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Aus Gesundheitsgründen
Eismacher-Paar sagt Völklingen Arrivederci

Das seit 1935 bestehende Eiscafé Tiziani schließt. Die Betreiber Vanda Costantin und Giuseppe Pra Mio (im Bild) gehen in den Ruhestand.
Das seit 1935 bestehende Eiscafé Tiziani schließt. Die Betreiber Vanda Costantin und Giuseppe Pra Mio (im Bild) gehen in den Ruhestand. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Dolomiteneis-Frühling in Völklingen fällt aus! Giuseppe Pra Mio und Vanda Costantin geben das Traditionseiscafé Tiziani nach fast vier Jahrzehnten aus Gesundheitsgründen auf. Von Walter Faas

Arrivederci, per sempre! Schweren Herzens beendet Giuseppe Pra Mio sein Engagement als Gelatiere (Speiseeishersteller) in Völklingen. 71 Jahre alt ist der Mann, gesundheitlich angeschlagen, und an der Glastür beim Eiscafé Tiziani hängt noch der Hinweis: „Auf Wiedersehen im nächsten Frühling.“


Dazu kommt es nicht mehr. Die Gesundheit und das Alter machen  Pra Mio und seiner Frau Vanda Costantin einen Strich durch die Rechnung. Vor Tagen trafen die Reporter die Familie im jetzt ehemaligen Tiziani. Oben im Gastraum schützen Folien das Inventar – ein traurig machender Anblick. Unten, in den Funktionsräumen, brüht Tochter Sara Pra Mio einen typisch italienischen Espresso auf. Dann wird gesproochd. Die Eltern kommen gerade aus dem Völklinger Rathaus:  „Haben uns abgemeldet, das Anwesen verkauft, zu Ostern sind wir zurück in den Dolomiten“, teilt Costantin mit.

Die Geschichte der Gelatiere-Familie Pra Mio beginnt im Val di Zoldo, einem Hochtal in den südlichen Dolomiten. Gefühlt 80 Prozent der Bevölkerung haben hier in irgendeiner Form etwas mit dem Beruf des Eismachers zu tun. Gut drei Viertel der rund 3000 italienischen Eisdielen gehen auf das Val di Zoldo und das benachbarte Val di Cadore zurück. Von hierher kam auch ein Mann namens Tiziani (Vorname nicht bekannt) nach Völklingen, um bereits 1935 eine Eisbar zu eröffnen.



Pra Mio stand nach dem Krieg vor der Wahl, „Bauarbeiter in den Dolomiten zu werden oder Gelatiere in Deutschland“. Er entschied sich für Deutschland, arbeitete in Eiscafés in Bamberg, Frankenthal, Frankfurt, hat  in Deutschland seine Frau kennengelernt und mit ihr gemeinsam das Völklinger Geschäft im Jahr 1980 den Tiziani-Erben abgekauft. Seither kümmert er sich um die Eisherstellung, seine Frau und sein Sohn Simone wie die Tochter Sara ums Geschäft. „Mein Mann hat stets Wert darauf gelegt, Eis nach alten Familienrezepten und ohne industrielle Zusätze herzustellen“, sagt Costantin. Pra Mio winkt bescheiden ab: „Der gute Geschmack des Eises hängt wesentlich von den verwendeten Naturprodukten ab.“ Der Mann legt, das wird im Gespräch schnell klar, Wert auf Qualität, Kundenzufriedenheit, Tradition. Dazu gehört auch die jährliche Winterpause.

Wie hat die Familie sie eigentlich in den Dolomiten verbracht? „Zuerst einmal in der Holzernte für den Ofen, dann hab’ ich immer bei Festen gekellnert“, antwortet Pra Mio. Was wohl sein Eis 1980 gekostet hat? „Un momento“, ruft die Tochter und zeigt dem Reporter eine alte Speisekarte, nach der ein kleiner Eisbecher 90 Pfennig, mit Sahne 1,30 Mark, gekostet hat.

Und wie hat Pra Mio die Veränderungen in „seiner“ Poststraße erlebt? „Oh, das ist ein Thema“, seufzt er. Nicht alles habe sich zum Vorteil verändert, deutet er vorsichtig an, seine Frau ergänzt: „Die Treue der Völklinger zu unserem Geschäft und die Hilfsbereitschaft der Menschen ist uns über die vielen Jahre erhalten geblieben. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken.“