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Großer Spielplatz für kleine Entdecker

Großer Spielplatz für kleine Entdecker

Völklingen. Harmlos klingt's. Ein leises Surren. Kaum hörbar. "Los, trau dich", frozelt Heinzgard. Sohn Kevin lässt sich nicht lange bitten. Die orangene Regenjacke bis zum Kinn zugeknöpft, Schutzbrille auf, und dann: nichts wie rein, mitten ins Auge des Orkans

Völklingen. Harmlos klingt's. Ein leises Surren. Kaum hörbar. "Los, trau dich", frozelt Heinzgard. Sohn Kevin lässt sich nicht lange bitten. Die orangene Regenjacke bis zum Kinn zugeknöpft, Schutzbrille auf, und dann: nichts wie rein, mitten ins Auge des Orkans. Vier Windstärken schmettert einem der graue Riesen-Rotor vor der Möllerhalle am Völklinger Weltkulturerbe entgegen. Auf Stufe zwei schlägt Kevins Regenjacke dicke Beulen an den ausgestreckten Armen. Nach der Luft-Dusche muss sich der Junge erst einmal setzen. Wie's war? Kevin gibt sich betont lässig. "Geht so", raunt der Sechsjährige. Seine Frisur sagt etwas anderes. In alle Himmels-Richtungen stehen Kevins blonde Locken zu Berge. Wetter schreckte nicht abEs schüttet in Kübeln an diesem Familiensonntag. Trotzdem tummeln sich bis zum frühen Abend rund 4992 Gäste auf dem Hütten-Gelände. Die Zahl gibt am frühen Abend Jocelyne Pallu von der Pressestelle des Weltkulturerbes durch und berichtet, "dass man hochzufrieden sei". Vom schmalen Glassteg aus, der die Besucher an den Hochöfen vorbei hinauf zur Gichtbühne führt, kann man um die Mittagszeit eine kunterbunte Schlange aus aufgeklappten Regen-Schirmen auf ihrem Weg zum Info-Stand beobachten. An dessen Eingang wartet ein Mann mit weißem Schutzhelm. Detlef Jungmann leitet heute die große Kinder-Rallye. Auf zwölf Stationen erfahren die kleinen Besucher jede Menge zu Eisen, Stahl und dem harten Alltag eines Hüttenarbeiters. In der Gebläsehalle staunt der siebenjährige Florian über riesenhafte Werkzeuge, öltriefende Gebläse-Kolosse und ein seltsames Gerät, das ein bisschen aussieht wie ein Leierkasten. Mit weit geöffnetem Mund dreht der Junge am Hebel des schwarzen Kastens, wenig später gerät oben am Gerät ein gutes Dutzend fingerkuppengroßer Ventile immer schneller in Bewegung. "Eine Ölstand-Mess-Anlage", erklärt Rallye-Leiter Jungmann. "Damit haben die Arbeiter damals gemerkt, wann sie neues Schmier-Öl in die Maschinen füllen mussten." Ein dünner Film des stinkendes Stoffs klebt Florian nun als Andenken an den Fingern. Der Junge will zur Toilette, den Film abspülen. Doch Jungmann winkt ab. "Wasser bringt nix!" Jungmanns Erzählungen über brodelndes Roh-Eisen und den Sauna-ähnlichen Alltag der einstigen Hütten-Helden sorgen für staunende Vampir-Gesichter. Vampire? Allerdings. Plastik-Hauer, schwarz bemalte Lippen zwischen fahl geschminkten Bäckchen: Im Hochofenbüro laden Mitarbeiter zum Vampir-Schminken. Ein besonders groteskes Exemplar macht sich gerade auf den Nachhausweg: Neu-Vampir Kevin - frisch frisiert, kreidebleich, klatschnass.

Auf einen BlickAuch an Karfreitag, Karsamstag und an allen Osterfeiertagen hat das Weltkulturerbe jeweils von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Auf fünf Kilometern Besucherstrecke erfahren Gäste alles zur Geschichte von Stahl und Eisen. Im Science Center Ferrodrom erleben Kinder wie Erwachsene den rauen Alltag der Hüttenarbeiter anhand von Exponaten und Zeitzeugen-Berichten per Monitor. Daneben erschließt das Hochofenbüro mit seinen Erlebniswelten "Magnetismus" und "Transportsysteme" weitere Aspekte der Völklinger Industriekultur. Für Fans der "Wilden Kerle" lagern in der Möllerhalle mit Roboter Tom-Tom, dem "wilden" Motorrad und dem Kerle-Knoblauch-Ufo Original-Requisiten des Kinoabenteuers. bba