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Betreute werden Betreuer: Flüchtlinge schenken Senioren ihre Zeit

Betreute werden Betreuer : Flüchtlinge schenken Senioren ihre Zeit

Die Flüchtlingshilfe „Miteinander in Völklingen“ hat ein neues Projekt angestoßen. Beim Schnuppertermin in der Senioren-Residenz am Alten Rathaus fanden syrische Flüchtlinge schnell Kontakt zu den Bewohnern.

Donnerstagnachmittag in der Völklinger Senioren-Residenz am Alten Rathaus: Sylvia Arend zeigt keine Berührungsängste, schnell kommt sie mit einer syrischen Besucherin ins Gespräch. Die Bewohnerin kann ein bisschen Englisch. „A little bit“, versichert Arend. Das reicht, um eine erste Frage zu klären. Nein, der Gast trägt kein Kopftuch. Drei Flüchtlinge aus Syrien schauen vorbei. Begleitet werden Heresan, Mustehla und Khalil von Bernd Eckert, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins Flüchtlingshilfe „Miteinander in Völklingen“.

Anlass der Stippvisite ist der Start des Projekts „Menschen für Menschen“: Die Flüchtlinge wollen Menschen Zeit schenken, die nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, weil sie alt und krank sind. Ideen, wie man Abwechslung und Freude in den Alltag der Bewohner bringen könnte, gibt es schon: Die Bandbreite reicht vom gemeinsamen Plausch, über das Vorlesen oder Basteln bis zum Erledigen kleinerer Einkäufe. Umgekehrt soll der Kontakt den Flüchtlingen helfen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Mit seiner Initiative rannte der Verein beim Seniorenheim offene Türen ein. Residenzleiter Marcel Klein ist froh, wenn sich Bürger ehrenamtlich für die Bewohner engagieren. „Ich bin gespannt auf das Projekt“, versichert er. Beim Auftakt mit von der Partie sind auch einige türkische Teilnehmer eines Deutschkurses des Bildungsvereins Eleganz. Während des ersten Treffens geht es zunächst ums Beschnuppern. Stimmt die Chemie? Als kleinen Willkommensgruß erhält jeder Gast einen Blumenstrauß. „Wir wollen einen Austausch anregen“, erklärt Residenzleiter Klein. Das klappt auf Anhieb:

Beim Rundgang durchs Haus schieben die Besucher die Rollstühle von Sylvia Arend und Dieter Wunsch. „Werden die alten Menschen in Syrien von der Familie versorgt? Gibt es dort auch Altenheime?“, fragen die Bewohner. Die Gäste schauen in der Cafeteria vorbei und erfahren, dass man im Haus zum Friseur gehen kann. Jaouad Titout, ein Arabisch sprechender Seniorenheim-Mitarbeiter aus Marokko, hilft beim Übersetzen. Man unterhält sich in Arabisch, Deutsch, Türkisch und Kurdisch.

Den Senioren im Demenz-Bereich ist die Sprache, das Aussehen oder die Herkunft der Besucher schnuppe. Sie freuen sich  über Verstärkung im Sitzkreis. Die Gäste nehmen Platz und helfen mit ihren Händen, einen Ballon in der Luft zu halten. In der Runde wird viel gelacht.

Beim Besuch in der Völklinger  Senioren-Residenz kamen Bewohner und Besucher schnell ins Gespräch. Im Bild: (von links) Khallil, Dieter Wunsch, Bernd Eckert, Mustehla, Cengiz Jeyer, Ibülent Akkaya und Ayse Akkaya. Foto: BeckerBredel

Entspannt geht es auch nach der Hausbesichtigung weiter. Bei Kaffee und Kuchen plaudert die Gruppe über Fladenbrot, Schweinefleisch oder den Unterschied zwischen Couscous und Bulgur. Und man macht Nägel mit Köpfen. Einmal in der Woche, immer freitagnachmittags, wollen die Ausländer zukünftig bei ihren neuen Bekannten im Altenheim vorbeischauen. Ein erstes gemeinsames Projekt ist schnell gefunden: Man will zusammen kochen.