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Erwin "Jazzé" Altpeter kann weiter - alles

Größer und ruhiger geht's nicht, schöner auch kaum: Erwin Altpeter, Herr auf dem "Mittenhoff". Fotos: Rolf Ruppenthal (2)/privat
Größer und ruhiger geht's nicht, schöner auch kaum: Erwin Altpeter, Herr auf dem "Mittenhoff". Fotos: Rolf Ruppenthal (2)/privat
Völklingen/Evendorff. "Jazzé" wird er in der alten Heimat Völklingen bis heute gerufen, der Erwin Altpeter, fast 71 Jahre alt. Wegen seiner Liebe zum Jazz. Sein Vater Jakob war der "Altpeter-Jazz". Das Elternhaus steht in der Haydnstraße. Erwin Altpeter spielte schon als Kind Schlagzeug. Außerdem war er begnadeter Leichtathlet: 100 Meter in 10,7 Sekunden Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Völklingen/Evendorff. "Jazzé" wird er in der alten Heimat Völklingen bis heute gerufen, der Erwin Altpeter, fast 71 Jahre alt. Wegen seiner Liebe zum Jazz. Sein Vater Jakob war der "Altpeter-Jazz". Das Elternhaus steht in der Haydnstraße. Erwin Altpeter spielte schon als Kind Schlagzeug. Außerdem war er begnadeter Leichtathlet: 100 Meter in 10,7 Sekunden. Beim Hürdenlauf verletzte er sich schwer - aus damit! 1964 gründete er die Musikgruppe "Studio 64", da war er Grund- und Hauptschullehrer. Später kam unter anderem das "Deluxe Quintett". Erwin Altpeter arbeitete als Diskjockey bei Radio Luxemburg und in saarländischen Tanzlokalen. Er komponierte Musik. Er wurde Kunsterzieher am Staatlichen Gymnasium, dann am Warndtgymnasium, später in Perl und Merzig. Die Lehrerjahre in Völklingen von 64 bis 86 waren seine "schönste Zeit". 1977 war ein Deutscher der erste weiße Austausch-Lehrer an einer Farbigen-Schule in Atlanta/USA - klar, Erwin Altpeter. Der Staat Georgia ernannte ihn dafür zum Ehrenbürger. 2000 kam die Pensionierung. Bildender Künstler war er auch immer, ein nicht nur vom Feuilleton dieser Zeitung gewürdigter Maler, ein Schüler von August Clüsserath und Prof. Leo Grewenig, ab 1969 Pionier der Falttechnik. Mit dem bewunderten Joseph Beuys hatte er regelmäßig Kontakt. Von 1957 bis 1989 stellte er aus, danach ging ihm die Kommerzialisierung des Betriebes auf die Nerven, Schluss damit! In der Schule sagten die Kollegen: "Du bischd doch Lehrer, Erwin, do brauchde ned noch zu moole." Grewenig aber riet: "Bleib Lehrer, dann ist Zeit fürs Malen." So wurde es gemacht. Bis heute malt Erwin Altpeter Tag für Tag mit Herzblut. Dann wurde er außerdem Grafiker, entwarf ein 2,60 Meter großes Glasfenster fürs Warndtgymnasium (bis heute drin) und ein Wappen für den Reiterbund Saarlouis. Überhaupt Reiten - vor allem wegen der Pferde zog er aufs Land nach Frankreich, auf einen damals heruntergekommenen, kaputt renovierten Hof von 1836. Das meiste konnte er selber richten. Den Swimmingpool allerdings nicht, der klafft weiter als Riesenloch. Er wurde Gärtner, Dachdecker und Autoliebhaber. 10 gesuchte Citroën Méhari stehen in den Scheuern, außerdem Dianes, ein Gabelstapler von 1959 und - ultra-selten - eine Kasten-Ente Fourgonette, selbst restauriert. Sein Cousin war übrigens Werner Altpeter, der BMW-Händler. Reiten ist heute nicht mehr drin. Statt Pferden wohnen zehn Katzen auf dem Hof. Erwin Altpeter ist nebenbei Elektrotechniker, hat ein Studio eingerichtet. Täglich übt er 15 bis 20 Minuten Schlagzeug, manchmal auch Keyboard und Blasinstrumente. Regelmäßig kommen Musiker ins Haus, es gibt eine neue Band, Charlie-Parker-Stil, Saxophon-dominiert. Und eine etablierte Gruppe, die gern gebucht wird: "Ensemble Moderato". Regelmäßig ist Erwin Altpeter in Völklingen, besucht Freunde, macht Musik, guckt sich Lieblingsorte an: den Haller in Wehrden, den Friedhof mit den Elterngräbern und natürlich das Alte Rathaus. Ohne Altpeter würde es nicht mehr stehen. Es war der damalige Kunsterzieher Altpeter, der 1972 eine Bürgerinitiative gründete, um den von der Kommunalpolitik geplanten Abriss zu verhindern. Es gelang ihm, die Stimmung zu drehen. Der Mann machte und macht dies alles - weil er es kann. Es ist nicht so, dass er Neues beginnt und Altes dafür sein lässt, nur weil ihm mal gerade nach Abwechselung wäre. Sondern alles passiert immer nebeneinander, ohne Hektik, aber auch ohne Nachlässigkeit und Aufdringlichkeit. "Ganz einfach: Ich liebe das Leben", sagt Altpeter. "Ganz einfach: Ich liebe das Leben."Erwin Altpeter



Entzückte Kunstszene: Ein Bild in Falttechnik vom Pionier Erwin Altpeter.
Entzückte Kunstszene: Ein Bild in Falttechnik vom Pionier Erwin Altpeter.
Die Tanzkapelle "Studio 64" im Jahr 1965. Hinten links Jürgen Wolter, daneben Volker Thiel, rechts Rudi Klees, vorn links Franz Kranz, der Mann mit dem Schnauz ist Erwin Altpeter.
Die Tanzkapelle "Studio 64" im Jahr 1965. Hinten links Jürgen Wolter, daneben Volker Thiel, rechts Rudi Klees, vorn links Franz Kranz, der Mann mit dem Schnauz ist Erwin Altpeter.
Ein historisches Foto vom 1. September 1969, das die ersten Lehrer des Warndtgymnasiums zeigt. Von links Oberstudiendirektor Werner Herrmann, Erwin Altpeter, Sekretärin Marianne Just, Hartmut Grammes, Elmar Maier, Hiltrud Siegwart, Ursula Göbel (Kläser), Edgar Theis, Angelo Hermkes.
Ein historisches Foto vom 1. September 1969, das die ersten Lehrer des Warndtgymnasiums zeigt. Von links Oberstudiendirektor Werner Herrmann, Erwin Altpeter, Sekretärin Marianne Just, Hartmut Grammes, Elmar Maier, Hiltrud Siegwart, Ursula Göbel (Kläser), Edgar Theis, Angelo Hermkes.