Electro Magnetic Festival in der Völklinger Hütte

Electro Magnetic Festival : Hämmernde Beats im alten Eisenwerk

Electro Magnetic im Weltkulturerbe Völklinger Hütte wartete am Wochenende mit knapp 60 DJs und Live-Acts aus allen Sparten der elektronischen Musik auf. Rund 16 000 Besucher kamen zur 8. Auflage des Festivals.

Freitag am Spätnachmittag: Yves Montblanc tritt auf der kleinen Bühne am Schrottgleis auf, Ice Low in der Handwerkergasse, die zum „Classic Rave Floor“ ausgerufen wurde. Ice Low liefert hier zu früher Stunde ein treibendes, abwechslungsreiches Set mit originellen Samples ab – Vogelgezwitscher inklusive –, was leider noch nicht von allzu vielen Besuchern wahrgenommen wird. Und auch der darauffolgende Michael Kastel reißt schon zu früher Stunde mit seinem retro-housigen Set im alten Eisenwerk quasi die Hütte ab. Währenddessen leisten die Jungle Kidz auf der Bühne unter dem Schrägaufzug erfolgreichen Widerstand gegen die stampfenden Four-on-the-floor-Rhythmen der anderen Bühnen. Zu break-reichen Beats und zum Teil auch mit live Ragga-Gesang provozieren Acts wie Clash, Engl D oder Filley MC zu einem völlig anderen Tanzstil.

Wie immer haben die Veranstalter  keine Mühen gescheut, die Spielstätte, das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, auch optisch zum Hingucker werden zu lassen: Die mit einem Lauflicht im Stil chinesischer Lampions überspannte Handwerkergasse und die zehn neben und über der großen Bühne auf dem Erzplatz angebrachten Würfel als Projektionsflächen für Laser und Visuals ergänzen effektvoll die Auftritte der DJs.

Chinesische Lampions überspannen den Spielort in der Handwerkergasse. Foto: BeckerBredel

Nachdem ein Regenguss den großen Erzplatz für eine halbe Stunde fast völlig leer gespült hat, kann man – während die Zuschauer zurück vor die Bühne strömen – bei Worakls auch ohne Hintergrundinformationen erahnen, dass der DJ und Produzent mit seinem originellen Auftritt im warmen Sound-Kostüm und den einnehmenden Melodien aus Frankreich angereist ist. Während Matthias Tanzmann danach in seinem Set mit einem Sample im Volksmusikstil die Masse zu Begeisterungsstürmen bringt, gibt es bei der Legende DJ Hool ein 90er-Jahre-affines Set mit ordentlichem Druck auf den Ohren.

Drei von 16 000 Fans bei Electro Magnetic im Weltkulturerbe. Foto: BeckerBredel

Bühnen-Hopping ist ein Muss, um nichts zu verpassen. Loco Dice etwa begeistert mit einem heftig stampfenden Auftritt und repetitiven Vokalsamples, bevor der Berliner Weltstar Boys Noize zu später Stunde das Publikum mit seinen harten Bass-Tritten in den Allerwertesten nach Hause schickt.

Der Samstag wartet dann mit besserem Wetter auf. Und nachdem zuvor bereits Acts wie die Saarländerin Lea Lindner,  Gheist und Paul Veritas das Publikum zum Tanzen brachten, ist die Koproduktion von Rallo (Saarbrücken/Köln) und Praise (Kaiserslautern) auf dem Schrottgleis ein frühes und echtes Highlight am zweiten Magnetic-Tag: Die beiden Lokalmatadore begeistern hier spürbar das Publikum mit einem Set, das die Stärken der beiden nicht nur addiert, sondern multipliziert: Der verspielte Auftritt reißt mit und oszilliert zwischen den Polen Tech House und Progressive House, bei dem auch Freddy Mercury als Sample mitmischen darf.

Eigentlich schade, dass solche hochwertigen lokalen Acts ob der geringen Größe des Platzes vor der Schrottgleis-Bühne beim Gros des Publikums eher unter dem Radar fliegen. Hier wäre ein mehr Mut der Veranstalter wünschenswert und eine echte Bereicherung gewesen. Gerade im Vergleich zu Arno E. Mathieu: Sein perkussives Set mit World-Musik-Einsprengseln wirkt durch den im Mix viel zu lauten Bass undifferenziert.

In der Handwerkergasse bringt die Brasilianerin Joyce Muniz mit ihrem treibenden und fast schon poppigen Set die Tanzenden zum Schwitzen – und mit den von ihr eingestreuten Gesangssamples auch zum Mitsingen. Ganz anders Dixon auf dem Erzplatz: Sein Aufritt ist trocken, ja, geradezu humorlos – aber effektiv, denn stur durchgezogen und zumeist tiefdröhnend.

Auch das Duo Fjaak versucht daraufhin die Hütte mit monotonem, nie nachlassendem Bass in den Erdboden zu stampfen, bevor der Künstler auftritt, den die Masse am meisten erwartet hat: Carl Cox. Die frenetisch empfangene Koryphäe schafft es schon mit dem Einwurf „Yes, yes“ die Menge ausflippen zu lassen. Auch sein vielschichtiges Set aus House und Techno ist makellos und einpeitschend. Cox lässt nichts anbrennen, was auch Amelie Lens zu spüren bekommt: Trotz eines tollen Auftritts kann sie das nicht mehr toppen und beschließt – zumindest auf dem Erzplatz – ein tanzreiches und gefühlt durchweg friedliches Feierwochenende mit tollen Acts und glücklichen Fans.

Auch 2019 bleibt die Kombination Electro Magnetic und Weltkulturerbe ein „perfect match“: Einerseits die hämmernden Beats der Musik, andererseits die Kulisse des ehemaligen Eisenwerks, bei der man sich leicht vorstellen kann, dass die Zugwagen und andere Anlagenteile sich in eben diesem Rhythmus bewegten. Genial.

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