„Ein kultiges kleines Stadion“

Das Spiel selbst ließ zu wünschen übrig. Aber ansonsten ist der Einstand des 1. FC Saarbrücken am Samstag im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion zur Zufriedenheit gelungen. Bleibt abzuwarten, was künftig bei so genannten Rot-Spielen auf die Hüttenstadt zukommt.

Gut eine Stunde, bevor der 1. FC Saarbrücken erstmals ein Heim-Pflichtspiel im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion austrägt, hat Wirtin Tina Stiller allerhand zu tun. An der Theke ihres Lokals "Bit am Markt" stehen die Gäste dicht an dicht. Bei den meisten weist die blau-schwarze Kleidung eindeutig darauf hin, dass sie wegen des Regionalligaspiels der Molschder gegen den FK Pirmasens (Endstand 1:0) in Völklingen sind. Also fließt das Bier fast pausenlos, während die Gäste über Trainerwechsel, neue Spielstätte und den ungeliebten Sportdirektor Milan Sasic diskutieren.
Proviant in flüssiger Form

Weil am Tresen kaum noch Platz ist und der tagelang anhaltende Regen am Spielnachmittag eine Auszeit nimmt, stehen auch etliche Fußballanhänger draußen unter einem großen Sonnenschirm mit Bierwerbung. "Blauschwarze Liebe" schallt es aus einer Box, die Schlachtenbummler singen noch nicht. Bald werden sie sich auf den Weg durch die Stadionstraße machen. In größeren und kleineren Gruppen, so wie schon etliche unterwegs sind. Auch unterwegs gibt es Proviant in flüssiger Form, pfiffige Anwohner haben improvisiert und einen kleinen Stand mit Dosenbier aufgestellt.

Ungewöhnlich früh ist auch rund ums Stadion einiges los. Viele müssen sich erst noch zurechtfinden. Die häufigsten Fragen: Wo ist mein Eingang, wo habe ich den besten Blick aufs Spielgeschehen, wo gibt es Wurst und Bier , und wo kann ich für kleine Fußballfans? Was für Verwirrung sorgt: Beim Fan-Termin vorigen Dienstag hatte FCS-Geschäftsführer Thomas Heil noch informiert, dass die Blocktrennung im Saarbrücker Lager locker gehandhabt werde - gerade, weil sich in der neuen Heimat alles noch finden müsse. Den Ordnungsdienst hat darüber offenbar niemand informiert. Weiter bemängeln Fans, dass es wohl mehr Toiletten geben müsste.

2343 Gäste sind da, als die FCS-Hymne Minuten vor dem Anpfiff erklingt. Es sind weniger Leute als zuletzt im Ludwigspark. Im kleineren Völklinger Stadion fällt das aber kaum auf. Die FCS-Anhänger bilden eine ansehnliche Kulisse, auch die Sitztribüne ist fast voll. "Ein kultiges kleines Stadion", meint Klaus Nebel. Der Püttlinger Michael Biermeier fühlt sich an erfolgreiche FCS-Jahre erinnert: "Weltklasse, wie Mitte der 1980er Jahre im legendären D-Block." Das Spiel dagegen halten viele für weniger begeisternd. Trotzdem ist die Freude über den 1:0-Sieg durch Sven Söklers Elfmeter in der Nachspielzeit groß.

Völklingens stellvertretender Wehrführer Heiko Schlang, in seiner Freizeit auch treuer Beobachter der FCS-Spiele, wird es tags darauf so kommentieren: "Rund ums Spiel hat alles reibungslos funktioniert, was man vom Spiel leider nicht sagen kann." Größere Probleme sind beim kommenden Heimspiel gegen Elversberg nicht zu erwarten, es bleibt also noch Zeit zur Eingewöhnung.

Dann aber steht die erste von der Polizei als Rot-Spiel eingestufte Partie an: Am Ostersamstag gegen Waldhof Mannheim, wenn eine größere Gast-Fan gruppe zu erwarten ist, die auch Auseinandersetzungen mit dem gegnerischen Lager nicht scheut, haben Sicherheitsdienst und vor allem Polizei ihre Feuerprobe zu bestehen.