Für Vielfalt – gegen Einfalt

Interkulturelle Wochen gibt es in Völklingen schon lange. Zum Start hatte die Stadt dieses Mal in die Wehrdener Kulturhalle eingeladen – zu einem Willkommensfest für Flüchtlinge. Das große gesellschaftliche Engagement für sie fand bei den Rednern viel Lob.

Nach nur wenigen Takten haben die Schülerinnen das Publikum in der voll besetzten Wehrdener Kulturhalle im Griff bei der Auftaktveranstaltung zur Interkulturellen Woche. "Viel zu tun" heißt der Rap-Song der Gemeinschaftsschule am Sonnenhügel, einer Schule ohne Gewalt, dafür mit Courage. Die meisten in der Halle klatschen im Takt mit, fast zwei Dutzend sind sogar von ihren Stühlen aufgestanden und versuchen, die einfache Choreografie, so gut es auf dem engen Raum geht, im Stehen mitzumachen. Zuvor war die Zeit der Gebete und der Reden: Pastor Thomas Weber, Pfarrerin Rita Wild und Imam Abdulla Kotsch wenden sich im interkulturellen Gebet an Katholiken, Protestanten und Muslime.

Eine interkulturelle Woche gebe es schon seit 40 Jahren, initiiert von einer Arbeitsgruppe widme man sich dem Thema immer unter einem bestimmten Motto, sagt Klaus Kunz vom saarländischen Sozialministerium. "Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt", heißt es dieses Mal. Kunz weiter: "Dieses Jahr ist es aber etwas Besonderes." So hohe Zuwanderungszahlen habe es nie gegeben, die Herausforderung, die Lage zu bewältigen, sei enorm. Wie Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) ist er überwältigt vom großen Engagement der Gesellschaft. Für Lorig selbstverständlich: "Wir müssen alles dafür tun, dass die Menschen sich in ihrer neuen Heimat wohl fühlen." Schließlich biete sich ja auch eine Chance: "Gesellschaft, Vereine und Unternehmen können davon profitieren."

Einer, der im Saarland längst zu Hause ist, der kulturelle Veranstaltungen stets mit seiner Musik bereichert, der an Schulen immer wieder Schüler für das Trommeln und für Toleranz begeistert, der mit seinem gewinnenden Lächeln alleine die Menschen in seiner Umgebung schon froh macht, ist das beste Beispiel dafür: Dede Mazietele. Er war vor mehr als 20 Jahren selbst Flüchtling. "Aus Afrika, wo viele Neuigkeiten mit der Trommel verbreitet werden", sagt Kunz, der den Afrikaner schon lange kennt. Dede selbst ergänzt: "Ich bin 1992 aus politischen Gründen nach Deutschland gekommen." Statt zur Trommel greift er zunächst aber lieber zur Gitarre, singt auf Afrikanisch und Deutsch. Weiter musizieren Resch und Cakiv sowie Muhamed Fara. Ehe man sich den kulinarischen Genüssen widmete, den die Kulturen so zu bieten haben. Und dabei auch ins Gespräch kommt.

Eine "Mahnwache" der rechtsextremen "Saarländer gegen Salafisten " rund 200 Meter von der Halle entfernt hatte sich da bereits lange aufgelöst. Sie dauerte auch viel kürzer als geplant - wohl auch, weil sich wenig mehr als ein Dutzend einer 70 bis 80 Personen starken Gruppe gegenüber sah, die lautstark gegen die Sagesa protestierte (siehe Bericht unten). Man kann sie mühelos zählen, die "Saarländer gegen Salafisten ", die am Montagabend protestieren wollen gegen das Willkommensfest in der Kulturhalle: Gegen 18.30 Uhr halten genau 14 Leute auf dem Bürgersteig neben dem Wehrdener Platz die üblichen Transparente der rechtsex tremen Sagesa hoch. Die schwarzen Dinger sind lang, die Halter stehen weit auseinander; so ist ihre Mini-Demo eine wortkarge Angelegenheit.

Umso munterer geht es auf der anderen Straßenseite zu. Dort drängen sich Gegendemonstranten mit Anti-Rassismus- und "Refugees welcome"-Spruchbändern, noch um diese Zeit etwa 60 Menschen. Anfangs waren es 70 bis 80, einige sind bereits zum Fest gegangen, berichten Beobachter. Linke und Piratenpartei sind dabei. Auch Vertreter der IG Metall - "das versteht sich", sagt einer von ihnen, "denn Saarstahl ist multikulti." Aus den Lautsprechern schallt "Schrei nach Liebe" von den "Ärzten", zum Refrain wird genüsslich "A…loch" zur Sagesa hinübergerufen. Aber es fliegen nur Worte, sagt die Völklinger Polizei .

Um Punkt 19 Uhr rollt das Sagesa-Häuflein seine Transparente ein. Zwei junge Männer flitzen mit einem Besen über die Straße, kehren lachend hinterher. Zugleich löst Paul Ganster von den Völklinger Linken die Gegen-Demo auf.