Porträt Leo Krämer: Ein leidenschaftlicher Musiker im Unruhestand

Porträt Leo Krämer : Ein leidenschaftlicher Musiker im Unruhestand

Leo Krämer arbeitet wieder an einem großen Projekt: Am 9. November gibt es während der Queen-Ausstellung im Weltkulturerbe „Krönungsmusiken“.

Sein Terminkalender ist gut gefüllt: Am Abend probt Leo Krämer in Hülzweiler mit dem Philharmonischen Chor an der Saar. Im Vorfeld hat er gerade noch ein Stündchen Zeit zu einem Gespräch im Café Umwalzer im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Nebenan in der Gasgebläsehalle wird Krämer am Freitag, 9. November, 19 Uhr das Konzert „Krönungsmusiken“ dirigieren, dem die bevorstehenden abendlichen Proben gelten.

Dennoch nicht die geringste Spur von Stress bei dem Musiker im „Unruhestand“, wie er selbst gerne sagt. Leo Krämer, geboren 1944, wirkt heiter und gelassen, aber ungemein unternehmungslustig. Getreu dem selbst erklärten Motto „Ein Musiker geht nicht in Rente“ ist der Organist und Dirigent auch mit 74 Lenzen rund um den Globus unterwegs, ob nun als ständiger Dirigent der St. Petersburger Philharmoniker in Russland oder kürzlich etwa auf Konzertreise in Mexiko.

Daneben hegt Leo Krämer auch mit Freude seine Wurzeln. Der häufig als „Püttlinger Bub“ und von Püttlingern als „unser Leo“ Titulierte lacht: „Nicht umsonst bezeichne ich mich als Berufs-Püttlinger“. Mit dem Verbunden-Sein zu Püttlingen sei es wie mit dem Musizieren: „Das hört auch nicht auf“.

„Unauslöschliche Eindrücke“ hinterließen allererste Begegnungen mit der Musik im Elternhaus, wo „immer gesungen“ wurde, wie Krämer sich erinnert: „Sogar das Gebet vor dem Essen wurde gesungen.“ Der Vater, seines Zeichens Präsident des Chors der Püttlinger Liebfrauenkirche, nahm den Knaben mit zu Proben.

Der Kirchenchor zählte damals unmittelbar nach dem Krieg sage und schreibe 150 Choristinnen und Choristen; mit dabei auch Krämers Mutter. Qualität und Stimmmaterial waren „unglaublich“, so Krämer. Der Chor sang Haydn, Beethoven und Händel, und der kleine Leo hat alles aufgesogen und im Gedächtnis behalten – obwohl er noch keine Noten lesen konnte.„Das war ein ganz natürlicher Prozess für mich, ich konnte den ganzen ‚Messias‘ auswendig singen.“

Der damalige Organist und Chorchef der Liebfrauenkirche, Johannes Lammerts, wurde Mentor des musikalischen Jungen, unterrichtete ihn in Klavier, Orgel, Harmonielehre und Kontrapunkt. Erfreulich frühe Vorbereitungen, denn Leo Krämer konnte das Wichtigste bereits, bevor die eigentliche Ausbildung begann: Kirchenmusikstudium in Trier und Saarbrücken, Dirigierstudien bei Größen wie Sergio Celibidache, Günther Wand und Eugen Jochum.

Auf dem sich anschließenden Berufsweg hatte Leo Krämer schließlich Professuren an den Hochschulen in Saarbrücken und Mannheim inne. Als Organist schaffte es der Püttlinger nahezu aus dem Stand von der örtlichen Liebfrauenkirche sogleich an den berühmten Speyerer Dom.

Als er 1971 in Speyer Organist wurde (1990 bis 2009 dann Domkapellmeister), hatte Krämer freilich bereits mehrere internationale Preise gewonnen, so 1966 den Berliner Mendelssohn-Wettbewerb.

Als weitgereister Kosmopolit fühlt sich der Unruheständler in Püttlingen und Speyer gleichermaßen wohl und geht voll im Musizieren auf. „Lieblingsmusik“, die er privat höre, kenne er keine: „Unterschiede zwischen privat und beruflich gibt es bei mir nicht, ich bin immer glücklich mit der Musik, mit der ich mich gerade beschäftige.“

Und ob nun Orgelspiel oder Dirigieren, Krämer schätzt beides gleichermaßen: „Musikmachen mit mir selber ist die eine Hälfte, die andere das Musizieren mit Menschen, die schönste Kommunikation überhaupt – die beiden Pole machen mein Leben aus.“ Obendrein komponiert der Umtriebige, unlängst etwa eine „Marienkantate“.

Der Dirigierstab liegt nun bereit für die „Krönungsmusiken“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, ein Abend in Kooperation mit dem 2012 ins Leben gerufenen Förderkreis Palatina-Klassik. Leo Krämer ist künstlerischer Kopf des Vereins, der zu Konzerten in die Pfalz, die Rhein-Neckar-Region und nach SaarLorLux lädt.

Im Rahmen der Krönungsmusiken zur „Legende Queen Elizabeth II.“-Ausstellung leitet er die Förderkreis-eigenen Formationen Palatina-Klassik-Vokalensemble, Palatina-Klassik-Kammerphilharmonie und obendrein seinen Philharmonischen Chor an der Saar; den hat Krämer bereits seit anno 1969 unter seinen Fittichen.

Die Programmfolge, die außerdem mit Gesangssolisten aufwartet, hat Krämer gemeinsam mit dem Weltkulturerbe-Häuptling Meinrad Maria Grewenig ausgesucht. Die – wie man hört – gute Chemie gedeiht seit Grewenigs Zeit als Museumsdirektor in Speyer.

Neben Noten von Mozart, Händel und Henry Purcell sollen Edvard Elgars Edelmärsche „Pomp and circumstances“ erklingen. An einem „der spannendsten Orte der Welt“ mit „wunderbaren akustischen Bedingungen“, wie Leo Krämer schwärmt.

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