Gitarrenmusik zu Gitarren-Geschichten

Gitarrenmusik zu Gitarren-Geschichten

Völklingen. Eine Gitarre, die einst wie die Charango aus dem Panzer eines Gürteltiers gebaut worden ist, bietet allerhand Stoff für Buchschreiber, um Geschichten und sogar Legenden zu spinnen. Autor Erik Orsenna hat sich in seinem Werk "Eine Geschichte der Welt in neun Gitarren" ebenfalls dieses Themas angenommen

Völklingen. Eine Gitarre, die einst wie die Charango aus dem Panzer eines Gürteltiers gebaut worden ist, bietet allerhand Stoff für Buchschreiber, um Geschichten und sogar Legenden zu spinnen. Autor Erik Orsenna hat sich in seinem Werk "Eine Geschichte der Welt in neun Gitarren" ebenfalls dieses Themas angenommen. Der Inhalt in Kurzform: Der peruanische Herrscher Atahualpa wird von Eroberern erdrosselt, sein Volk verliert damit die große Fähigkeit, mit der Erde zu sprechen. Selbst der begnadete Musiker Hernandez vermag dies zunächst nicht. Erst als das bedauernswerte Gürteltier seines Weges trottet und dann zu einem Musikinstrument verarbeitet wird, wendet sich das Schicksal der Inkas. Dietmar Kunzler, Kopf der Konzert-Reihe Carbon und Stahl, besitzt als Gitarrensammler selbstverständlich eine solche Charango, zu Konzerten bringt er allerdings nur noch eine mit, die nicht aus einem Gürteltier gefertigt wurde. So auch am späten Sonntagnachmittag, als Kunzler mit dem Gitarristen Frank Brückner und Vorleser Stefan Röttig zur Premiere des neuen Programms "Gitarrengeschichten" in den Trausaal des alten Völklinger Rathauses eingeladen hatte. So Abwechslungsreich wie das Gitarrenspiel von Brückner und Kunzler sind auch die Geschichten, die zum Großteil aus Orsennas Buch stammen. Romantisch ist das Gedicht "Meine Gitarre" von Augustin Barrios Mangore. Heiter ist Orsennas Schilderung vom Gitarrenunterricht beim französischen Sonnenkönig Louis XIV. Darin denkt Gitarrenmeister Corbetta nach den ersten Lektionen verzweifelt: "Was soll man dagegen tun, wenn die königlichen Wurstfinger ein diebisches Verlangen entwickelt haben, die Saiten zu quälen?" Georg Trakls Gedicht "In den Nachmittag geflüstert" ist der stimmungsvolle Höhepunkt des Programms. Hier streuen die Gitarristen immer wieder fast lautmalerische Sequenzen zwischen die Verse, die Röttig mit viel Inbrunst vorliest. Heroisch ist Orsennas Erzählung über den Zigeuner-Jazz-König Django Reinhard, dessen linke Hand bei einem Wohnwagenbrand schwer verletzt worden war - normalerweise das Ende für jede Gitarristenkarriere. Nicht aber bei Reinhardt, der soll alleine mit Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen virtuoser gespielt haben, als manch anderer. Bizarr wirkt die abschließenden Geschichte "Finnischer Tango" von Marui Antero Numminnen. Darin entwickelt der Erzähler aus Liebe zum Tango eine skurrile Sexualität. Der Mix aus Geschichten und Gitarrenspiel kam am Sonntag beim Völklinger Publikum sehr gut an, wie der minutenlange Applaus zum Schluss bewies. Karl-Heinz Schäffner, Direktor der Volkshochschule und Gitarrenfan meinte resümierend: "Nach dieser gelungenen Premiere wünschen wir den Künstlern eine erfolgreiche Tournee."

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