Gedenken an Zwangsarbeiter: Ein Ort zum Gedenken an Zwangsarbeit

Gedenken an Zwangsarbeiter : Ein Ort zum Gedenken an Zwangsarbeit

Die so genannte Ausländergedenkstätte auf dem Waldfriedhof soll einen neuen Namen erhalten. Dafür hat jetzt der Ortsrat votiert.

 Einstimmig hat sich der Ortsrat Völklingen am Mittwochnachmittag dafür ausgesprochen, die Ausländergedenkstätte auf dem Waldfriedhof in „Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit in Völklingen“ umzubenennen. Damit folgen die Kommunalpolitiker einem Vorschlag des ehemaligen Völklinger Stadtarchivars Christian Reuther.

Aufgrund einer Eingabe der Bürgerinitiative gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit sowie des Stadt- und Ortsratsmitglieds Georg Jungfleisch (Linke) hatte ihn die Verwaltung beauftragt, zu prüfen, ob die Bezeichnung „Ausländergedenkstätte“ in „Zwangarbeitergedenkstätte“ geändert werden könne.

Reuthers Recherchen sind in der Sitzungsvorlage zusammengefasst: Angelegt wurde das Gräberfeld auf dem Waldfriedhof 1942 für ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter, daher sei der etwa 1990 eingeführte Name „Ausländergedenkstätte“ durchaus berechtigt. Mit wenigen Ausnahmen seien dort Zwangsarbeiter bestattet, jedoch beziehe sich etwa ein Fünftel der Inschriften auf Säuglinge. Der Begriff „Zwangsarbeitergedenkstätte“ scheine daher wenig zutreffend und sei auch nicht gerechtfertigt, selbst wenn die dort bestatteten Säuglinge Kinder von Zwangsarbeiterinnen gewesen sind.

Um 1950 habe man aber das Gräberfeld umgestaltet und ihm einen Mahn- und Gedenkcharakter verliehen; der Ort könne nunmehr als Stätte zur Erinnerung an die ausländischen Menschen angesehen werden, die während der Jahre 1941 bis 1945 in Völklingen verstorben sind.

„Daher könnte man über eine Benennung der Anlage in ‚Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit in Völklingen’ nachdenken“, schreibt Reuther. Dieser Name sei für ihn akzeptabel, erklärte Georg Jungfleisch während der Sitzung im Neuen Rathaus. „Ich hoffe, dass der Ortsrat inzwischen genügend Informationen gesammelt hat, um den Vorschlag von Herrn Reuther mitzutragen“, sagte der Linken-Politiker weiter.

Im August hatte das Thema schon einmal auf der Tagesordnung des Gremiums gestanden. Bereits damals hatte Jungfleisch für die Namensidee des Archivars plädiert. Die übrigen Ortsratsmitglieder beschlossen jedoch, eine Entscheidung zu vertagen. Sie wollten zuerst ausführlichere Informationen. Nachdem ihnen nun die umfangreichen Erläuterungen nachgeliefert wurden, gaben sie grünes Licht für die Umbenennung des Ortes in „Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit in Völklingen“.

Und auch einen weiteren Vorschlag Reuthers unterstützt der Ortsrat: Der Archivar hat angeregt, eine Informationstafel aufzustellen, auf der ein Text über den historischen Kontext des Gräberfeldes und nähere Angaben zu den auf der Tafel genannten Opfern angebracht werden.

Über die Frage, welcher Text dort zu lesen sein wird, will der Ortsrat dann erst später abstimmen. CDU-Fraktionschef Uwe Steffen schlug vor, Reuthers Erläuterungen auf der Tafel zu veröffentlichen. Sein SPD-Kollege Klaus Hilgers sprach sich dafür aus, die Bürgerinitiative gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit mit einzubeziehen, sie solle nach einem Textvorschlag gefragt werden.

Bisher nennt die Friedhofs-Tafel nur Namen, sonst nichts. Künftig sollen historische Informationen hinzukommen, und der Ort soll „Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit in Völklingen“ heißen. Foto: Caroline Conrad/ Aktionsbündnis Stolpersteine

Die Umbenennung der Ausländergedenkstätte wird im Völklinger Ortsrat nach Angaben der Stadtverwaltung nur vorberaten. Die Entscheidung fällt der Stadtratsausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt.