"Eine Gemeinde ohne Ehrenamtliche ist tot" Bundesvorsitzende Pro Familia fordert mehr Unterstützung

Völklingen. Ehrenamtliche sind unverzichtbar geworden. Es sind Menschen, die unentgeltlich in Altenheime gehen, die Sportvereine unterstützen, bei der Freiwilligen Feuerwehr helfen und in der Jugendarbeit anpacken - um nur einige Bereiche zu nennen

Völklingen. Ehrenamtliche sind unverzichtbar geworden. Es sind Menschen, die unentgeltlich in Altenheime gehen, die Sportvereine unterstützen, bei der Freiwilligen Feuerwehr helfen und in der Jugendarbeit anpacken - um nur einige Bereiche zu nennen. Wie kann man diese engagierten Bürger noch besser einbinden, unterstützen und auch ermutigen - damit befasste sich die Fachtagung "Ehrenämter der Zukunft", zu der der Regionalverband Saarbrücken, die Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt und die Freiwilligenagentur Völklingen des Diakonischen Werkes an der Saar in das Kongresszentrum der SHG-Klinik in Völklingen eingeladen hatten. In einer Talkrunde diskutierten Oberbürgermeister Klaus Lorig, Martin Heß vom Diakonischen Werk und Hans-Joachim Müller von der Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt über die Felder, in denen ehrenamtliche Arbeit stattfindet. Wie die Zusammenarbeit zwischen professionellen und ehrenamtlichen Mitarbeiter aussehen kann und welche Probleme auf die Gesellschaft angesichts des demografischen Wandels zukommen. Klaus Lorig gestand zu, dass ihn selbst ehrenamtliche Arbeit von frühester Jugend an entscheidend mit geprägt hatte. Auch heute stehe fest, dass eine Gemeinde ohne ehrenamtliche Arbeit tot wäre: zum einen aus finanziellen, aber auch aus gesellschaftspolitischen-sozialen Gründen. Lorig vertrat ebenso wie Hans-Joachim Müller die Auffassung, dass Anerkennung für ehrenamtliche Arbeit unabdingbar sei, da diese einen immensen Beitrag für die Gesellschaft leiste. Eine Anerkennungskultur forderte Müller für die freiwillige und unentgeltliche Arbeit, ein Dankeschönfest wie im Dezember in Freisen oder eine Ehrenamtsnadel könnten hier kleine Schritte sein. Auf einem guten Weg sah Martin Heß das Ehrenamt: Der Versicherungsschutz sei gegeben oder Freibeträge für Übungsleiter in Vereinen festgelegt. Für seinen Bereich sagte er, dass die Evangelische Kirche ohne ehrenamtliche Mitarbeiter nicht funktionieren würde. Wichtig sei, dass Ehrenamtler nicht alleine gelassen würden. Fortbildung und Qualifizierungskurse müssten angeboten werden - "ein Miteinander von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern auf gleicher Augenhöhe ist notwendig." Problematisch seien für alle Bereiche die oft fehlenden Räumlichkeiten. Trotz aller finanziellen Zwänge sei die Mittelstadt bestrebt, so Lorig, die Kinder- und Jugendarbeit durch Jugendtreffs oder das Kinder- und Jugendbüro im Rathaus zu unterstützen. Müller sah in leer stehenden Grundschulen Kapazitäten für Ehrenamt und Jugendarbeit. Wie wichtig ehrenamtliche Arbeit sei, dokumentierten Zahlen: Der Wert dieser Arbeit betrage im Saarland pro Jahr rund 250 Millionen Euro und rund 380 000 Saarländer seien in irgendeiner Form ehrenamtlich tätig. Sorgen bereitet die Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate, die gravierende Folgen für den Zivildienst hätte. "Nun müssen die Freiwilligen Dienste verstärkt werden", war sich die Talkrunde einig. Lorig vertrat mit Nachdruck die Meinung, dass jeder junge Mensch ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren solle, aber auch ältere Menschen nach ihrem Berufsleben aufgerufen seien, ihr Wissen im Ehrenamt weiter zu geben. Völklingen. In einem Festvortrag warf die Sozialwissenschaftlerin und Bundesvorsitzende Pro Familia Dr. Gisela Notz einen Blick auf den zukünftigen Bedarf ehrenamtlichen Engagements. Sie setzte sich dafür ein, dass Ehrenamtliche beteiligt werden müssten, anstatt sie von wichtigen Informationen auszuschließen. Die Übernahme von "Verantwortungsrollen" werde immer wichtiger. Hier komme ehrenamtlichen Besuchsdiensten eine wichtige Rolle zu. Diese müssen unterstützt werden durch professionelle Hilfe. Unterbleibe diese, erführen Ehrenamtliche nicht selten Überforderung durch emotionale, psychische und zeitliche Belastung. hla

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