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Eine Schlacht in aller Freundschaft

Eine Schlacht in aller Freundschaft

Fürstenhausen. Mehr als 70 Soldaten in farbenfrohen Uniformen haben ihr Feldlager auf der Anhöhe unweit der Fürstenhausener Kompostieranlage aufgeschlagen. Von dort lässt sich ganz Völklingen überblicken. Oder auch beschießen - so wie es französische Soldaten anno 1870 taten

Fürstenhausen. Mehr als 70 Soldaten in farbenfrohen Uniformen haben ihr Feldlager auf der Anhöhe unweit der Fürstenhausener Kompostieranlage aufgeschlagen. Von dort lässt sich ganz Völklingen überblicken. Oder auch beschießen - so wie es französische Soldaten anno 1870 taten. Diese Episode des Deutsch-Französischen Krieges lässt der Traditionsverein Die Dreissiger nun neu aufleben, in einer Mischung aus Schauspiel und originalgetreuer Darstellung. Das Spektakel lassen sich die Völklinger nicht entgehen: Bei strahlendem Sonnenschein schauen sie zu Hunderten zu. Zu sehen gibt es viel, vom Soldaten-Biwak über die roten Uniformhosen der Franzosen bis hin zur für heutige Verhältnisse abenteuerlichen militärische Ausrüstung. "Wir wollen aber auch eine Show für ein breites Publikum bieten", erklärt Hendrik Kersten von den Dreissigern, während er für die Kinder Pickelhauben aus Pappe zusammenklebt. Als "Gegner" der Akteure in Preußischblau ist die Association d'histoire et mémoire aus Spichern mit gut 20 Mann und acht originalgetreu nachgebauten Kanonen angerückt. "Wir wollen damit die Geschichte für unsere Kinder nachvollziehbar machen", sagt Vorsitzender Fabien Kling, 46, "und unsere Dankbarkeit darüber zum Ausdruck bringen, dass nach Jahrhunderten der Feindschaft nun unsere beiden Länder zusammenwachsen." Mittendrin bei den französischen Soldaten: Karl-Heinz Speicher aus Lebach. Er trägt die Originaluniform des Generalfeldmarschalls François Bazaine, entliehen aus dem Merlebacher Museum; Bazaine kommandierte seinerzeit die Militäraktion, die die Völklinger in Angst und Schrecken versetzte. Die Preußen in blauen Uniformen werden von grünen Jägern des 9. Marburger Infanterieregiments unterstützt; zu ihnen gehört beispielsweise Willi Esser aus Kaiserslautern. Zwischen den Fronten wuselt Dreissiger-Vorsitzender Frank Morgenthal herum: "Wir haben heute Vormittag unter Mithilfe der Völklinger Feuerwehr, der Johanniter und des Technischen Hilfswerks aus Friedrichsthal eine gewaltige Logistik aufgebaut. Die Sicherheit der Akteure und der Zuschauer liegt uns am Herzen", sagt er. Walter Blume, mit 60 Jahren Senior bei den Dreissigern und stolzer Gefreiter, sorgt als "Küchenbulle" dafür, dass die Besucher sich an leckerer Erbsensuppe laben können. "Das sind keine Kriegsspielchen, sondern erlebte Geschichte", findet er. Dann geht es los. Im Trommeltakt marschieren Blaue, Rote und Grüne auf die Wiese. Mit Donner und Pulverdampfschwaden feuern die Franzosen ihre Geschütze ab. Die Preußen bleiben ihnen nichts schuldig. Zum guten Schluss marschieren alle gemeinsam vom "Schlachtfeld", um die deutsch-französische Freundschaft am - ganz und gar nicht historischen - Getränkestand mit einem kühlen Bierchen zu erneuern. Das Publikum spendet den Veranstaltern einhelliges Lob.

HintergrundAm 2. August 1870, also genau vor 140 Jahren, beschossen französische Soldaten unter Führung des Marschalls Bazaine von einer Anhöhe bei Fürstenhausen aus das damals neu erbaute Bergmannskrankenhaus in Völklingen. Niemand kam zu Schaden; nur die Klinikmauern trugen Spuren davon. Ein Denkmal am Ort der Kanonade erinnert an die Episode, die am Anfang des Deutsch-Französischen Krieges stand. red