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„Erlaubt ist, was Groove hat“

Schlagzeuger Jeff Herr, Laurent Payfert am Kontrabass und Saxofonist Maxime Bender begeisterten am Freitagabend mit ihrer eigenwilligen Musik-Mixtur im Völklinger Weltkulturerbe. Foto: Jenal
Schlagzeuger Jeff Herr, Laurent Payfert am Kontrabass und Saxofonist Maxime Bender begeisterten am Freitagabend mit ihrer eigenwilligen Musik-Mixtur im Völklinger Weltkulturerbe. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Völklingen. Einem Jazz-Trio aus Luxemburg gehörte die Bühne im Völklinger Weltkulturerbe am Freitagabend. Die Jeff Herr Corporation schuf vor vollem Haus magische Momente – mit Musik, die nicht nur jazzig tönte, sondern auch vielerlei Weltmusik-Elemente durchklingen ließ. Walter Faas

Einen perfekten Sommerabend haben rund 300 Zuhörer beim Völklinger Hüttenjazz am Freitagabend erlebt. Von Magie darf man hier sprechen, klug arrangiert von der Jeff Herr Corporation aus Luxemburg. Die Besetzung mit Saxofon, Kontrabass , Schlagwerk erscheint als musikalische Herausforderung; und sie überrascht - positiv.


Auf leisen Pfoten beginnt die Corporation, steigert sich zu wilden Improvisation, lässt sie verklingen im Raum. Dieser Jazz könnte ansprechender nicht sein. Sommer, Industriekultur-Ambiente, volles Haus, drei Generationen vereint, gute Stimmung von A bis Z, kühle Getränke, was will man mehr?

Kinder drehen am Karussell, junge Männer und Frauen fachsimpeln kenntnisreich, Senioren genießen die Stimmung. "Dolles Stück. Wirklich. Schöner Rhythmus", sagt Rentner Anton Kockler. Ute Mahioczek, junge Mutter mit zwei Kleinkindern, wippt mit im Takt und sagt: "Klasse arrangiert, trifft den Zeitgeist."



Zeitgeist hin, Zeitgeist her, Schlagzeuger Jeff Herr, Saxofonist Maxime Bender und Laurent Payfert am Kontrabass haben den "Jazz à la Luxemburg" bereichert durch Lehrjahre , die sie in der Ukraine, in Vietnam und Indien verbracht haben. Weltmusik , Pop, Klassik, Rock, Balladen - hier mündet vieles in den großen musikalischen Strom, der trägt.

"Erlaubt ist, was Groove hat", betont Herr Herr, also Jeff, im Interview. Musikalisches Entdecken ist angesagt, grenzüberschreitend - so klingt nicht allein Luxemburg, auch nicht Europa, so klingt die Welt. Kein Wunder, dass sich die Corporation international einen guten Namen geschaffen hat. Beindruckend die Tempowechsel, bemerkenswert die Soli, angenehm die Dialogbereitschaft. Und alle drei Akteure verfügen über große technische Fähigkeiten. Der Abend, bei idealen äußeren Bedingungen, kommt prima in Schwung und hält das Tempo bis in die Zugaben hinein.

Die Vorliebe des Trios für mitreißenden Souljazz und überraschend eingefügte Coverversionen kommt gut an. Mal hat man eine gemächlich vor sich hintrabende orientalische Karawane vor Augen, mal eine wilde Jagd über holpriges Gelände, mal schildert das Trio, ganz balladesk, das wunderbare Werden von Leben. Viel Applaus, auch spontaner.

In der kommenden Woche - am Freitag, 12. August, 18 Uhr - hat Oliver Strauch, künstlerischer Leiter des Völklinger Hüttenjazz, für sein Konzert im Weltkulturerbe eine weitere Jazzgröße aus dem Großherzogtum Luxemburg eingeladen, den Saxofonisten David Ascani. Strauch selbst spielt dann Schlagzeug, begleitet von Johannes Schaedlich am Kontrobass. Eine Veranstaltung, von der Besetzung vergleichbar der Jeff Herr Corporation - man darf also gespannt sein. Der Eintritt dazu ist wie immer frei.