Eine Achse von der Kohle bis zum Stahl

Eine Achse von der Kohle bis zum Stahl

Zwei der bedeutendsten Orte der Industriekultur im deutsch-französischen Grenzraum wollen enger zusammenarbeiten. Dafür hoffen sie auf Geld von der Europäischen Union.

Gerade mal 4,7 Kilometer Luftlinie trennen die Völklinger Hütte und das Bergbau-Museum Les Mineurs im lothringischen Petite-Rosselle . Bereits heute arbeiten beide Institutionen zusammen. Um ihre Angebote noch stärker zu verzahnen, haben die beiden Leiter, Gérard Bruck und Meinrad Maria Grewenig , gestern einen Kooperationsvertrag unterschrieben.

Vor allem möchten sie, dass jede der beiden Industriekulturstätten von den Besuchern der anderen profitiert. Dazu sollen gemeinsam organisierte Tagestouren dienen, bei denen beide Ziele angesteuert werden. "So lernen die Besucher nicht nur den Anfang oder das Ende der Kette kennen, sondern die gesamte Achse Kohle-Eisen-Stahl", erklärte Gérard Bruck. Dieser Themenkomplex soll auch durch eine 3-D-Animation sichtbar gemacht werden.

Außerdem wollen sich beide Museen ab 2017 auf Tourismusmessen mit einem gemeinsamen Stand präsentieren. "Wir haben die Hoffnung, dass durch die Industriekultur das wiedergewonnen wird, was durch den Niedergang der Industrie verloren gegangen ist", sagte Meinrad Maria Grewenig . Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte sei das wichtigste Denkmal der Eisenerzeugung in der Welt und der Parc Explor Wendel, auf dessen Gelände sich das Bergbaumuseum befindet, die größte museale Grubenanlage Frankreichs. Wenn es also hier nicht klappt, wo sonst? Doch Grewenig machte keinen Hehl daraus, dass es bei allem Engagement ohne Geld nicht funktionieren wird. Deshalb wollen sich beide Museen mit einem gemeinsamen Interreg-Antrag um Fördergelder aus Brüssel bewerben. "Dafür bedarf es auch Unterstützung von der politischen Seite", sagte Grewenig.

Diese kam gestern bei der Vertragsunterzeichnung von der saarländischen Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD ) und der französischen Abgeordneten des Regionalrates Grand Est, Carmen Diligent (LR). Selbst in Petite-Rosselle geboren habe sie die Blüte der Bergbauzeit erlebt, sagte Diligent. "Ich werde mich in unserer neuen großen Region dafür einsetzen, dass dieses Erbe gestärkt und für Touristen noch attraktiver wird", versprach sie.

Auch für die heimische Bevölkerung sei die Aufwertung der Industriekultur sehr wichtig, meinte Wirtschaftsministerin Rehlinger: "Es ist das Erbe unseres Landes und unsere Pflicht, diesem einen angemessenen Rahmen zu bieten." Ihr eigener Sohn sei sieben Jahre alt. Die Bergbau-Ära werde er nicht mehr selbst erleben, "aber ich möchte, dass er weiß, warum wir hier ‚Glück auf' sagen".

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