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"Geld wird auf der Baustelle verdient"

"Geld wird auf der Baustelle verdient"

Wehrden. Bauunternehmer Giuseppe Marullo aus Völklingen-Wehrden hat alles andere als ein typisches Chef-Büro: keine schweren Ledersessel, keine Repräsentations-Ecken, keine Bar, und wo bei Wettbewerbern Ölbilder hängen, wird seine "Kultur-Ecke" von einem Fanschal des geschätzten Fußball-Vereins AC Mailand geschmückt

Wehrden. Bauunternehmer Giuseppe Marullo aus Völklingen-Wehrden hat alles andere als ein typisches Chef-Büro: keine schweren Ledersessel, keine Repräsentations-Ecken, keine Bar, und wo bei Wettbewerbern Ölbilder hängen, wird seine "Kultur-Ecke" von einem Fanschal des geschätzten Fußball-Vereins AC Mailand geschmückt.Der Schreibtisch aus Holz und Granit, den er gelegentlich sogar mit seinem technischen Leiter teilt, trägt nur das Wichtigste, vor allem zwei Monitore. Der eine gehört zum Computer, auf dem zweiten liefern Kameras Video-Bilder vom Gelände und von Baustellen.

Früher, so schmunzelt Marullo, sei dieser Raum das Kinderzimmer seiner Schwester gewesen! Richtig, die Firma sitzt noch immer in dem Wohnhaus, in dem Vater Nunzio 1972 die Baufirma gründete.

Um die Kargheit des Büros zu verstehen, muss man die Einstellung des 36-Jährigen zu seinem Beruf kennen: "Geld wird auf der Baustelle verdient, nicht hier drin!"

Giuseppe Marullo ist, abgesehen von den frühen Morgenstunden am Schreibtisch, fast immer unterwegs, um sich selbst um möglichst alles zu kümmern, er liebt es, sich in die winzigsten Details großer Aufträge zu knien, vom Gegenlesen jeder einzelnen Rechnung bis hin zum Stromverbrauch eines Lastenkrans.

Dieses Kümmern ist, wie er versichert, keinesfalls Marotte, sondern Geschäftsgrundlage: Wer alles im Blick habe, alles auch vormachen könne, der wisse am besten, wo was fehlt, der könne mit geringem Aufwand alles zum Besten organisieren und spare Zeit, Material und Geld.

Die Giuseppe Marullo GmbH hat lediglich 70 Mitarbeiter, zieht im Saarland aber prächtige Aufträge an Land und wirkt, weil ihre Schilder an etlichen Großprojekten wie Stadtmitte am Fluss und Uniklinik Homburg prangen, so präsent wie ein Großkonzern.

"Man munkelt manchmal, der Marullo verhebe sich, aber das stimmt eben nicht. Ich weiß genau, was wir können." Schwere Sachen mag er besonders gern, so derzeit einen Klinikbau in Trier im Hochwasserbereich. Das Schönste ist für ihn, wenn Aufträge sogar weit vor der vereinbarten Bauzeit abgearbeitet werden.

Bei dieser Arbeitsauffassung ist verständlich, warum Giuseppe Marullo allenfalls Kurzurlaube einlegt.

Sein Golf-Handicap von 34 ist für einen Workaholic wie ihn ziemlich gut. Der Sonntag gehört der Familie, und wenn demnächst ein neuer Firmensitz auf dem Kokereigelände gebaut wird, dann wird das Chefzimmer nicht viel anders als das heutige. Mit dem nach dem Opa genannten Nunzio Marullo, neun Monate, steht übrigens bereits ein potenzieller Nachfolger bereit.