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Nikolaus besucht Migrantenkinder
Flüchtlingskinder lernen  Nikolaus kennen

Völklingen. Verein Miteinander in Völklingen organisierte eine erste Begegnung mit dem legendären Wohltäter.

Als der heilige Nikolaus den Saal betritt, zieht er sofort die ehrfürchtigen Blicke der Kinder an – so hat es sich in diesen Tagen unzählige Male zugetragen. Im Gemeindesaal  St. Michael sah es am Dienstagabend ähnlich aus; und doch ist es hier irgendwie anders.


Der Duft von heißem Kakao liegt in der Luft, als knapp 90 voller Vorfreude wartende Kinder wirr durcheinander sprechen. Das von fleißigen Helferinnen in der Küche nebenan zubereitete Heißgetränk schwächt die Aufregung nur für kurze Zeit ab. Verständlich, denn die meisten Kinder warten zum ersten Mal auf den Nikolaus.

Eingeladen hat der Verein Miteinander in Völklingen um den Vorsitzenden Muhammed Kher Amin und Bernd Eckert. Und zwar Kinder mit Zuwanderungs-Hintergrund, die sich interessieren für die Bräuche in dem Land, das ihnen Zuflucht vor den Schrecken des Krieges in ihrer Heimat bietet. Die meisten  sind Muslime. Einige ältere Kinder und   Erwachsene kennen biblische Personen. Zum Beispiel Jesus, der im Koran als Religionsstifter und großer Gesandter Gottes genannt wird. Aber der heilige Nikolaus ist ihnen noch nicht bekannt – obwohl der vor mehr als 1000 Jahren auf dem Boden der heutigen Türkei wirkte.

Bärbel Dahmen stimmt an der Orgel ein Lied an. Das Stimmengewirr wird leiser, die Aufregung bleibt. Und damit der Nikolaus bei seinem Auftritt kein Unbekannter mehr ist, erzählt Kornelia Schrenk-Eckert seine Geschichte. Dass er stets Gutes tat und den Armen half, so wie es ihn seine Eltern, reiche Kaufleute, geheißen hatten. Wie er in Myra, dem heutigen Demre, zum Bischof wurde und unter anderem ein Armen- und ein Kinderhaus bauen ließ. Seine größte Tat hat er aber der Legende nach bei einer schrecklichen Hungersnot vollbracht: Er soll mit viel Verhandlungsgeschick Seeleuten 100 Weizensäcke ihrer wesentlich größeren Fracht abgerungen  haben. Das Wunderbare daran: Als die Seeleute am späteren Ziel dem Kaiser von Konstantinopel die Fracht übergaben, soll kein einziges Weizenkörnchen gefehlt haben.

Not, Elend, Hoffnung, das kennen viele der Zuhörenden, und so liegt  Anerkennung für den Retter in der Luft. „Herzlich willkommen, es freut uns, dass du mit deinen Engeln hierher zu uns gekommen bist“, begrüßt  Bernd Eckert den Rauschebärtigen wenig später. Der Nikolaus begrüßt seinerseits vor allem die Kinder. Dann lauscht er den Vorträgen zum Thema Advent. Hanin zündet die erste Kerze an, Alan trägt den Reim vor: „Wir sagen euch an den lieben Advent . . .“ Rangin erläutert, was es mit dem Brauch des Adventskranzes auf sich hat und was die einzelnen Kerzen bedeuten. Ein viertes Kind, Alan Sino, verkündet zum Brauch des Schenkens: „Die Geschenke sind als Erinnerung an den großen und schenkenden Nikolaus gedacht, und sie sind nicht als Belohnung für uns Kinder zu verstehen.“



Noch das gemeinsame Lied „Nikolaus ist ein guter Mann“. Rosim trägt das Gedicht „Holler, boller, Rumpelsack“ vor. Und dann Bescherung und glänzende Kinderaugen.