| 20:21 Uhr

Märchenhaft
Ein Musical – vier Schulen – überragend viel Applaus

Völklingen. Eselshaut mit Schülern aus Deutschland und Frankreich wird auf der Bühne des Weltkulturerbes Völklinger Hütte aufgeführt. Von Oliver Sandmeyer

Während man aus den Backstage-Bereichen am rechten und linken Bühnenrand die aufsteigenden Tonfolgen der Stimmübungen der Chormitglieder hört, füllen sich die Stuhlreihen in der Gebläsehalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. Im hohen Hallengewölbe empfangen die Schüler der vier deutsch-französischen Gymnasien aus Metz, Marly, Forbach und Völklingen zum diesjährigen „Concert des Lycées“.


Nachdem im vergangenen Jahr das Konzert der Gymnasien mit „Frieden schaffen“ unter einem politischen Motto stattfand, folgt in diesem Jahr die Flucht ins Fantastische: Mit der Musikal-Adaption von Eselshaut von Charles Perrault bekommt das Publikum Märchenhaftes geboten.

Dessen Inhalt ist schnell erzählt: Nachdem die geliebte Gemahlin des Königs während der Geburt der Tochter verstirbt, möchte dieser keine heiraten, die diese nicht an Schönheit und Anmut zu übertreffen weiß. Zu dumm nur, dass es gerade seine eigene Tochter ist, die dies in seinen Augen schafft. Und so muss sich die Prinzessin – dargestellt von der Schülerin Jeanne Joppin – immer wieder der inzestuösen Annäherungsversuche ihres Königs – mit großer Präsenz gespielt und gesungen von Nils Hollendieck – erwehren. Verzweifelt entflieht sie den Nachstellungen – bekleidet mit dem Fell eines Esels – in die Fremde, wo sich, ganz Märchen-like, alles zum Guten wendet, als ein Prinz sich in sie verliebt und im Anschluss die Hochzeitsglocken läuten.



Mit großem Orchester, ebenso großem Chor sowie vielen Tänzerrinnen lassen die zirka 300 Schüler das Märchen zur abendfüllenden, mitreißenden Unterhaltung werden. Klar, dass es bei 300 Personen etwas kuscheliger auf der Bühne zugeht.

Nach einem überraschend verhaltenen Empfang beginnt der Abend: Christian Bur und Pierre Thibout haben nach einem Libretto von Hollendieck abwechslungsreiche Lieder für Eselshaut komponiert. Diese präsentiert sich mal im Marsch-Gewand oder als Walzer, können aber je nach erzählter Situation auch ins Poppige kippen. Damit jeder alles versteht, werden die Textpassagen zwischen den Liedern in beiden Sprachen vorgetragen.

Trotz aller Dramatik kommt auch der Humor nicht zu kurz: Weitere Märchen, wie die Sieben Zwerge, werden mit in die Handlung eingewoben – was für Lacher sorgt. Und auch ein nicht an Flüchen sparendes Cowboy-Trio versucht, die Prinzessin für sich zu gewinnen.

All das trägt folgerichtig dazu bei, dass der anfänglich zurückhaltende Applaus nach gut 100 Minuten sich zu einem ohrenbetäubenden Orkan auswächst.

Eselshaut wird noch zwei Mal aufgeführt: am 20. März in Metz im Arsenal und am 23. März in Forbach im CAC (jeweils um 20 Uhr).