| 19:18 Uhr

Grenzenlose Ungeduld

Völklingen. SZ-Redakteurin Michèle Hartmann mag zwar neue Frisuren – nicht aber das lange Sitzen im Salon.

Meinung:

Grenzenlose Ungeduld

Man ist ein neuer Mensch, wenn man vom Coiffeur kommt. Das Haar, es glänzt, der graue Ansatz ist weg, der Schnitt ist prima, einfach herrlich.

Doch bis zum nahezu neuen Kopf ist es ein schmerzlicher Weg. Es fängt mit der Farbe an. Die muss ordentlich aufgetragen werden, und das dauert. Doch die Illustrierte aus dem Lesezirkel-Fundus hilft über die Pampe-Phase hinweg. Man arbeitet sich durch - von der Politik über die Story vom Massenmörder bis zur Seite mit dem Humor. Den braucht man, weil die Farbe nun noch ein ganze Weile einwirkt.

Dann der freundliche Appell, das Waschbecken aufzusuchen. Die überschüssige Farbe wird entfernt, es folgt die Frage, ob es noch eine Haarkur sein darf. Um Himmels Willen, das dauert ja noch mal zehn Minuten länger. Dann tritt der Maestro in Aktion und vollendet das Werk. Um meine grenzenlose Ungeduld wissend, hält er beim Fönen drauf. Ich bin ihm dankbar. Nun schnell zahlen und ab in die Freiheit.

Vor Jahren, als ich noch um einiges unruhiger war als heute und mich zu blonden Strähnchen entschloss - eine ewige Prozedur -, kam am Ende die Friseurin mit dicken Lockenwicklern an. Ein schroffes "Nein" beendete die kreative Phase der Dame. Berufsbedingt beleidigt zog sie ab.

Männer mit Glatze wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht.

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