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Kolumne
Unser kurzes Gedächtnis

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Kein Regen seit dem Frühjahr? Stimmt nicht, zeigen Sommer-Notizen. Keine Dürre, übers Jahr gerechnet. Da können dann auch Hobbygärtner den aktuellen goldenen Herbst gleich viel besser genießen. Von Doris Döpke

Kein Nachbarschaftsgespräch derzeit, bei dem es nicht (auch) ums Wetter ginge. Gemeinsam singt man begeisterte Loblieder auf die freundlichen, sonnigen Herbsttage. Gemeinsam freut man sich über Vorhersagen, nach denen der goldene Oktober wohl noch ein Weilchen dauern wird. Gemeinsam spekuliert man, ob’s sich wohl lohnt, nochmal eine Draußen-Grill-Aktion zu starten.


Und dann geht man gemeinsam zu den Nachteilen der Wetterlage über: Im Garten wäre so viel zu tun, das  fröhlich sprießende Unkraut müsste weg, ein paar neue Pflanzen wären zu setzen – doch das klappt nicht, im knochentrockenen Boden lässt sich weder jäten noch graben. „Wann hat es bloß zum letzten Mal geregnet? Das geht doch schon seit April so mit der Trockenheit!“ Darüber waren Frau Nachbarin und ich uns dieser Tage völlig einig.

Aber wir lagen in trauter Gemeinsamkeit falsch. Nach dem Gespräch habe ich mal meine Sommer-Notizen rausgekramt. Bis Ende Juni mussten wir hierzulande kein bisschen über Dürre klagen: Der Januar war pitschnass, der März normal, im Mai kam doppelt so viel Wasser runter wie im langjährigen Mittel, der Juni war durchschnittlich. Unterm Strich ergab das fürs erste Halbjahr eine ordentliche Regensumme, ein Viertel mehr als gewöhnlich. Erst seit Juli war’s deutlich zu trocken – und das, nur das haben wir in Erinnerung behalten.



Gut, das man was aufschreiben kann. Wir haben ein ganz schön kurzes Gedächtnis.