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Fördergerüste sind noch im Dienst

Fördergerüste sind noch im Dienst

Luisenthal. Besorgt meldeten sich in diesen Tagen SZ-Leser in der Redaktion. Auf dem Gelände des Bergwerks Luisenthal, berichteten sie, seien Abriss-Arbeiten im Gange

Luisenthal. Besorgt meldeten sich in diesen Tagen SZ-Leser in der Redaktion. Auf dem Gelände des Bergwerks Luisenthal, berichteten sie, seien Abriss-Arbeiten im Gange. Was denn da los sei? Ob es demnächst auch den Fördergerüsten an den Kragen gehe und damit der charakteristischen Luisenthaler Orts-Silhouette?In der Tat, Abbruchbagger sind in Luisenthal am Werk, bestätigt Wolfgang Bintz auf SZ-Nachfrage. Bintz ist Leiter des Regionalbüros Saarprojekt der Montan-Grundstücksgesellschaft (MGG), die die Liegenschaften der Deutschen Steinkohle AG (DSK) verwaltet. Die DSK habe - ebenso wie im Warndt - Anlagen-Teile an die Verwertungsfirma RBI verkauft. Dies betreffe jedoch nur die Kohle-Aufbereitung, also die Reste der bereits vor Jahren abgebrochenen Kohlewäsche und die Sieberei. Für die historischen Gebäude und die Fördergerüste hingegen gelte Denkmalschutz.

Axel Böcker, beim Landesdenkmalamt zuständig für Industrie-Denkmäler, präzisiert: Denkmalschutz gelte bisher für die zur Werkstatt umfunktionierte ehemalige Waschkaue, die einstige Direktoren-Villa im rückwärtigen Teil des Geländes, das Fördermaschinenhaus des Schachtes Richard I und das historische Verwaltungsgebäude, allesamt aus der Frühzeit des Bergwerks, das auf das Jahr 1899 zurückgeht. Außerdem sei geplant, das Fördermaschinenhaus des zweiten Richard-Schachtes, beide Fördergerüste und wohl auch den Bahnhof in die Denkmalliste aufzunehmen. Die aktuellen Abriss-Arbeiten seien mit der Denkmalpflege abgestimmt und "völlig unproblematisch": Da gehe es es ausschließlich um Bauten aus jüngster Zeit.

Und wie steht es um das artenreiche Biotop, das sich auf der Luisenthaler Halde und am dortigen Schlammweiher entwickelt hat? Bintz würde es gern erhalten und als Naherholungsgebiet für den Stadtteil zugänglich machen. Doch ob, wie und wann das möglich sei, sei noch ungewiss, fügt er hinzu; noch gebe es kein Zukunfts-Konzept für die Fläche. Teile der Tagesanlage seien ja auch noch in Betrieb, für Wasserhaltung und Gas-Gewinnung.

Denkmal: Die Werkstatt entstand um 1900. Foto: Döpke
Markant: Das Fördergerüst am Schacht Richard II. Foto: Döpke
Abbruch: Die Sieberei, ein Funktionsbau aus jüngerer Zeit, wird bald vollständig verschwunden sein. Foto: Barton

Dabei wird es auch vorerst bleiben, sagt DSK-Sprecherin Annette Weinmann. Da die Grube Ensdorf unterirdisch verbunden ist mit stillgelegten Gruben - Ausnahme: Warndt -, müssen die Pumpen in Luisenthal, Reden und Camphausen weiterlaufen, "so lange es Bergbau im Saarland gibt". So lange dienen die Luisenthaler Fördergerüste noch ihrem alten Zweck. Und mindestens so lange wird auch das Naturparadies am Schlammweiher keine Dürre erleiden. Gespeist wird es nach Weinmanns Auskunft aus Oberflächenwasser: Der Regen, der auf der Bergwerks-Fläche niedergeht, wird im Veltheim-Stollen gesammelt und zur Halde hochgepumpt. Das Grubenwasser aus der Tiefe hingegen fließt aus Kostengründen abwärts, in die Saar.