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Völklinger Verkehrsentwicklungplan bleibt umstritten
Geschäftsleute warnen vor Fußgängerzone

Völklingen. Völklinger Ortsrat teilt die Bedenken zur geplanten Aussperrung von Autos im Verkehrsentwicklungsplan. Von Thomas Annen

Nora Becker und Claudia Berger, zwei Geschäftsfrauen aus der Völklinger City, haben sich am Dienstag im Ortsrat als Vertreterinnen des Wirtschaftskreises gegen eine Änderung der Verkehrsführung in der Innenstadt zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Ein Darmstädter Büro hat einen Verkehrsentwicklungsplan erarbeitet, der die Verkehrsführung dort auf den Kopf stellen würde. Unter anderem soll die Rathausstraße in eine Fußgängerzone umgewandelt werden, während die Poststraße wieder zu einer Durchgangsstraße umgebaut wird.


Nora Becker plädierte für den Erhalt des Rundparcours Bismarck­straße – Poststraße – Rathaus­straße. „Die Kunden wollen mit dem Auto bis zur Kasse fahren“, sagte sie. Mittlerweile hat die Geschäftsfrau über 700 Unterstützer-Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner, die auch aus Riegelsberg, Großrosseln oder Wadgassen kommen, votieren für mehr Kurzparkplätze in der Rathausstraße, sind gegen eine Sperrung der Verbindung Rathausstraße-Bismarckstraße für Pkw und gegen eine Öffnung der Bismarckstraße in beide Fahrtrichtungen. Der Ortsrat zeigte Verständnis für die Sorgen. Der Tenor vieler Diskussionsbeiträge: „Lasst erst mal den Modepark Röther kommen, dann schauen wir weiter.“

Wenn die Sperrung der Rathausstraße für den Durchgangsverkehr durchgesetzt werden sollte, müssten sich auch die Geschäftsleute und Ärzte in der Poststraße auf eine langwierige Baumaßnahme einrichten. Die Poststraße, derzeit verkehrsberuhigter Bereich, soll dann nämlich wieder in eine Durchgangsstraße umgewandelt werden. Dabei müssten die bisherigen Hindernisse abgeräumt und der Fahrbahnbelag grundsaniert werden

Grünes Licht gab es im Ortsrat für einen Bebauungsplan, der die Voraussetzungen für die Unterbringung der Polizei im Postgebäude am Markt schafft. Die Stadt hatte das Gebäude, das nur noch teilweise von der Post genutzt wird, vor Jahren für 350 000 Euro gekauft.

Einen Anbau im rückwärtigen Bereich nutzt aktuell die Kindertagesstätte St. Eligius. Deren eigentliches Domizil in der Hofstattstraße wird zurzeit erweitert und umgebaut. Nach der Rückkehr der Kinder an ihren Stammsitz soll der Anbau der Polizeiinspektion Völklingen für eine Erweiterung zur Verfügung gestellt werden. Die Inspektion sitzt in Räumen in der Cloosstraße, die an das Postgelände angrenzen. Dort wird es für die Polizei zu eng. „Polizeiinspektionen müssen darüber hinaus über zwei von einander unabhängige Ein- und Ausfahrtbereiche verfügen, um im Notfall ohne Verzögerungen zum Einsatzort zu gelangen“, heißt es in der Begründung.



Für das Vorhaben ist eine Änderung des Bebauungsplans notwendig. Der circa 7700 Quadratmeter große Bereich liegt zwischen Markt-, Moltke- und Cloosstraße. Vergnügungsstätten und Bordelle  werden hier verboten. Bei der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden gab es keine Einwände. „Es spricht nichts dagegen“, sagte Sarah End vom zuständigen Illinger Büro Kernplan. Einstimmig votierte der Ortsrat dafür, den Bebauungsplan als Satzung zu beschließen.

Während der Sitzung wurden auch Zuschüsse verteilt. Mit rund 8130 Euro unterstützt der Ortsrat Seniorenveranstaltungen der Arbeiterwohlfahrt sowie der katholischen und der evangelischen Kirche. Ein Zuschuss in Höhe von 5113 Euro geht an die Tagesförderstätte der Lebenshilfe, Ortsverein Völklingen.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt votierte der Ortsrat gegen den von der Telekom geplanten Rückbau von drei öffentlichen Telefonsäulen in der Stadtmitte. Bei den Sprechstellen handelt es sich um so genannte Pflichtleistungsstandorte. Das heißt, die Zustimmung der Stadt zum Rückbau ist erforderlich.

Zu Beginn der Sitzung hatte die SPD mitgeteilt, dass Jutta Stumm-Burkhardt neue Fraktionssprecherin ist. Sie folgt auf Klaus Hilgers, der im Dezember 2017 plötzlich verstorben war. Stellvertretender SPD-Sprecher ist nun Horst Klaus Sahre.