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Kolumne
Früher war mehr Abenteuer

Kommentarkopf Ulrike Paulmann
Kommentarkopf Ulrike Paulmann FOTO: Robby Lorenz / SZ
Erinnern Sie sich noch? Es gab mal Zeiten, da hat man mit Hilfe eines mehr oder minder zerfledderten Straßenatlas den Weg von A nach B gefunden. Und ja, lieber staunender Nachwuchs, nur damit . . . Von Ulrike Paulmann

Eltern-Taxi-Fahrt in den Osterferien. Vier aufgedrehte Mädels hibbeln bester Laune im Auto. Die Tochter will ein bisschen angeben: „Mama, darf ich den anderen die Welt zeigen?“ Sie fummelt  am Navigationsgerät herum. Auf dem Bildschirm erscheint der Erdball, einschließlich unserer exakten Position. „Hat mein Papa auch“, tönt es von hinten links. „Ja, meine Mama auch“, kommt es aus einem Mädchen-Mund von hinten rechts, beides klingt gelangweilt. Das war wohl nix mit dem Beeindrucken.


Viel größer ist die Aufmerksamkeit, als ich den Sieben- und Achtjährigen von „früher“ erzähle (das noch gar nicht lange her ist): als ich von Geräten, die einem den Weg diktieren, träumte. Und stattdessen stets einen unhandlichen, ringgebundenen und bald ziemlich zerfledderten, angegrabschten Saarland-Straßenatlas im Gepäck hatte, wenn ich an ein mir unbekanntes Ziel fahren musste. Was bei Journalisten häufig der Fall ist. „Oh je, wie hast du das denn gemacht?“, fragt die junge Dame hinter mir besorgt, die andere pustet bedauernd aus. „Hast du dann immer angehalten, um nach dem Weg zu kucken?“, fragt meine Tochter. Die Reaktionen zeigen deutlich: Es muss schrecklich gewesen sein früher.

War es das? Da musste man halt etwas Gehirnschmalz verwenden, um selbst den richtigen Weg zu finden. Und wusste leider nicht immer, ob es sich irgendwo staute. Dafür konnte aber auch keine Technik versagen. Nie vergessen werde ich den Moment, als ich in einem fremden Land ziemlich viel umher fahren musste und gleich zu Beginn das Navi streikte. Selten habe ich mich so hilflos gefühlt, selten habe ich so ausdauernd geschwitzt und geflucht.

Aber schon lange war ich auch nicht mehr so stolz – als ich nämlich alles „nur“ mit Hilfe einer popeligen Papierkarte erreicht hatte. Inklusive Staus, regelmäßigem Halten zum Karten-Studieren und intensiver Begutachtung der Umgebung außerhalb des Autos.

War also früher alles besser? Nein, natürlich nicht. Da wusste ich auch nicht, wie meine Position auf dem Erdball gerade aussah. Was mir aber auch, ehrlich gesagt, herzlich egal war. Denn ich hatte genug damit zu tun, mich mit Welt um mich herum zu beschäftigen, nicht mit der auf dem Bildschirm. Früher war auf jeden Fall mehr Abenteuer.