Er brachte Völklingen zum Klingen

Eher durch Zufall kam Reinhard Ardelt, wie er erzählt, zur evangelischen Versöhnungskirchengemeinde. Nach über 20-jähriger Tätigkeit verabschiedet sich nun der Kirchenmusiker aus Völklingen. Er übernimmt eine neue Aufgabe in Kassel.

Entsprechende Gerüchte gab es schon lange, nun ist es offiziell: Reinhard Ardelt, seit 23 Jahren Kirchenmusiker an der Völklinger Versöhnungskirche, wechselt Ende dieses Monats endgültig an die Musikakademie Kassel, wo er bereits seit drei Jahren eine Dozententätigkeit ausübt. "Irgendwann musste ich mich entscheiden", sagt er, "denn der Spagat hätte auf Dauer beiden Arbeitsbereichen geschadet, und um die 50 herum sollte man beruflich einen Schwerpunkt gefunden haben."

In Kassel - das auch "hessisch Sibirien" genannt wird, wie Ardelt berichtet - wird er außerdem seiner Heimat im Sauerland wenigstens etwas näher sein. Als er vor 49 Jahren in Neheim-Hüsten bei Arnsberg zur Welt kam, war in seinem Elternhaus sein künstlerischer Berufsweg durchaus nicht vorgesehen. "Das Klavier hat mich schon in meiner Schulzeit begeistert", erinnert er sich, "aber als ich dann meinen Eltern eröffnete, ich wolle Musik zu meinem Beruf machen, sagten sie nur: ,Na ja, dann mach mal'." Aber damit war die Richtung immer noch nicht entschieden. "Nach dem Abitur habe ich gezögert zwischen dem Mathematikstudium und der Musikwissenschaft, und sogar als Musikstudent kamen mir immer noch manchmal Zweifel."

Auf seinem Berufsweg sollte sich dieses Fehlen an zielstrebigen Entscheidungen noch einige Male wiederholen - jeweils zu seinem Vorteil und immer nach dem Motto "Das Glück des Tüchtigen". An der Dortmunder Musikhochschule studierte er zunächst Orgel und Chorleitung, wechselte dann an der Musikhochschule Saar zu Kirchenmusik und Cembalo sowie den pädagogischen Fächern Tonsatz und Gehörbildung und bestand 1991 das A-Examen. Als der fertige Kirchenmusiker noch über seinen weiteren Berufsweg nachdachte, kam die Entscheidung von außen: das Angebot nämlich, ob er eine krankheitsbedingte Vertretung an der Versöhnungskirche Völklingen übernehmen wolle. Ardelt übernahm, "und dann bin ich hier hängen geblieben", sagt er.

Die Vertretung führte zwei Jahre später zu einer fest angestellten Teilzeitbeschäftigung, die Ardelt im Laufe der Jahre mit enormem Engagement zu einem breiten Spektrum kirchenmusikalischer Aktivitäten ausbaute. Neben Lehraufträgen an der Musikhochschule Saar wurde er 1998 Leiter des renommierten Kirchenchores der Versöhnungskirche, organisierte kirchenmusikalische Veranstaltungen, beteiligte sich an dem jährlich stattfindenden grenzübergreifenden Orgelfestival und begeisterte nicht zuletzt Schulklassen durch Orgelführungen und seine Kunst als Organist. Seit drei Jahren beteiligt sich die Versöhnungskirche an der "Nacht der Kirchen", die Ardelt als außergewöhnliches Format bezeichnet: "Da konnten wir auch ein anderes Publikum ansprechen, weil das Programm einen eher experimentellen Charakter haben durfte."

Und immer wieder erwähnt er im Rückblick die hohe Qualität der Orgel : "Sie ist eine der größten und schönsten Orgeln der Region, und nach dem Umbau kann man nun nicht mehr hauptsächlich neobarocke und romantische, sondern fast alle musikalischen Stile spielen." Auf die Frage nach seinen Lieblingskomponisten allerdings verweigert er die Aussage: "Meine Vorlieben gehen durch alle Epochen, durch Prioritäten würde ich andere ausschließen."

Dass er vor drei Jahren auch hauptamtlicher Dozent für Musiktheorie, Gehörbildung und Orgel an der Musikakademie in Kassel wurde, schien mit seiner Völklinger Tätigkeit zunächst einigermaßen vereinbar. "Aber das Pendeln ist doch sehr anstrengend", sagt er, "und in Kassel besteht nun die Perspektive einer vollen Stelle." Und so ganz hat er Völklingen doch noch nicht verlassen: Beim Orgelfestival im September wird er noch ein Mal dabei sein. "Und außerdem habe ich in Kassel noch keine Wohnung gefunden", sagt er, "dafür hatte ich noch keine Zeit. Das wird aber nötig sein, da oben im sibirischen Hessen."

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Auf einen BlickReinhard Ardelt wird am Sonntag, 19. Juli, 16 Uhr, in der Versöhnungskirche Völklingen an der Orgel mit seinem Chor ein Abschiedskonzert geben. Eintritt frei.Mögliche Kandidaten für die Nachfolge von Reinhard Ardelt werden sich am Donnerstag, 16. Juli, 16 Uhr, mit einem öffentliche Vorspiel in der Versöhnungskirche vorstellen. Auch hier ist der Eintritt frei. kük