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Meister-Tänzerin aus Fürstenhausen
Ein meisterliches Tanzmariechen

 Tanzmariechen Emily Diener mit ihrem Trainer Thomas Kwick – und dem gerade erst gewonnenen Saarlandmeister-Pokal. 
Tanzmariechen Emily Diener mit ihrem Trainer Thomas Kwick – und dem gerade erst gewonnenen Saarlandmeister-Pokal.  FOTO: Hans Günter Diener
Fürstenhausen. Karnevalistischer Tanz ist fordernder Sport, das ganze Jahr über wird intensiv trainiert. Emily Diener aus Fürstenhausen tanzt  ganz vorne mit.  Von Doris Döpke

Unter den Fotos, die man täglich auf dem Redaktionstisch hat, gibt es nicht viele, die man über Jahre im Gedächtnis behält. Dieses gehört dazu. Ein Kind im Karnevalskostüm, die Beine im perfekten Spagat, den Oberkörper waagerecht vorgebeugt, die Arme straff nach vorn gestreckt – das Ganze einen Meter überm Boden: Das Kind fliegt. Es scheint, als habe es die Schwerkraft einen Augenblick lang außer Kraft gesetzt. Fliegerglück, das Kind strahlt übers ganze Gesicht. Mit ein bisschen Stolz dabei: Schaut mal, was ich kann!


Das Bild zeigt ein junges Tanzmariechen, Emily Diener aus Fürstenhausen. Sie ist mittlerweile 16 – und sie kann es immer noch, das Fliegen ebenso wie das Strahlen. Vor kurzem hat sie als Solistin den Sieg errungen bei den 50. Saarlandmeisterschaften im karnevalistischen Tanzsport. Zum dritten Mal in Folge, insgesamt schon zum fünften Mal, und es war ihre zehnte Turnier-Teilnahme, berichtet ihre Mutter Christine Diener in einer Nachricht an die Redaktion.

Wie kann eine 16-Jährige das denn schaffen? Emily tanze seit ihrem dritten Lebensjahr, sagt ihre Mutter am Telefon. Und erzählt lachend, wie es dazu kam. Als für Emily die Kindergartenzeit begann, arbeitete in der Fürstenhausener Kita eine Erzieherin, die ehrenamtllich Gardemädchen der Altenkesseler Kesselflicker trainierte. Emily fiel ihr als tanzbegeistertes Kind auf, sie lud die Familie ein, doch mal zur Minigarden-Trainingsstunde vorbeizukommen. Hans Günter und Christine Diener nahmen an. Und die Erzieherin, begeistert vom Bewegungstalent des Mädchens, bot ihr an, beim nächsten Auftritt mitzutun. Im Giraffenkostüm. „Und mit Pampers“, erinnert sich die Mutter.



Fortan wirbelte Emily Diener über Narrenbühnen. Erst bei den Kesselflickern, später bei der Aktionsgemeinschaft Heidstock, bei den Völklinger Kreislern, bei den Burbacher M’r sin nit so und seit 2017 bei den Faasend Rebellen der Karnevalsgesellschaft Saarlouis-Steinrausch. Mit fünf bis sechs Trainingseinheiten wöchentlich, Ballettstunden und Sportakrobatik inklusive, und mit großem Ehrgeiz. Die Eltern unterstützen sie. Aber, sagt Christine Diener, eine „Eislauf-Mami“, die ihre Tochter zu irgendwas zwinge, sei sie nicht: „Ein Kind betreibt nur dann 13 Jahre lang einen Sport, wenn es ihn von Herzen liebt.“ Eben das sei Emilys Fall.

Den jüngsten Meistertitel habe sich Emily schwer erkämpft, sagt ihre Mutter. Denn nach gutem Start mit ihrem neuen Trainer Thomas Kwick im Frühjahr sei Verletzungspech gefolgt, dadurch eine längere Zwangspause, die ersten Turniere der Saison habe Emily absagen müssen. Mit einem Trainingsrückstand sei sie angetreten bei der Saarlandmeisterschaft, obendrein mit einer frischen Fußverletzung. Dennoch sei sie an den Start gegangen, und sie habe es geschafft. Und die Siegerfotos zeigen: Emily Diener hat das Strahlen nicht verlernt.