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Spektakel
Ein „tolles Spektakel“ für Mittelalterfans im Schlosspark

Spannende Vorführung, gerade für die kleinen Gäste: Falkner Thomas Graf, historisch gewandet, und sein Uhu „Irene“. 
Spannende Vorführung, gerade für die kleinen Gäste: Falkner Thomas Graf, historisch gewandet, und sein Uhu „Irene“.  FOTO: Thomas Seeber
Geislautern. Eindrucksvolle Gewänder, allerhand Vorführungen, Klampfenromantik, ein großer Badezuber und vieles mehr: In Geislautern drehte sich beim Mittelaltermarkt alles um vergangene Zeiten. Von Walter Faas

Vorgestern, beim Mittelaltermarkt im Schlosspark Geislautern: Jana Friedrich und Sandra Gowdy passen am Eingang auf, dass niemand den Taler schuldig bleibt und etwa umsonst ins Lager schlüpft. Zur Sicherheit haben sich die zwei Frauen „mit dem einnehmenden Wesen“ einen wattierten Ritter im Kettenhemd und mit Schwert mitgebracht.


Ob der wohl allen Schnorrern die Hand abschlägt? Eher nicht! Die Frage bleibt unbeantwortet, weil der Reporter abgelenkt wird von zwei jungen Hübschen mit bodenlangen Retrokleidern mit Gugel, Schnüren, Schmuck. „Alles selbst genäht oder auf Flohmärkten gekauft, wir sind nämlich arme Mittelaltermägde“, sagen die beiden, Annika von Stein und Gina Wetzel. Wieso arm? „Weil wir so viel auf Mittelaltermärkte gehen!“ Und da kann man in der Tat seine Silberlinge hurtig loswerden!

Der Schmiedemeister Christian Kunert, gelernter Diplomdesigner, versteht sein Handwerk und hämmert starres Eisen zu geschwungenen Laternenhaltern oder handlichen Lupfern (Flaschenöffner) mit Drachenkopf. Das kostet. „Wolfgang (Dienhart) vom Hochwald“ stellt extravagante Steampunk-Brillen à la Jules Verne her, die man an der Schirmmütze trägt: „Nicht ganz zum Mittelalter passend, aber sehr modisch.“

Die Saarschotten unter ihrem Gutsbesitzer Laird Rudolfo Galinowski grillen ein ganzes Spanferkel „circa acht bis neun Stunden“ am offenen Feuer. Dazu gibt’s einen zünftigen Gemüsetopf plus Kräuterbrot aus den Highlands, Dudelsackmusik, Guinessbier. Und Whisky, natürlich.

Große wie Kleine üben sich im Armbrustschießen. Eine ganze Familie räkelt sich im hölzernen Badezuber, ganz nackig! Bleibt aber dennoch jugendfrei, weil die mittelalterlich gewandeten Bader im entscheidenden Moment die Szenerie mit Tüchern verdecken. Diese Badehäuser waren anno Dunnemal übrigens der reinste Sündenpfuhl, darüber hinaus ein Ort, in dem geschröpft, rasiert oder Zähne gezogen wurden. Beispielsweise von einem wenig vertrauenerweckenden Dr. Dr. Dr. Bombastus, der seinen armen Gehülfen Leonardo im Schlosspark malträtriert „bis zum Gehtnichtmehr“, zur Erbauung des Publikums, das bei schönem Wetter zahlreich zum Flanieren in den Schlosspark kommt.



Jonas, Eileen und Lily Holzgräfe, drei Kinder, purzeln ein um das andere Mal von der wackeligen Sternenleiter, die es, um den Preis von zwei Silberlingen, zu erklimmen gilt.

„Fresset Brezeln bis euch der Nabel glänzt“ verkündet der Brezelfabrikant Volker Kalski. Das Seherweib Tania Dringelstein („War früher Finanzbeamtin und bin per Zufall professionelle Wahrsagerin geworden“) liest aus der Hand oder aus den Tarotkarten die Zukunft, hinter zugezogenem Vorhang und nur für die Ohren der Zuhörerin bestimmt.

„Tolles Spektakel“ resümiert Besucher Heinz Baldauf, und meint damit viele weitere Aktivitäten zwischen Schwertkampf, aktiver Speckstein-Bearbeitung, Feuerschau am Abend, Klampfenromantik, Haarverschönerung und „Leibkneterey wohltuend für Gebeyn und Seel.“

Weitere Infos finden sich auf der Internetseite des Veranstalters.

Schmiedemeister Christian Kunert zeigt sein Handwerk.
Schmiedemeister Christian Kunert zeigt sein Handwerk. FOTO: Thomas Seeber
Marktbesucher Nils versucht sich auf der wackeligen Sternenleiter.
Marktbesucher Nils versucht sich auf der wackeligen Sternenleiter. FOTO: Thomas Seeber