| 20:48 Uhr

xxxx
Einig gegen Lärm – doch wenig Hoffnung

Leise geht anders: Luisenthal – hier die Saar-Brücke – muss enorme Verkehrslast erdulden.
Leise geht anders: Luisenthal – hier die Saar-Brücke – muss enorme Verkehrslast erdulden. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Völklingens Stadtrat hat sich erneut mit dem Thema Verkehrslärm befasst – und mit der Schwierigkeit, den Krach zu mindern. Von Doris Döpke

Lange hat es gedauert. Andere Kommunen sind schon vor Jahren umgestiegen auf digitale Technik für die Arbeit ihrer politischen Gremien – Völklingens Stadtrat hingegen bekam seine Unterlagen bislang ausschließlich auf Papier. Doch nun ist der Rat der Hüttenstadt ganz offensichtlich unterwegs ins digitale Zeitalter. Stolz berichtet die CDU-Stadtverordnete Gisela Rink am Rande der Sitzung am Donnerstagabend, der letzten vor den Sommerferien, dass es nun Tablets gebe für die Ratsmitglieder und die eine oder andere App darauf bereits installiert sei.


Auch sonst hat moderne Technik Einzug gehalten in den großen Saal des Neuen Rathauses; sie bringt den Bürgern, die in den Zuhörerreihen sitzen, die Arbeit des Gremiums näher: Per Beamer wird die Sitzungsvorlage auf eine Riesenleinwand über den Köpfen der Sitzungsleitung projiziert. So können die Zuhörer mitlesen, was die Verwaltung dem Rat an Informationen und Argumentationen zusammengestellt hat.

Beim Thema des ersten und wichtigsten Tagesordnungspunktes aber beklagen die Ratsmitglieder, dass moderne Technik zu wenig eingesetzt werde bei kommunalen Problemen. Nicht von der Stadt. Sondern vom Land, dessen Straßenbau-Betrieb zuständig ist für die wichtigsten Verkehrsadern in Völklingen – und der sich bislang, so sagen es mehrere Stadtverordnete unisono, dem Gedanken verschließe, Flüsterasphalt zu verwenden.



Denn es ist zu laut an etlichen Straßenabschnitten in Völklingen. Viel zu laut – selbst nachts müssen mehr als 2000 Völklinger deutlich mehr Krach ertragen, als eigentlich erlaubt ist, weil auf den Straßen, an denen sie wohnen, der Verkehr rollt und rollt.

Nach einer Verordnung der Europäischen Union soll sich das ändern. 2008 war Völklingen die erste Stadt im Saarland, die einen entsprechenden Lärmaktionsplan erarbeitete. Am Donnerstag stand die dritte Runde des Plans zur Beratung an. Getan hat sich seit dem frühen Start freilich fast nichts.

Der neue Plan, sagt Ratsmitglied Paul Ganster, sei wenig mehr als eine Bestandsaufnahme, er bestätige Bekanntes. Und um die Chancen, die im Plan formulierten Vorschläge zu verwirklichen, stehe es schlecht. Zum Beispiel Tempo 30 zur Nachtzeit: Das werde dann wohl nicht kontrolliert. Also auch nicht eingehalten. So ähnlich sieht es Wolfried Willeke (SPD). „Wir als Rat können nur Tempo 30 beschließen, für Flüsterasphalt sind wir nicht zuständig.“ Aber, fügt Ulrike Müller (CDU) an, die Stadt müsse bei Straßen-Erneuerungen darauf drängen, dass das Land lärmmindernden Fahrbahnbelag einbaue. Auch wenn der rund 20 Prozent teurer sei – er wirke.

Am Schluss votiert der Rat einstimmig, bei einer Enthaltung, für den Lärmaktionsplan. Viel Hoffnung auf Besserung verbinden die Ratsmitglieder damit aber nicht. „Blöd, dass wir jetzt Jahre zurückliegen“, sagt Ulrike Müller und bringt damit die Stimmung auf den Punkt.