Flesch jagt jetzt nur noch privat

Völklingen · Jahrzehntelang war Hermann-Josef Flesch Straftätern auf der Spur. Jetzt wird die Jagd für ihn nur noch ein Hobby sein. Flesch wurde gestern in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig gratulierten er und alle Kollegen Nachfolgerin Susanne Hell.

 Susanne Hell (43, links) ist nun die erste Frau in der Riege der Kriminaldienstleiter im Saarland. Darüber freut sich ganz besonders ihr bisheriger Chef Hermann-Josef Flesch (rechts). Foto: Becker & Bredel

Susanne Hell (43, links) ist nun die erste Frau in der Riege der Kriminaldienstleiter im Saarland. Darüber freut sich ganz besonders ihr bisheriger Chef Hermann-Josef Flesch (rechts). Foto: Becker & Bredel

Foto: Becker & Bredel
 Auch stets ein offenes Ohr für die Bürger: Hermann-Josef Flesch (Dritter von links) bei einem klärenden Gespräch mit Einbruchsopfern in der Völklinger SZ-Redaktion. Archivfoto: Jenal

Auch stets ein offenes Ohr für die Bürger: Hermann-Josef Flesch (Dritter von links) bei einem klärenden Gespräch mit Einbruchsopfern in der Völklinger SZ-Redaktion. Archivfoto: Jenal

Nichts entgeht dem Auge des Jägers. Auch nicht, dass noch der Senf zu den Frikadellen und Würstchen beim kalten Büfett für die Kolleginnen und Kollegen fehlt. Wie es sich auf einer guten Polizeidienststelle gehört, arbeitet man auch hier zusammen. Kontaktbeamter Joachim Fery sprintet zum nächsten Supermarkt und besorgt das Fehlende. Dann kann die Abschiedsfeier für Hermann-Josef Flesch beginnen.

Flesch, jetzt 60, hat 1976 als Wachtmeister bei der saarländischen Polizei angefangen. 17 Jahre lang war er auf der Straße unterwegs, auch an Brennpunkten wie in der Innenstadt in Saarbrücken. Wegen einer Einbruchswelle wurde Flesch dann bei einer Sonderkommission benötigt. Damit begann seine Kripo-Laufbahn, die den Hauptkommissar 2008 als Leiter des Kriminaldienstes zur Polizeiinspektion Völklingen führte. Ab 2013 übernahm Flesch auch noch die Zuständigkeit für die Verbrechensbekämpfung im Bereich der Nachbarinspektion Bous. Und demnach gab ihm gestern zum Abschied auch die Leitung der Polizeiinspektion Bous mit Alfred Wagner und Thomas Gessinger die Ehre.

Fleschs Ermittlungsergebnisse sprechen landesweit für sich. Doch bei der Abschiedsfeier, würdigte Völklingens Polizeichef Michael Zapp vor allem die menschliche Seite. Wo immer auch der Name Flesch ins Spiel gekommen sei, habe man nur Gutes gehört. Flesch habe die Zügel im Kriminaldienst mit einer unnachahmlichen Art geführt - engagiert, motiviert und gut integriert in die gesamte Dienststelle. Mit Worten wie "Das muss die Organisation aushalten" habe er Einsatzbereitschaft verlangt und sei sich auch als Leiter nicht zu schade gewesen, sich selbst in Rufbereitschaft und Sachbearbeitung einzubringen. "Und jetzt werde ich dich deinem neuen Chef, Frau Dorothea Flesch, überstellen", sagte Zapp schmunzelnd.

Der Ehefrau wird's dann auch vorbehalten bleiben, das Kuvert zu öffnen, für dessen Inhalt die Polizeiinspektion gespendet hatte. Offiziell gezückt wurde dagegen schon das Spezialgeschenk der Kripo-Kollegen: ein Jagdmesser. Flesch ging nicht nur auf die Jagd nach Verbrechern, sondern ist nämlich auch privat passionierter Jäger. Als Hausmann, dreifachem Vater und dreifachem Großvater, zudem in der Ensdorfer Kommunalpolitik engagiert, dürfte ihm auch ansonsten im Ruhestand nicht langweilig werden.

Seine Nachfolgerin hat Flesch bereits eingearbeitet. In Völklingen übernimmt Kriminalhauptkommissarin Susanne Hell (43), bisher schon Fleschs Stellvertreterin. Zunächst sollte es nur kommissarisch sein, doch Michael Zapp bekam ein frisch eingetroffenes Fax aus dem Ministerium in die Hand. Damit konnte Zapp schon gestern amtlich verkünden: Susanne Hell rückt nun als erste Frau in die Riege der neun Kriminaldienstleiter im Saarland auf

Und damit waren auch ganz unamtliche Küsschen und Umarmungen in der "Steigerklause", dem Gemeinschaftsraum im Obergeschoss über den Garagen im Hinterhof, fällig. Sozusagen Schicht für Schicht nahmen da gestern die Kolleginnen und Kollegen Abschied von Flesch und beglückwünschten die Neue. Auffallend viele kamen schon in Blau statt Grün. Demnächst soll in Völklingen der Tausch bei rund 70 Uniformträgern komplett vollzogen sein. Und weil bisherige Leasing-Verträge auslaufen, dürfte laut Zapp auch die Fahrzeugflotte in Völklingen bis November von Grün auf Blau ("mit gelben, reflektierenden Streifen") umgerüstet sein.

Blau stehe insbesondere den weiblichen Kollegen besser, meinte Flesch schmunzelnd zum Ende der grünen Epoche. Völklingen könne jedenfalls "stolz auf seine Polizei sein und es auch bleiben".

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