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Forschung für den Fisch-Hunger

Völklingen. Bei der Fischzucht auf dem früheren Kokereigelände in Fürstenhausen stellen Kritiker zunächst einmal die Frage nach der Rentabilität. Die sieht Oberbürgermeister Klaus Lorig bereits jetzt beantwortet Von SZ-Redakteur Bernhard Geber

Völklingen. Bei der Fischzucht auf dem früheren Kokereigelände in Fürstenhausen stellen Kritiker zunächst einmal die Frage nach der Rentabilität. Die sieht Oberbürgermeister Klaus Lorig bereits jetzt beantwortet. Die Abnahme der Jahresproduktion sei bereits bis 2016 vertraglich gesichert, und es sei bereits klar, dass sich ein norddeutsches Fischverarbeitungs-Unternehmen mit mindestens 15 Arbeitsplätzen am Standort Fürstenhausen niederlasse. Und Klaus Lorig betont nach wie vor mit Stolz, dass das Völklinger Projekt "einmalig in der Welt" sei.Da geht es nicht nur darum, erstmals in einem geschlossenen Salzwasser-Kreislauf im Binnenland Meeresfische für den Markt zu produzieren. Neben der Großanlage, die zunächst 500 Tonnen Edelfisch pro Jahr produzieren soll, steht eine eigene Forschungshalle. Da sollen bereits ab Oktober Systemkreisläufe weiter erprobt und verbessert werden und vor allem auch empfindlichere Fischarten sozusagen an die Produktionsreife herangeführt werden. Als erstes steht hier ein Shrimps-Projekt auf dem Programm. Tiger-Garnelen, nicht nur bei Feinschmeckern beliebt und begehrt, sollen künstlich vermehrt und als Setzlinge aufgezogen werden. Das Projekt, für den asiatischen Markt gedacht, wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit 280 000 Euro gefördert. Weiter angedacht sind beispielsweise Muschelzucht und die Erprobung von Pflanzen, die Reststoffe aus der Fischzucht verwerten. Die Fischzucht-Betreiber arbeiten hier eng mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) des Saarlandes zusammen. Die hat eigens eine Professur für Aquakultur, besetzt mit dem Meeresbiologen Dr. Uwe Waller, eingerichtet. Und auch ansonsten können Studenten der Ingenieurwissenschaften an der HTW nun in der Praxis lernen. Was sie dann für einen weltweiten Einsatz bei ähnlichen Vorhaben qualifiziert. "Das Völklinger Projekt kann einen neuen globalen Markt eröffnen", fasst HTW-Dekan Professor Hans-Joachim Weber seine Sicht der Dinge zusammen.Noch hakt es etwas mit dem Kreislauf-Gedanken. Ursprünglich sollte die Energie für die Meeresfischzucht aus einer benachbarten Biogasanlage kommen. Die Baugenehmigung ist beantragt. Die Realisierung hängt aber davon ab, ob die nötigen Abfallmengen eingeworben werden können. Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Altpeter sieht die Fischzucht mittlerweile unabhängig von der Biogas-Anlage. Zunächst sollen die Stadtwerke die nötigen Millionen Kilowattstunden an Strom und Fernwärme liefern. Was dann aus einer künftigen Biogas-Anlage kommt, werde ins Netz der Stadtwerke eingespeist und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet.