche zur Energiegewinnung genutzt wird. Rudolf Krumm erklärte, dass die RAG keinen Plan B in der Schublade habe. Komme die Photovoltaik nicht, müssten andere Nutzungen geprüft werden.

Hintergrund

 Bescheidene Häuschen, aber fröhlich bunt gestrichen: die Ludweiler Ringstraße im Jahr 2008. Dass sie in schlechtem Zustand war, ließ sich freilich auch da schon gut erkennen. Foto: Oliver Dietze
Bescheidene Häuschen, aber fröhlich bunt gestrichen: die Ludweiler Ringstraße im Jahr 2008. Dass sie in schlechtem Zustand war, ließ sich freilich auch da schon gut erkennen. Foto: Oliver Dietze

Die Ludweiler Kolonie, von 1922 bis 1924 erbaut, wird durch die Ringstraße umfasst. Die ehemalige Bergarbeitersiedlung hatte durch den Kohleabbau starke Schäden erlitten. Bereits seit einigen Jahren wurden Wohngebäude abgerissen und die Kanäle zurückgebaut. Eine Sanierung der maroden Gebäude und Anlagen wäre nach Einschätzung der RAG wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen. Bis zum Sommer sollen auch die letzten der ursprünglich 79 Häuser abgerissen sein. tan