Ein Bahnhof unterm Hammer

Lange tat sich nichts am Luisenthaler Bahnhof. Ein Finanzinvestor hatte den Bau von der Deutschen Bahn gekauft, im Paket mit anderen Bahn-Gebäuden in ganz Deutschland. Viele davon wurden bereits versteigert. Am 1. April ist der Luisenthaler Bahnhof dran. Bei der Besichtigung zeigte sich: Wer ihn kauft, muss allerhand sanieren.

Reinhold Kaiser reist derzeit im Auftrag des Berliner Auktionshauses Karhausen durch die Bundesrepublik, um Interessenten alte Bahnhöfe näher zu bringen. Von daher kennt er auch den Typ des "Bahnhofssammlers", der aus reiner Lust und Laune bei einem solchen Objekt zugreift. Am 1. April soll nun in Berlin der Bahnhof Luisenthal unter den Hammer kommen. Bei 35 000 Euro Mindestgebot wirkt das 1898 errichtete Gebäude nahezu als Schnäppchen. Doch auf den Erwerber kommt, bei Tageslicht betrachtet, mit Sicherheit noch einiges zu.

468 Quadratmeter Nutzfläche

Bernd Weicherding, den Kaiser an diesem Tag durch das Gebäude führt, ist nun kein "Bahnhofssammler", sondern ein gestandener Schreinermeister mit eigenem Betrieb ganz in der Nähe. Weicherding denkt daran, in dem Gebäude Mietwohnungen einzurichten und dabei auch die eigene Arbeitskraft zu nutzen. Spontan wird er da nichts entscheiden, sondern "erst einmal einen Kostenvoranschlag für das Dach einholen". Und auch sonst findet sich hoher Renovierungsbedarf in dem Gebäude mit seinen rund 468 Quadratmetern, das der Schreinermeister nun vom Keller bis zum Dachgeschoss gesehen hat.

Nässe im Dach

Der Keller ist, angesichts des Baujahrs, erstaunlich gut durchlüftet und weitgehend trocken. Hier brummt auch ein leistungsstarker Heizkessel (Baujahr 1995). Die Treppen sind alt, aber aus solidem Eichenholz. Eine großzügig bemessene Wohnung im Obergeschoss (über 150 Quadratmeter) macht einen sauberen Eindruck und wird gerade vom bisherigen Mieter geräumt.

Die Achillesferse des Gebäudes tut sich dann auf dem Dachboden auf. Das Dach ist in derart schlechtem Zustand, dass bereits Nässe nach unten in das Gebäude gezogen ist. Und ein weiterer Kostenfaktor lauert mit dem Vordach zur Wartehalle, das nach Kaisers Auskunft als einsturzgefährdet zu betrachten ist. Rechts neigt sich bereits einer der steinernen Pfeiler in Richtung Erdboden.

Ein künftiger Eigentümer hat auch mit Auflagen der Deutschen Bahn zu rechnen. So muss er das Gebäude hin zu den Gleisen absichern und auch die Wartung eines Teils der Unterführung übernehmen. Eine andere Auflage der Bahn wird Weicherding nicht stören, aber die Anwohner am Bahnhof erfreuen. Laut Kaiser wird ins Grundbuch eingetragen werden, dass der Bahnhof für einige Zwecke nicht genutzt werden darf. Damit wäre es amtlich, dass Rotlicht-Betriebe, Waffenhandel, eine "Drückerstube" (für Drogensüchtige) oder auch Versammlungsstätten für extremistische Organisationen im Luisenthaler Bahnhof keinen Platz finden.

Das Berliner Auktionshaus hat derzeit nach eigenen Angaben ein Paket von rund 1000 Bahnhöfen anzubieten. Die Interessenbekundungen für Luisenthal sind vor diesem Hintergrund relativ gering. Laut Kaiser bewegen sie sich erst "auf eine Hand voll" zu.