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Ex-Chefs waren gegen Fehler versichert

Ex-Chefs waren gegen Fehler versichert

Völklingens Stadtwerke machen, wie berichtet, wegen des Fischzucht-Desasters Schadenersatz in Millionenhöhe geltend gegen ihre ehemalige Geschäftsführung. Durch Versicherungen könnte der Stadtkonzern Geld zurückbekommen. Aber der Weg dahin ist mühsam.

Was hat es auf sich sich mit dem Schadenersatz in Millionenhöhe, den die Völklinger Stadtwerke von ihrer ehemaligen Geschäftsführung einklagen wollen? Worauf stützt Michael Böddeker, seit Oktober Chef der Stadtwerke , seine Forderung? Wie läuft solch ein Verfahren ab? Und wie stehen die Chancen, in den Sand gesetztes Geld zurückzubekommen?

Zum Gespräch mit der SZ hat Böddeker Alexander Mohr hinzugebeten, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht bei der Saarbrücker Rechtsanwaltskanzlei Heimes und Müller. Schadenersatz, erklärt Mohr, werde fällig, wenn ein Geschäftsführer Planungsfehler mache, die sich zum Nachteil seines Unternehmens auswirken. Im Fall der Fischzucht etwa Fehler beim Besatz mit Jungfischen. Oder bei der Vermarktung der Fisch-Ernte. Und ein Geschäftsführer, betont Böddeker, hafte immer mit seinem Privatvermögen für Schaden, den er durch falsche Chef-Entscheidungen verursache.

Aber, ergänzt Mohr, das dürfe nicht dazu führen, dass Geschäftsführer nur ängstlich verwalten, statt zu gestalten. Daher sei üblich, dass Firmen ihre Chefs gegen Haftungsrisiken versichern. Eine solche D & O-Versicherung (das Kürzel steht für "Directors and officers", die englische Bezeichnung für Geschäftsführer und Prokuristen) hätten auch die Stadtwerke abgeschlossen. Versicherungssumme: zehn Millionen Euro, für alle Handlungsbevollmächtigten zusammen. Diese Versicherung decke Fehler ab, die ohne Vorsatz gemacht wurden. Zudem gebe es bei den Stadtwerken noch eine Vertrauensschaden-Haftpflichtversicherung, Summe 500 000 Euro. Dieser Versicherungstyp decke alle Chef-Fehler ab, auch vorsätzliche.

Klagen könne das Unternehmen, das Schaden erlitten habe, aber nicht direkt gegen die Versicherung. Sondern nur gegen die Führungspersonen selbst, und zwar gegen jede einzeln. Aufgabe der Versicherung sei es dann, ihre Klienten - also die Geschäftsführung - gegen die Forderung zu verteidigen.

Man dürfe nicht erwarten, dass solch ein Verfahren rasch zu Zahlungen führe, sagt Böddeker. Im Gegenteil, es pflege sehr lange zu dauern. Mohr nickt. "Das ist ein Verschleißkampf", sagt er, juristische Finessen auf breiter Front, immer wieder neue Beweis- und Beleg-Forderungen seien für die Versicherungen - für die ja große Summen auf dem Spiel stünden - stets Bestandteil der Prozess-Strategie. Fünf Jahre Verfahrensdauer seien nicht selten.

Aber letztlich, sagt Böddeker, hätten die Stadtwerke auf dem Klageweg eine Chance, verlorenes Geld zurückzuerhalten. "Und da ist ein Geschäftsführer einfach verpflichtet, Schadenersatz geltend zu machen." Weil die "persönliche Leistungsfähigkeit" der Ex-Stadtwerke-Führung sicherlich "limitiert" sei, fordere man vor Gericht nicht den gesamten Schaden zurück, sondern beschränke sich auf realistische Summen - Beträge also, die tatsächlich gezahlt werden könnten. "Wir machen 11,5 Millionen Euro geltend", präzisiert Mohr. Die Rechnung: insgesamt 10,5 Millionen Euro aus den beiden Versicherungen, eine Million aus privatem Vermögen.

Anders als sonst im Geschäftsleben, wo Forderungen nach drei Jahren verjähren, gilt für Schadenersatz eine Fünf-Jahres-Frist. Sie beginnt zu ticken, sobald die Firma vom schadens trächtigen Chef-Fehler erfährt. Aber bei der Frist wollen Böddeker und Mohr auf Nummer Sicher gehen. Und sich beeilen: Im April soll eine Klage - oder mehrere, das bleibt offen - beim Gericht sein, die im Frühjahr 2011 begangene Fehler zum Gegenstand hat.