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Ein Meister-Mariechen durch und durch ist Emily Diener aus Völklingen

Fastnachterin durch und durch : Ein Mariechen gibt Vollgas beim Tanz

Emily Diener aus Völklingen, sechsfache Saarlandmeisterin im Mariechentanz, hat zum Ende ihrer Karriere trotz Gesundheitsproblem noch mal alles gegeben.

„Das Kind sollte ganz viel Spaß am Tanzen haben und sich nicht kaputtmachen. Vor allem aber sollte es nicht auf die hören, die das Ganze negativ sehen“, erklärt die 18 Jahre alte Emily Diener aus Völklingen-Fürstenhausen auf die Frage, was sie dem Nachwuchs im karnevalistischen Tanz mitgeben möchte. Sie muss es wissen: Seit ihrem vierten Lebensjahr wirbelt sie im Bogengang, Rad und Spagat über die Bühne. Und das längst nicht nur zur fünften Jahreszeit. Die sechsfache Saarlandmeisterin im Mariechentanz trainiert das gesamte Jahr über mindestens vier- bis fünfmal in der Woche, dazu gehört auch der regelmäßige Besuch im Fitnessstudio.

Auch im Hinblick auf die Schule – Emily macht gerade am Berufsbildungszentrum in Völklingen ihr Abitur – bedarf es da eines sehr straff organisierten Tagesablaufs. Noch, denn für Emily, die seit zwei Jahren für die Faasend-Rebellen Saarlouis Steinrausch auf die Bühne geht, heißt es bald Abschied nehmen: „Ja, ich höre auf, nach der Saison ist als Mariechen Schluss für mich“, erklärt sie sehr entschlossen. Was genau das heißt, darüber will sie sich im März nach den süddeutschen Meisterschaften Gedanken machen. Denn noch ist sie im Training, die letzten Auftritte stehen an.

Begonnen hat Emily Dieners Karriere als Mariechen im zarten Alter von knapp drei Jahren, „mit Pampers und Schnuller“, wie sich Mama Christine Diener erinnert. „Damals war sie im Kindergarten am liebsten im Tanzraum, eine Erzieherin war zugleich Trainerin in einem Verein und hat mich angesprochen“, erzählt sie, „zwei Wochen später stand Emily auf der Bühne gleich in der ersten Reihe und hat allen gezeigt, dass sie genau dahin gehört.“ Aus der Gruppe ging es dann weiter zu den Solistinnen. Emily hatte ihre Liebe zum Tanz entdeckt und trainierte eifrig, gern auch mal zu Hause oder im Supermarkt. „Damals haben Leute gesagt, ich sei eine zu ehrgeizige Mama. Doch das geht gar nicht. Man Kinder nicht zwingen, das muss aus ihnen rauskommen“, sagt die Mutter.

Die Tochter nickt und ergänzt: „Für mich ist das Tanzen mein Leben, das ist so, seit ich drei Jahre alt war.“ Vor allem für Emilys Eltern war es anfangs gar nicht so einfach, denn „mit der Fastnacht haben wir als Familie eigentlich nichts am Hut“.

Rückblickend überwiegen die vielen schönen Momente, die Turniere in ganz Deutschland, bei denen Emily nicht nur oben auf dem Treppchen stand, sondern auch viele Freunde gefunden hat: „Wir sehen uns nur einmal im Jahr auf einem Turnier, doch dann ist die Freude riesig“, sagt sie. Auch mit ihrem Trainer verbindet sie eine enge Freundschaft: „Er hat mir für mein Abschiedsjahr einen ganz besonderen Tanz gemacht.“

Zu den vielen Jahren im Leistungssport gehören aber auch Verletzungen und gesundheitliche Probleme. Eine der schwierigsten Herausforderungen, da sind sich Mutter und Tochter einig, war es, als Emily mit elf Jahren in einem Jahr 20 Zentimeter gewachsen war und Probleme mit der Leiste bekam. Dank guter Therapeuten ging es damals aber weiter. „Immer wenn meine Tochter Schmerzen hatte, sind wir sehr schnell zum Arzt, haben auch eine zweite Meinung eingeholt“, betont Christine Diener.

Ein Trainingsunfall beendete dann die Saison 2015, bevor sie begonnen hatte; Diagnose: Kreuzbandriss. Es folgte Operation und Reha statt Mariechentanz. Emily kämpfte sich zurück. Bis im vergangenen Jahr die Rückenprobleme immer stärker wurden. Nach einem MRT war klar: Emily hatte mit 17 Jahren einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich. „Nach dieser Diagnose habe ich nur noch geheult. Ich wusste, was das bedeutet“, sagt sie. Sie hat gekämpft, im Fitnessstudio Muskeln zur Stabilisierung aufgebaut, härter trainiert als zuvor. „In dem letzten Jahr habe ich nicht einmal gehört, dass sie keine Lust hat“, sagt die Mama. Mit der Kampfansage: „Ich will das. Ich schaff das“ ist Emily schließlich zur Saarlandmeisterschaft im eigenen Verein angetreten und hat den Titel geholt. „Ich wollte als Saarlandmeisterin aufhören“, sagt Emily. Das Ende ihrer Laufbahn als Mariechen steht fest, in der Gruppe will sie noch weitertanzen. „Und ich werde mal Sportarten ausprobieren, für die bisher keine Zeit war“, sagt Emily, „und auch ein bisschen mehr für die Schule will ich machen – für mein Abitur.“