Gemüse und Kräuter für alle

Völklingen · Im zweiten Jahr betreuen Mitstreiter des Bürgergartens das Projekt „Essbare Stadt“ in der Völklinger City. Zu kämpfen haben sie mit der ungewöhnlichen Witterung. Immer wieder mussten sie neu nachpflanzen. Jetzt können Bürger naschen.

Gestern Mittag: Ein bisschen lassen die orangefarbenen Blumen, die Kohl- und Salatpflanzen die Blätter schon wieder hängen in den Beetkästen und Baumscheiben am Platz Ars-sur-Moselle in der Völklinger Innenstadt. Etwas matt stehen die Pflanzen da, obwohl sie gerade am Tag zuvor eine extra Dusche abbekommen haben.

Rückblende: Es regnet am Dienstagvormittag. Vier leicht durchnässte Mitstreiter des Bürgergartens in Fürstenhausen bepflanzen unter Anleitung von Monika Nicola die Hochbeete . Setzen junge Salat- und Gemüsepflanzen in entstandene Lücken. Auch Gärtnermeisterin Susann Gregor, die für das Zentrum für Bildung und Beruf (BBZ) in Burbach das Projekt "Essbare Stadt" im zweiten Jahr mitbetreut, schaut vorbei. "Eigentlich freue ich mich über den Regen", gibt sie nach einem Blick in den Himmel zu. Denn dieser heiße Sommer habe den Pflanzen sehr zugesetzt. Täglich musste jemand zum Gießen vorbei kommen - natürlich auch am Wochenende.

Ärgerlich, dass ausgerechnet in dieser Hitzeperiode der Brunnen nebenan auf dem Forbacher Platz defekt war. So mussten die Bürgerarbeiter mit Hilfe eines Gießrohrs und eines 100 Meter langen Schlauchs den benachbarten Hydranten um die Ecke anzapfen. Auch die Mitarbeiter der städtischen Gärtnerei halfen. "Sie kamen vorbei und wässerten die Beete", berichtet Susann Gregor, die die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung ausdrücklich lobt: " Die Stadt hat ja jetzt eigentlich ganz andere Sorgen."

Kein Vandalismus mehr

Und trotzdem: "Schon vier Mal mussten wir nachpflanzen, weil alles verwelkt und verdorrt ist", berichtet sie. Und nach dem ersten City-Open-Air-Konzert im angrenzenden Pfarrgarten hätten Vandalen gehaust, sagt Gregor. Ihre Mitstreiter fanden am nächsten Tag herausgerissene und zertrampelte Pflanzen und Schilder vor (wir berichteten). Doch seitdem, freut sich die Gärtnermeisterin, sei nichts mehr zerstört worden auf den Hochbeeten. "Nur die Plastikschilder werden immer wieder gestohlen." Darum stellt das Team jetzt auf ganz einfache und preiswerte Stecker um, die mit Bleistift beschriftet werden. So können sich Passanten über jede Pflanze informieren und sie bei Bedarf abschneiden und mitnehmen.

Das ist gewollt und entspricht dem Modell "Essbare Stadt": Alles was dort wächst, darf geerntet werden. "Momentan sind das vor allem Salatköpfe und Kräuter ", weiß die Leiterin des Bürgergartens, Monika Nicola. In zwei Wochen, schätzt sie, wird auch Gemüse wie Zucchini und Co. reif sein. Und sie berichtet weiter, dass auch im Bürgergarten momentan die Hege und Pflege von Gemüse im Mittelpunkt der Gartenarbeit stünden. Wobei ausdrücklich - wie in den Hochbeeten in der City auch - ökologischer Gartenbau praktiziert wird: Die derzeit rund 15 Mitstreiter kennen das schon: keine Pestizide, keine chemischen Pflanzenschutzmittel . Stattdessen werden Schnecken von Hand abgesammelt, Brennesseljauche und Wermuttee sind im Einsatz.

Bürgergarten feiert Geburtstag

Da der Bürgergarten heuer 30 Jahre alt wird, planen Monika Nicola und ihr Team einen Tag der offenen Tür "irgendwann im September". Dann können die Besucher sich nicht nur über gärtnerische Tricks und Arbeitsweisen informieren, es soll auch Programm geben. "Wir denken an Stockbrot für Kinder, Kartoffelfeuer und Grillen", sagt Nicola.

Zum Thema:

HintergrundVorbild für das Projekt "Essbare Stadt" in Völklingen war zunächst das Modell "Garten in der Stadt" in Andernach am Rhein. Susann Gregor berichtet von einem gewachsenen Interesse an der Idee auch in anderen Orten. In Saarbrücken wird Obst und Gemüse im Echelmeyerpark angebaut, im benachbarten Sarreguemines entstand der "Jardin Familial". Blieskastel denkt aktuell über ein Konzept nach. Susann Gregor hofft, dass die "Essbare Stadt" in Völklingen auch 2016 weiter geführt werden kann. Offen sei neben der Finanzierung, ob Jocenter und Arbeitsamt noch Leute zur Verfügung haben, so Gregor. Betreut wird das Projekt von Langzeitarbeitslosen im ehemaligen Ökogarten der Volkshochschule Völklingen , dem heutigen Bürgergarten. red