Frank Siegwarth informiert im Ludweiler Wildpark über Wildschweine

Frank Siegwarth : Der Vegetarier mit Hang zu Wildschwein

Frank Siegwarth ist ein großer Fan der Schwarzkittel. Aber er studiert und fotografiert die intelligenten Tiere nur.

Gerne pirscht Frank Siegwarth (52) frühmorgens durchs Unterholz, um Wildschweine ins Visier zu nehmen. Statt auf Blattschüsse mit der Flinte hofft er allerdings auf Schnappschüsse mit seiner Kamera. Niemals würde der verheiratete Verwaltungsangestellte seinen vierbeinigen Freunden auch nur eine Borste krümmen. Schon als Kind begleitete der kleine Frank Oma und Opa in den Karlsbrunner Wildpark. Ihn fasziniert die liebenswerte, manchmal auch ungestüme Art der Schwarzkittel. „Sie sind unheimlich intelligent und clever.“

Seine Leidenschaft für die scheuen Waldbewohner lässt sich gut mit seinem zweiten Hobby, der Naturfotografie, verbinden. Siegwarth fotografiert und zeichnet die Tiere nicht nur, er schreibt auch Wildschwein-Geschichten. Im Ludweiler Wildpark hat der Völklinger eine Infotafel gestaltet. Der Text und die gemalten Bilder bringen den Besuchern den Alltag von Familie Wutz näher.

Als Comic-Fan mag Siegwarth natürlich auch die Asterix-Hefte. Sein Verhältnis zu Obelix ist entspannt, dem dicken Gallier gönnt er seine Wildschwein-Mahlzeiten. Ihm selbst kommt allerdings kein Braten auf den Teller. „Ich bin seit fast 20 Jahren eingefleischter Vegetarier“, verrät der Tierschützer.

Seit Jahrzehnten studiert er Lebensweise und Sozialstruktur der anpassungsfähigen Wildschweine. Er beobachtet ihr Verhalten im Gehege und in der freien Wildbahn, liest Fachliteratur, tauscht sich mit Jägern und Förstern aus. Siegwarth hat sogar das Quieken der Säue aufgenommen. „Sie haben eine richtige Sprache“, stellte er bei der Analyse der Laute fest. Ein kräftiges Schnauben durch die Nase dient als Warnung. Und ein zufriedenes Grunzen signalisiert den Kollegen: „Mir geht’s gut, ich bin noch da.“

Der Experte will das Image der Tiere verbessern und zeigen, dass die Rotten keine aggressiven Schweinebanden sind. Sein Wissen ist gefragt. Siegwarth hält Vorträge an der Volkshochschule, die Süddeutsche Zeitung hat ihn interviewt. Auch im Fernsehen und im Radio informierte er schon über die Wildschweine. Und einem Kraftwerksbetreiber erklärte der Fachmann, wie sich sein Wartungstrupp verhalten soll, wenn er auf die Tiere trifft. Kommt es zu einer Begegnung, sollte man sich langsam entfernen. Da die Tiere schlecht sehen, hilft es, in die Hände zu klatschen oder laut zu rufen. Dann ist klar, aus welcher Richtung die vermeintliche Gefahr kommt.

Ganz wichtig: Die Wildsäue nicht in die Enge treiben. Was passiert, wenn sie sich bedroht fühlen, merkte Siegwarth, als er einmal im Wald um einen Busch spazierte und plötzlich vor einer Rotte stand. Die Anführerin startete einen Scheinangriff: Sie rannte auf ihn zu, schlug kurz vor ihm einen Haken und drehte um. Die eindeutige Botschaft: „Letzte Warnung, verschwinde!“

Manchmal verlassen die Tiere den Wald, um in Gärten Nahrung zu suchen. Die Folge: aufgewühlte Erde und zerstörte Pflanzen. Werden die ungebetenen Gäste fündig, kommen sie immer wieder. Dann hilft nur noch ein stabiler Zaun. Einen solchen Schutzzaun, berichtet Siegwarth schmunzelnd, hatte auch ein Gärtner um sein großes Anwesen gezogen. Dumm nur, dass er vergaß, die Schwarzkittel vorher vom Gelände zu vertreiben. Jetzt saßen sie in der Falle. Gemeinsam mit Siegwarth gelang es, den Säuen den Weg in die Freiheit zu zeigen.

Der Tierfreund hofft, dass ihn das Schwarzwild noch lange auf seinem Lebensweg begleitet: „Mein Traum wäre ein Bauernhof mit zwei bis drei handzahmen Wildschweinen“, sagt Frank Siegwarth.

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