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Nachts in die Backstube
Geschlafen wird dann halt am Tag

Das Team in der Bäckerei Speicher: Stefanie Aulenbach, Bettina Dürr, Peter Speicher  und Mathilde Speicher.
Das Team in der Bäckerei Speicher: Stefanie Aulenbach, Bettina Dürr, Peter Speicher  und Mathilde Speicher. FOTO: Thomas Seeber
Völklingen. Schon im November geht es los mit Gebäck und Stollen. Und Bäckermeister Peter Speicher und sein Team versorgen die Völklinger dann auch während der Festtage mit frischen Backwaren. Von Walter Faas

„Weil die zwei Monate backtechnisch was ganz Besonderes sind.“ Für Bäckermeister Peter Speicher beginnt Weihnachten am Martinstag im November. „Dann geht’s nämlich los mit Gebäck und Stollen. Unsere Stammkundschaft wartet schon darauf.“ Und Spritzgebäck, Anisplätzchen, Marzipanmakronen, Zimtwaffeln muss/darf der Bäcker dann in großen Mengen produzieren: „Ich freue mich jedes Jahr drauf.“ Die Saarbrücker Zeitung traf das Bäckereiteam vor wenigen Tagen, morgens früh, nach der Schicht, zum Fachsimpeln über das Ereignis „Weihnachten“.



In der Backstube, wo sonst? Über 100 Jahre gibt es sie hier schon, in der oberen Poststraße. Sie ist und bleibt ein archaischer Ort, Himmel und Hölle auf Erden, weil`s so gut riecht, so schön warm ist, die Brötchen direkt aus dem Ofen kommen, der Morgenkaffee schmeckt, weil’s aber auch nach heißer schweißtreibender Arbeit aussieht. Die „heiße Phase“, die letzte Woche vor dem Heiligen Abend steht bevor, und wieder freut sich der Bäcker auf eine weitere backtechnische Herausforderung: „In dieser Woche backe ich vier- bis fünfmal so viele Pasteten wie in der übrigen Zeit des Jahres. Die Kundschaft will es so.“ Und Vorbestellungen für normale Backwaren gibt es mehr als sonst: „Da wird auf Vorrat gekauft.“

Gesunder Stress für den Bäcker, aber auch das Team hinter der Theke. Mama Mathilde Speicher, Hauptverkäuferin Stefanie Aulenbach, Bettina Dürr und weitere Ladenfrauen in den beiden Filialen Post- und Rathausstraße, wissen, was am Heiligabend und am zweiten Weihnachtstag auf sie zukommt – viel Arbeit! „Ab vier Uhr morgens bereiten sich die Frauen auf den Ansturm vor. Wir öffnen ja jeden Morgen schon ab Viertel vor Fünf. Die besondere Herausforderung ist, dass der Heiligabend in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt“, sagt Speicher im SZ-Gespräch.

Gutes Stichwort: Was hält der selbstständige Bäckermeister von der Diskussion um verlängerte Ladenöffnungszeiten am Heiligen Abend? „In meinen Augen ist das Unsinn. Wer bis zum Heiligen Abend noch kein Geschenk hat, ist selbst schuld und braucht keines mehr. In unserem Metier ist das ganz was anderes. Die Leute wollen gerade an diesem Tag frische Ware auf ihrem Frühstückstisch sehen“.

Und wann kommt der Bäcker zur nötigen Festtagsruhe? „Nach der Heilig-Abend-Schicht schlafe ich erst mal ein paar Stunden. Und Weihnachten beginnt dann für mich mit der Messe um 16.30 Uhr. Der erste Weihnachtstag gehört der Familie, und abends wird schon wieder gebacken.“

Und die Verkäuferinnen lassen den freien Tag auch etwas gemütlicher angehen, denn am zweiten Weihnachtstag müssen sie schon wieder in alter Frische hinter der Theke stehen. Und auch an Neujahr wünschen sich die Kunden frische Backwaren. Bleibt nachzutragen, dass für Mama Mathilde Speicher das Weihnachtsfest ebenfalls Mitte November, nach dem erwähnten Martinstag, beginnt, kümmert sie sich doch seit Jahrzehnten perönlich um die schöne winterliche Weihnachtsdeko in den Schaufenstern.