Eine halbe Stunde quirliges Straßen-Leben

Eine halbe Stunde quirliges Straßen-Leben

Nebel-Wetter, am Boden konnte man mitunter kaum zehn Meter weit sehen – aber das hat die Menschen in Völklingen nicht davon abgehalten, ausgelassen den Beginn des neuen Jahres zu feiern, hier und dort auch mit Tanz. Feuerwerk gab's freilich weniger als in den Vorjahren.

Nicht ahnend, dass das neue Jahr der Mittelstadt schon bald das erste Drama bescheren würde (siehe Bericht über den Brand in der Karl-Janssen-Straße auf ), bereiten sich die Völklinger am Donnerstagabend auf den Jahreswechsel vor. Während etliche Völklinger in den Stunden vor Mitternacht nochmal durch die Straßen schlendern oder eilig zur ausgewählten Party hasten, legt sich der Nebel langsam über die Stadt.

Zwei große Partys

Die beiden größten Partyzentren der Nacht liegen dieses Mal nur kaum 100 Meter Luftlinie voneinander entfernt. Im Alten Bahnhof steigt wie schon in den Vorjahren der beliebte Silvesterball mit Büfett und gediegener Musik. Und im Pfarrgarten haben sich die Wirtsleute des Bistro "Jean M.", Christa und Harald Mörsdorf, nach Jahren ohne größere Silversterveranstaltung einmal wieder entschieden, es in der letzten Nacht des Jahres richtig knallen zu lassen.

Sie luden zur Silvesterparty inklusive Zeitreise in die 1960er Jahre; die Oldies dazu lieferte die Völklinger Band The Sixties Revival. Ralf Gouverneur, einst Gründer der Sixties, hatte die Mörsdorfs dazu animiert. "Einfach mal wieder eine Party anbieten - ohne Eintritt, ohne Vorbestellung, einfach so", beschreibt Christa Mörsdorf das Vorhaben. Und ohne großes kulinarisches Tamtam, typische Silvesterspeisen wie Würstchen, Rippchen, Kartoffelsalat, Kraut und Gulaschsuppe standen bereit. Im alten Jahr sorgen Oldies wie "Alright now" und "Hey Jude" noch für Stimmung. Die Tischdekoration trägt auch zur guten Laune bei. Etwa mit den Pfeifen, die lustig quieken, wenn die Feiernden hineinblasen. Mittendrin im fröhlichen Treiben ist Musikfan Emil Bausch: "Livemusik ohne Eintritt, ein toller Silvesterabend."

Und dann ist es plötzlich so weit. Punkt Zwölf geht es überall auf die Straßen. Am Alten Bahnhof, im Pfarrgarten, in Wehrden, Fürstenhausen, Fenne, Luisenthal, Ludweiler, Lauterbach, in Großrosseln und seinen Warndtgemeinden strömen jetzt viele auf die Straßen. Und erleben vor allem in der Innenstadt, dass ungeduldige Frühstarter längst die Nacht zum Tag gemacht haben. Grelle Blitze, schwere Donnerschläge, knisterndes Krachen, pfeifendes Heulen. Für mehr als eine halbe Stunde ist Völklingen jetzt quicklebendig.

In Qualm- und Nebelschwaden

Während bunte Feuersterne am Himmel blitzen, ist in Bodennähe nix zu sehen. Die Sichtweite beträgt mancherorts weniger als zehn Meter. Es riecht nach verbranntem Schwarzpulver - aber längst nicht alles ist Feuerwerks-Qualm, wird doch deutlich weniger geballert als in den Vorjahren; der Rauch vermischt sich jetzt mit dem dichten Nebel .

Was bleibt, ist allerhand Böllerdreck, der den städtischen Mitarbeitern am Neujahrstag und in den Tagen danach viel Arbeit bereiten wird. So schnell wie die Leute auf den Straßen waren, sind sie auch wieder drinnen. Im "Jean M." rocken die Sixties mit frisch gestimmten Gitarren weiter. Etwa mit dem Cliff-Richard-Hit "Do you wanna dance" - und das Publikum nimmt die Einladung an, viele tanzen.

"120 bis 130 Gäste, schwer zu sagen", schätzt Christa Mörsdorf weit nach drei Uhr morgens, als sich die Reihen langsam lichten. Langes Warten auf Taxis verzögert bei vielen die Heimkehr. Und wer im Bereich Karl-Janssen-Straße vorbei muss, den holt schon bald der Alltag wieder ein: Die Feiernden haben während der Party nicht mitbekommen, dass zwischendurch Blaulicht und Martinshörner das Szenario auf den Straßen bestimmt haben. Feuerwehrleute waren im Einsatz, um Leben zu retten.

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