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Im Weltkulturerbe Völklinger Hütte
10 000 Techno-Fans wollen abtanzen

Veranstalter Thilo Ziegler beaufsichtigt die Aufbauarbeiten.
Veranstalter Thilo Ziegler beaufsichtigt die Aufbauarbeiten. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Das Equipment ist auf elf Lastzügen angerollt. Auf dem Erzplatz wird zügig aufgebaut. Bereits heute Abend wird die Kultband Scooter erwartet. Von Andreas Lang

Gelassen beobachtet der Konzertveranstalter das, was sich da zu seinen Füßen tut. Thilo Ziegler, Macher von Rocco del Schlacko, Electro Magnetic und anderen Musikveranstaltungen, hat sein Lager auf der zur Erzhalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte führenden Stahlbrücke aufgeschlagen. Unten auf dem Erzplatz sorgt ein eingespieltes Team dafür, dass alles rechtzeitig steht. Mehr als elf Laster voll Material – sieben für Bühnen und die übrigen Aufbauten, vier für die Technik. Wahnsinn, sollte man meinen, aber: Vom Veranstalter bis zum letzten Mitarbeiter sind alle cool bis in die Haarspitzen.


Ziegler lobt seine Partner von Stage-Crew: „Das beste Team der Welt – und die sind tatsächlich weltweit, das heißt auf allen Kontinenten, aktiv.“ Daher blickt er nur gelegentlich nach unten. „Wir sind gut im Plan, und so kümmere ich mich schon mal um den Bürokram.“

Gerade sei er daran, Bands für sein Rocco del Schlacko zu buchen: „Für das kommende Jahr.“ Es zeige sich, dass die Künstler inzwischen mehr an Live-Auftritten verdienen als mit dem Tonträgerverkauf: „Der Preis der CD hat sich im Vergleich zu früher halbiert, die Veranstaltungspreise sind enorm gestiegen.“ Dem entsprechend wollten die Musiker so früh wie möglich wissen, wann sie wo spielen. Dann müsse auch das Gesamtergebnis stimmen. Das heiße, die technischen Möglichkeiten in allen Bereichen der Veranstaltung auszuschöpfen.



Beim Electro-Magnetic-Festival auf historischem Industriegelände bedeutet das neben lauter, moderner Musik allerhand Pyrotechnik, Feuer-, Kohlendioxid-, Licht-, Laser- und Video-Einsatz. Ziegler: „Das Gesamtbild muss passen.“ Hat es in der Vergangenheit offenbar, denn er rechnet mit voller Eisen-Hütte. 10 000 Techno-Begeisterte wollen vor den fünf Bühnen abtanzen und Party machen. Ein Großteil der Karten sei im Vorverkauf weg, aber: „Es gibt auch noch welche an der Abendkasse.“

Zurück zum multimedialen Gesamtbild, in dem die Bühnen – so auch die Hauptbühne, auf der Krawall-Shouter Scooter bereits am Freitagabend auftreten will – zwar die Herzstücke sind, aber nur relativ wenig Platz im Bild beanspruchen. „Im Gegensatz zu ganzen Bands brauchen die DJs auf unserem Festival ja ziemlich wenig Platz auf der Bühne, also fällt diese relativ klein aus.“ Bleibt mehr Platz für die Effekt­aufbauten, allen voran die riesigen Türme mit den weißen Tafeln – hunderte kleiner Tafeln, die später die Projektionen zu einem großen Bild zusammenfügen. Ziegler nennt das Gesamtmaß der so zusammen gesetzten Projektionsfläche: „40 Meter breit, 18 Meter hoch.“ Und dann ist auch noch jeder Turm links und rechts mit mächtigen Scheinwerfern bestückt. Ziegler beziffert das jeweilige Gewicht auf etwa vier Tonnen.

Schon ab Donnerstag rückten die Sicherheitsexperten an, ein Statiker überprüft die Aufbauten, Feuerwehrleute den Brandschutz und die pyrotechnischen Anlagen. Überhaupt wird die Sicherheit groß geschrieben. Ziegler gelassen: „Wir hatten auch schon vor Duisburg ein Sicherheitskonzept für den Rocco.“

In der genannten Ruhr-Metropole war es vor Jahren bei einer Love-Parade zu einer Massenpanik mit vielen Toten und Verletzten gekommen. Selbstverständlich seien die Konzepte den Gegebenheiten und den Ereignissen der vergangenen Jahre angepasst worden, doch auch hier sieht sich Thilo Ziegler gut gerüstet. Schließlich produziert er ja derzeit Großveranstaltungen in Serie: „Wir kommen gerade aus Sankt Wendel, wo wir Fanta Vier präsentiert haben, und von hier aus geht es zum Rocco del Schlacko nach Püttlingen.“