Fader Beigeschmack bei geschenkten Fußball-Karten für Völklinger Rat?

Kostenpflichtiger Inhalt: Harmlos oder mehr dahinter? : Ärger um Freikarten für Ratsmitglieder

Fraktion und Verwaltungsspitze schickt Jahreskarten an SV Röchling zurück, der seine lauteren Absichten beteuert.

Dass auch eine gute Absicht nach hinten losgehen kann, musste Wolfgang Brenner, Geschäftsführer des SV Röchling Völklingen feststellen. Der hatte je zwei Jahres-Freikarten zu den Heimspielen des Oberligisten an die Fraktionen im Völklinger Stadtrat verschenkt; auch Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD) sowie Bürgermeister  Christof Sellen (CDU) wurden mit Karten bedacht.

Wolfgang Brenner. Foto: Andreas Schlichter

Diese Geschenke – eine Jahreskarte kostet 160 Euro – veranlasste Paul Ganster, Fraktionsvorsitzender der Linken, zu einem energischen Schreiben an die Bürgermeisterin: Die Karten habe er zurück geschickt, was ihm auch von der Kommunalaufsicht empfohlen worden sei. Denn, so Ganster:  „Unabhängig davon, ob sich hier tatsächlich allein schon aufgrund der Höhe die Frage stellt, ob ein Fall der Vorteilsannahme vorliegt (Paragraf 108e StGB), bin ich der Ansicht, dass allein schon der Eindruck vermieden werden muss, dass sich Stadtratsmitglieder durch ihre Tätigkeit Vorteile verschaffen“, zumal der Rat ja gegebenenfalls auch über Zuschüsse an Vereine oder andere freie Träger entscheiden muss. Daher regt Ganster auch an, für die Zukunft Richtlinien festzulegen, wie mit den Zuwendungen Dritter umzugehen sei.

Paul Ganster. Foto: BeckerBredel

Auch die Oberbürgermeisterin und er selbst, so Bürgermeister Sellen, haben die Karten – ohne damit an die Öffentlichkeit zu gehen – umgehend und unabhängig voneinander zurückschicken lassen, ebenso ein Fachbereichsleiter, der ebenfalls bedacht worden war. In der Stadtverwaltung gebe es zudem bereits die Regel, dass Geschenke höchstens bis zu einem Wert von 15 Euro angenommen werden dürfen.

Röchling-Geschäftsführer Brenner seufzt am Telefon und versichert, dass man mit dem Verschenken der Karten keine unlauteren Absichten verfolgt habe, „für Bestechung oder so was wären wir auch nicht bedeutend genug“. Es seien zudem keine – sicher bedenklicheren – kostenlosen V.I.P.-Karten mit Freigetänken und freiem Essen gewesen, die hat der Verein auch gar nicht, sondern ganz einfach Heimspiel-Karten. Und der Hintergrund für diese Geschenke bestehe schlicht darin, dass es sich ja um ein städtisches Stadion handelt, über das die Ratsmitglieder – auch wenn’s mal irgendwelche Probleme gibt – Entscheidungen treffen müssen. Und so sei es gut, wenn die Stadtverordneten das Stadion und den Verein nicht nur bei Besichtigungsterminen, sondern ganz normal im Spielbetrieb kennenlernen, „das fände ich halt wichtig“, so Brenner, „nicht mehr und nicht weniger.“  Aber er könne es verstehen, wenn sich Rat und Verwaltung da an bestimmte Regeln halten wollen. Auch wenn er Paul Gansters Schreiben schon etwas als „mit Kanonen auf Spatzen schießen“ ansieht.

Beim 1. FC Saarbrücken, der momentan seine Heimspiele wegen des Stadium-Umbaus in Völklingen austrägt, erklärte Pressesprecher  David Fischer: „Wir geben keine kostenfreien Dauerkarten an Politiker oder Amtsträger.“

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