Frühere Bergbaugemeinde im Warndt

Ludweiler ist der zweitgrößte und neben Lauterbach der jüngste Stadtteil von Völklingen. Erst 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform in die Mittelstadt eingegliedert. Ludweiler liegt an der Grenze zu Frankreich in einem Waldgebiet, dem Warndt

Die weiße Hugenottenkirche ist ein Ludweiler Wahrzeichen und ein ansprechender Rahmen für hochkarätige Hörerlebnisse. Foto: SZ.
Gläserne Schätze im Ludweiler Glas- und Heimatmuseum, das zwei Dauerausstellungen vor volkskundlichem Hintergrund zeigt. Foto: Ver.

Ludweiler ist der zweitgrößte und neben Lauterbach der jüngste Stadtteil von Völklingen. Erst 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform in die Mittelstadt eingegliedert. Ludweiler liegt an der Grenze zu Frankreich in einem Waldgebiet, dem Warndt.Von großer archäologischer Bedeutung sind zahlreiche Funde aus vorgeschichtlicher Zeit, darunter ein etwa 200 000 bis 300 000 Jahre altes Steinwerkzeug, das 1940 von Wehrmachtsangehörigen auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei gefunden wurde. Dieser "Ludweiler Faustkeil" ist heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken zu besichtigen.Ludweiler entstand eigentlich aus einer Wirtschaftsförderungsmaßnahme des Grafen Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken. Er erlaubte 1604 zwölf französischen Hugenotten, die wegen ihres calvinistischen Glaubens aus ihrer Metzer Heimat fliehen mussten, "im Warneth" ein Dorf zu gründen. Mehr Einwohner - das bedeutete für den Grafen auch mehr Geld, zumal die Einwanderer geschickte Handwerker und Glasmacher waren. Später zogen auch deutschsprachige Schweizer nach "Ludwigsweiler" und im 19. Jahrhundert schließlich viele Katholiken, die hauptsächlich am Ortsrand siedelten. Nach einigen Jahrzehnten verkürzte sich der Name in Ludweiler. Wahrzeichen des Ortes ist die 1785 erbaute Hugenottenkirche am Marktplatz. Im 19. und 20. Jahrhundert fanden in Ludweiler viele Zuwanderer Arbeit und Brot durch den boomenden Bergbau. Es entstanden mehrere Bergmannssiedlungen, und viele örtliche Betriebe profitierten vom nahen Bergbau. Seit 2005 ist die Förderung im nahen Bergwerk Warndt eingestellt. Der Stadtteil zählt heute etwas mehr als 6000 Einwohner und verfügt über eine weitgehend intakte Infrastruktur, zahlreiche Vereine und Bildungseinrichtungen von der Grundschule bis zum Gymnasium. Ein bekannter Bürger Ludweilers ist der erfolgreiche Speerwerfer Boris Henry.SehenswertesDie erste saarländische Glashütte entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Ludweiler. Wer darüber mehr erfahren möchte, für den lohnt sich ein Besuch der beiden Dauerausstellungen im Glas- und Heimat-Museum Warndt am ehemaligen Bürgermeisteramt in Ludweiler. Darüber hinaus hat sich die evangelische Hugenottenkirche in Ludweiler mit ihrer historischen Stumm-Orgel und hochkarätigen internationalen Orgelkonzerten über die Region hinaus einen Namen gemacht. cms