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Was Buchstaben bewirken
Gotha? Nein, Ghouta

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Täglich flimmern Schreckensbilder in unsere Wohnzimmer: Bürgerkrieg. Die Menschen, die darunter leiden, brauchen Hilfe – ganz egal, wo das ist. Von Susanne Brenner

Was doch so ein paar harmlose Buchstaben ausmachen können. Seit Tagen schon versuche ich, nicht hinzuschauen, wenn ich in Radio oder Fernsehen Nachrichten aus Gotha höre. So schlimme Dinge passieren da. Kinder, Frauen, Männer werden verletzt, getötet, ihre Welt wird in Schutt und Asche gelegt. Ein gnadenloser Bürgerkrieg wütet, so schlimm, dass die Vereinten Nationen keine Worte mehr dafür finden.


Während ich also versuche, diese Bilder nicht zu sehen, weil ich sonst nicht schlafen kann, lese ich trotzdem gerne ein bisschen im Internet, man hat ja viele „Freunde“ dort. Leider lande ich trotz sorgfältiger Auswahl meiner Kontakte  doch immer wieder mal bei gemeinen Kommentaren zur so genannten Flüchtlingskrise – ein Wort, das ich nicht leiden kann, weil es suggeriert, dass Menschen, die flüchten, weil sie Hilfe brauchen, etwas Böses tun.

Diese Leute gruseln mich, die sich da in ihren warmen, friedlichen Wohnzimmern über die Computer-Tastatur beugen und wütend schreiben, dass Menschen, die vor Krieg und Hunger geflohen sind, uns alles wegnehmen, dass sie nicht hierher gehören und überhaupt weniger wert sind.

Doch vor allem vergessen diese Schreiber eine Kleinigkeit: Tatsächlich tobt der Krieg gerade ja nicht in Gotha, sondern im syrischen Ghouta.

Aber wer sagt denn, dass die Geschichte nicht irgendwann ein paar  Buchstaben vertauscht? Und plötzlich brauchen wieder Menschen aus Thüringen Hilfe?