Einkaufen unter freiem Himmel

Völklingen · Wenn Frisches auf den Tisch soll, versorgen sich Völklinger gern auf dem Wochenmarkt. Die Händler dort punkten mit Produkten aus der Region und bieten auch Spezielles an, was man woanders suchen muss.

Wenn mittwochs gegen acht Uhr der Völklinger Markt auf dem Otto-Hemmer-Platz und vor dem Neuen Rathaus beginnt, sind Gisela Scherer und Bettina Giordano schon drei Stunden auf den Beinen. Die Obst- und Gemüseverkäuferinnen, die für den "Saarlouiser Früchtegarten" von Markus Ecker arbeiten, haben dann schon den Stand so hergerichtet, dass alles appetitlich ausschaut und akkurat ausgezeichnet ist. Die Kunden fragen in der Saison vor allem nach Obst und Gemüse aus der Lisdorfer Au. Und nach Kartoffeln aus der Pfalz. Die Arbeit ist körperlich fordernd, aber die Frauen möchten nicht tauschen mit Kolleginnen im stationären Handel - das Marktfrauendasein ist etwas Besonderes: "Hier ist es persönlicher und lockerer", erklärt Giordano.

Offenkundig schätzt auch ein eingeschworenener Kreis der Konsumenten den Einkauf im mobilen Handel, der Anteil der Stammbesucher ist sehr hoch. Was auffällt: Auch viele Händler sind schon "ewig" dabei, meist haben bereits ihre Vorfahren Märkte beschickt. Martin Presser aus Illingen ist in dritter Generation Geflügelhof-Betreiber und Eigenvermarkter. Seit über 30 Jahren ist er mit Fleisch und Eiern unterwegs, Völklingen ist nur einer von mehreren Standorten - und ein guter. Die Bedingungen und Gebühren seien in Ordnung, sagt er. Das Geschäft gehe allerdings überall zurück, mittwochs habe er in Völklingen etwa 60 Kunden , samstags aber 120. Unter der Woche kämen vor allem die jüngeren Leute nicht so oft. Presser ist aber keiner, der klagt, sondern was Neues probiert - dank guter Kontakte zu Lieferanten kann er Feinschmecker-Fleischstücke und Feinkostprodukte anbieten, die man sonst lange suchen muss.

Von insgesamt nachlassendem Interesse am Markteinkauf berichtet auch Elke Scherer aus Wehrden, die Backwaren von drei Bäckern anbietet. Für ihr Sauerteigbrot, den Frankfurter Kranz oder den Apfelkuchen - "mit handgeschälten Äpfeln" - kämen die Leute aber auch von weiter her. "90 Prozent der Kunden kenne ich mit Namen, ich bin für sie so eine Art Tante-Emma-Laden", freut sich Frau Scherer über den hohen Anteil von Stammkäufern. Von Vorteil für die Marktleute seien die vielen Ärzte in Völklingen , die zögen Kundschaft an. Wenn Elke Scherer einen Wunsch frei hätte, dann den nach kostenlosem Parken an Markt-Vormittagen.

Ingrid Bohnenberger aus Differten verkauft seit 41 Jahren auf dem Völklinger Markt Blumen und Pflanzen. "Ich stehe für meine Ware ein; wenn mal etwas nicht in Ordnung wäre, würden die Kunden mir das sofort sagen", erklärt die Geschäftsfrau ihre Einstellung. Außer Völklingen beschickt sie auch den Saarlouiser Markt, Heusweiler hat sie sein lassen - "es ist rückläufig, auch was die Sortimente betrifft. keine Süßigkeiten, keine Schuhe mehr". Was sie nicht missen möchte, ist die Arbeit an der Luft: "Mir geht es gut, die Kunden merken das, wir lachen viel." Stimmt, versichert Kundin Erika Hohlfeld, die den Marktgang als "Hobby" bezeichnet: "Ich liebe die Blumen und komme allein schon zum Gucken."

Ein Hauch von Endzeitstimmung liegt über dem Textil-Marktstand von Christian Mayer aus Hostenbach. Hier werden Kleider "für ältere Herrschaften" angeboten. Mutter Elfriede hatte das mobile Modegeschäft vor über 40 Jahren begonnen; nun ist sie aber nicht mehr so rüstig, um die Arbeit bewältigen zu können. In zwei Jahren vielleicht will der Sohn das Unternehmen aufgeben. Ob er einen Nachfolger findet?

So oder so, eins ist nach Überzeugung aller Händler gewiss: "Den Markt wird es immer geben. Immer", sagt Elke Scherer. Wenn von Ansiedlungserfolgen in der Wirtschaft die Rede ist, geht es meist um Industrie- und Handwerksgründungen. Im Großrosseler Ortsteil Naßweiler gelang im Vorjahr eine außergewöhnliche Gründung in der Landwirtschaft beziehungsweise im Einzelhandel. In den seit Jahren leer stehenden Birkenhof zogen Stefan Haupt und Marion Kledtke mit Ziegenhalterei und Käserei. Vorher waren sie in Erfweiler-Ehlingen gewesen. Die Ziegenprodukte werden im Hofladen und auf drei großen städtischen Wochenmärkten angeboten. Zum Sortiment gehören auch Weine, das Angebot an weiteren Warndt-Produkten im Hofladen soll ausgebaut werden.

Mittlerweile tragen 130 Ziegen zum Ertrag bei, die Gründerin ist sehr zufrieden mit dem Start, die Lage des Hofes in der Nähe zur französischen Autobahn sei "optimal". Wer mit Nachahmung liebäugelt, sollte wissen: Das Geschäft besteht aus sehr viel Arbeit ohne Urlaub und mit Liebe zu Tieren und Natur.