Gestank nach Zwischenfall in Carling: keine Information aus Frankreich

Saar-Umweltministerium : Verantwortliche der Chemieplattform Carling informierten nicht über Störfall

Umweltminister Reinhold Jost (SPD) fordert außerplanmäßige Sitzung der grenzüberschreitenden Kommission zur Überwachung der Chemieplattform.

Nach erneutem Gestank von der französischen Chemiegroßanlage in Carling gibt das Umweltministerium in Saarbrücken Entwarnung. Nach ersten Messergebnissen im Warndt habe keine Gefahr für die Gesundheit bestanden, teilt Sprecher Damian Müller mit. Allerdings hatten die Verantwortlichen in Lothringen die deutschen Behörde nicht über den Zwischenfall informiert, der am Donnerstag (17. Oktober) für den beißenden Geruch im Völklinger Stadtteil Lauterbach und weiteren Nachbarorten sorgte. Am Freitag stehen nach Damians Informationen weitere Untersuchungen an.

Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD). Foto: dpa/Oliver Dietze

Wegen des neuerlichen Störfalls, über den das Unternehmen nicht von sich aus berichtete, fordert der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) nun dauerhafte Konsequenzen. So soll der Betreiber über Vorkommnisse grenzüberschreitend informieren müssen. „Für die aktuellen Vorkommnisse erwarte ich in den kommenden Tagen Aufklärung von französischer Seite“, wird der Politiker in einer Pressemitteilung zitiert. Künftig brauche das Saarland „in so einer Situation von Firmenseite unverzügliche und direkte Informationen über die Ereignisse“. Zudem sollte es eine technische Nachrüstung geben, die solche Zwischenfälle ausschließt.

Anrainer auf deutscher Seite hatten Polizei, Feuerwehr und das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (Lua) über den Gestank informiert. Saarländische Experten mussten nach der Ursache forschen, weil sich nich automatisch in Kenntnis gesetzt worden waren. Im Laufe des Nachmittags stellte sich heraus, dass bei der Firma Arkema auf der Chemieplattform Carling nach mehrwöchiger Wartung ein Leitungsleck aufgetreten war. Es traten dadurch nach Informationen aus dem Saarbrücker Umweltministerium an die 1000 Liter Ethylacrylat aus, was sofort verdunstet sein soll. Die Konzentration sei gering gewesen. Der Stoff gehöre zur Produktion von Acrylverbindungen, die wiederum unter anderem für Babywindeln und Plexiglasscheiben benötigt werden.

Wegen des von französischer Seite nicht gemeldeten Zwischenfalls will Minister Jost die Generalkonsulin in Saarbrücken, Catherine Robinet, kontaktieren. Außerdem will er mit Vertretern der Behörden in Frankreich darüber reden. Auch die Politik im Saarland müsse sich damit befassen. Jost kündigt dementsprechend an: „Darüber hinaus werden wir den zuständigen Fachausschuss im saarländischen Landtag unter Hinzuziehung des Europaausschusses bei der nächsten Sitzung informieren und eine außerplanmäßige Sitzung der grenzüberschreitenden Kommission zur Überwachung der Chemieplattform Carling fordern.“

Unterdessen berichteten französische Medien nicht über den Austritt der Chemikalie.

Gleichzeitig berichtet ein Sprecher der CDU in Lauterbach im Zusammenhang mit dem aktuellen Störfall von einer „noch nie dagewesenen Geruchsbelästigung“ und einem stechenden Geruch „ einmaligen Ausmaßes“. Anrainer seien „wütend, verunsichert, verängstigt“, heißt es in einer auch im Internet verbreiteten Mitteilung der örtlichen Parteiführung. Es sei unerträglich, dass die Ängste im Saarland den Verantwortlichen auf französischer Seite offenbar „völlig gleichgültig“ sind. Die Christdemokraten sehen die Gesundheit der hier lebenden Menschen in akuter Gefahr. So schließt sich die CDU der Forderung aus dem Umweltministerium nach Transparenz an, was die Informationen über austretende Stoffe in Carling betrifft.

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