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Grubenwasser
Experte lobt französische Bergbau-Leute

Seit zwölf Jahren ist das Bergwerk Warndt stillgelegt. Und das Grubenwasser ist seither kräftig gestiegen. Doch die Pumpen müssen auch heute noch laufen – jedenfalls im benachbarten Frankreich, dessen Grubengebäude unterirdisch mit dem Warndtschacht verbunden sind.
Seit zwölf Jahren ist das Bergwerk Warndt stillgelegt. Und das Grubenwasser ist seither kräftig gestiegen. Doch die Pumpen müssen auch heute noch laufen – jedenfalls im benachbarten Frankreich, dessen Grubengebäude unterirdisch mit dem Warndtschacht verbunden sind. FOTO: bub / BECKER&BREDEL
Völklingen/Warndt. Jürgen Wagner, Experte für Hydrogeologie, hat den Völklinger Stadtrat über Folgen des geplanten Grubenwasseranstiegs informiert (wir berichteten bereits). Und über den Stand der Dinge im Warndt, wo die Gruben-Pumpen jahrelang Pause machten. Von Doris Döpke

Zum ersten Mal Pumpen-Abschaltung, die Saarländer als Versuchskaninchen? Naja, sagt Jürgen Wagner vor dem Völklinger Stadtrat, davon werde zwar an den Stammtischen geredet. Doch es gebe bereits eine Menge Erfahrungen damit, wie sich ein Grubenwasser-Anstieg auswirkt. Davon zeuge auch die lange Literaturliste, die er seinem Gutachten für die Bergbehörden angefügt hat. Die müssen jetzt entscheiden über den Antrag der RAG, das Wasser bis auf 320 Meter unter NN, also Meeresspiegel-Niveau, steigen zu lassen; und Wagner hat akribisch untersucht, welche Folgen dieser Wasseranstieg wo haben werde.



Erfahrungen gebe es ja auch ganz in der Nähe, erinnert Wagner den Rat. Im Warndt nämlich, der unterirdisch verbunden ist mit den lothringischen Gruben. Die haben 2004 den Kohleabbau beendet. Im Warndt war im Juni 2005 Schluss. Bald darauf wurden hier wie dort die Schächte verfüllt, und die Pumpen gingen außer Betrieb.

Voraussetzung dafür war der Hochdruckdamm, der die Verbundstrecke zwischen Luisenthal und dem Warndt wieder schloss. Tief im Untergrund, mehr als 800 Meter unter Meeresspiegelniveau. Von der Konstruktion her soll der Damm einem Druck von 110 Bar standhalten. 90 Bar liegen nach Wagners Worten heute drauf. Denn auf der Warndt-Seite ist das Wasser rasch um rund 970 Meter gestiegen, auf nur mehr 100 Meter unterhalb der Oberfläche. Die Luisenthaler Seite hingegen ist trocken, dort wird nach wie vor gepumpt. Wagners Anregung: Um die „Druckdifferenz“ zu mindern, also den Damm zu entlasten, solle man in Luisen­thal einen kleinen Wasseranstieg zulassen. Vorsichtshalber. Auch wenn das die Förderung von Grubengas dort schmälere.

In Frankreich laufen die Pumpen inzwischen wieder. „Es gibt Bereiche, die man nicht einfach sich selbst überlassen kann“, sagt Wagner dazu: Auf beiden Seiten der Grenze hat der Bergbau an einigen Punkten extreme Absenkungen verursacht, Naßweiler und Rosbruck zum Beispiel brauchen dauerhaft Schutz. Verantwortlich für die Überwachung und fürs In-Schach-Halten der Warndt-Wässer ist die französische Seite. „Die Franzosen machen das hervorragend“, sagt Wagner, ihre Messungen und Dokumentationen seien ausgezeichnet und gut nachvollziehbar, und man habe aufs überraschend schnelle Tempo des Wasseranstiegs zeitig und richtig reagiert. Ein Lob, das Gewicht hat, setzt Wagner doch konsequent auf Vorsicht, auf Risiko-Vermeidung, auf strenge Kontrolle.

Auf Völklinger Gebiet muss man sich freilich keine Gedanken ums Wasser machen: Das Stadtgebiet bleibt vom Wasseranstieg auf minus 320 Meter unberührt. Einfach aus Gründen der Physik. Zwar durchlöchern Strebe und Strecken im ganzen Saarland den Untergrund wie einen Schweizer Käse, und alle Gruben (außer dem Warndt) sind miteinander verbunden. Aber die Verbindungen liegen unterschiedlich hoch. Landet das Wasser in Reden bei minus 320 Metern, stellt sich zwar eine nasse Verbindung zum Duhamel-Schacht ein. Aber nicht nach Camphausen, denn dort liegt der Verbindungspunkt bei minus 311 Metern. Und bis die „kommunizierenden Röhren“ der Grubengebäude auch Luisenthal befeuchten könnten, müsste das Grubenwasser noch mal um fast 200 Meter steigen – davon ist im aktuellen Genehmigungsverfahren keine Rede.

Dennoch, Wagner plädiert fürs Vorsorgen, ganz grundsätzlich. Mit Konzepten in der Schublade, die es ermöglichen, auch unerwartete, unwahrscheinliche Entwicklungen im Griff zu behalten. So wie beim Hochdruckdamm, den er gerne etwas weniger strapaziert sähe.