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Drei Drähte gegen Wildschweine

Lauterbach. Ein Jäger hat die Technik vorgeschlagen. Ein Lauterbacher wendet sie gegen Schwarzwild an, erfolgreich. Ansonsten aber sind Wildschweine für Lauterbach in diesem Jahr eine üble Plage, berichten Anwohner. Doris Döpke

Zuerst kommt der Anruf, der die Lösung verheißt: Jagdpächter Wolfgang Höhn berichtet, ein Lauterbacher habe dank eines Elektrozauns die Wildschweine aus seinem Garten ausgesperrt. Dann melden sich Geplagte aus Lauterbach : An der Hauptstraße gebe es heftigere Wildschwein-Wühlereien denn je.



Ortstermin. Karl-Heinz Ottmers hatte im April große Nöte mit Schwarzwild in seinem Garten an der Köhlerstraße (wir haben berichtet). Vor knapp drei Monaten habe sich die Wühlerei wiederholt, sagt Ottmers. Dann zog er den Zaun, niedrig, drei Drähte nah beisammen - "seit er steht, ist Ruhe".

Die Konstruktion hatte ihm Jagdpächter Wolfgang Höhn vorgeschlagen. Er kenne sie aus der Provence, erklärt Höhn, die Winzer dort hätten seit Jahren damit beste Schutz-Erfolge. Nicht die Höhe zähle, ergänzt sein Mitjäger Dieter Petry, "Wildschweine springen nicht". Wichtig sei, die Stromdrähte bodennah zu spannen und in dichtem Abstand.

Wichtig sei außerdem der richtige Stromerzeuger , fügt Ottmers an. Sein Gerät - nur nachts in Betrieb, mit Zeitschaltuhr - teilt kräftige Schläge aus, sechs Joule; nicht verletzungsträchtig, aber schmerzhaft für Schwarzkittelschnauzen. Das müsse sein, "alles andere wäre für die Schweine wie Wellness", sagt er lächelnd.

Die Kosten? 250 Meter Zaun hat Ottmers gezogen. 700 Euro hat er berappt für 750 Meter Litze, Stromerzeuger und Steckpfähle - flexibel, man kann sie umstecken, wie man's mit Weidezäunen tut. Nicht viel für die lange Zaunstrecke und den guten Schutz, findet er.

Weiter, in die Hauptstraße. Petrys Nachbarn hatten gerade Schweine-"Besuch". Jungtiere, erläutern die Jäger: kleine Trittsiegel, kaum sichtbare Durchschlüpfe. Offenbar haben sich die Tiere unterm Maschendraht durchgequetscht.

Bei Hannelore Kallenborn ein Stückchen weiter waren es wohl ebenfalls Jungtiere. Der Zaun sieht fast unversehrt aus - dennoch reichen die Wühlspuren bis an die Terrasse. "Den Rasen am Haus hatten wir frisch gemäht", sagt sie. Die Flächen, auf denen das Gras hoch steht, haben die Schweine unberührt gelassen ("das mögen sie nicht", hatte Jäger Petry gesagt). Reparieren? "Die Schweine kommen ja wieder." Sie hebt die Schultern, ratlos: Die Tiere kämen wohl über den Lauterbach , der mitten durchs Grundstück läuft.

Wolfgang Kreis, gleichfalls Anwohner der Hauptstraße, ist sicher, dass der Bach die Eintrittspforte ist. Bei einem "Einbruch" sei er wach geworden, habe Lärm und Licht gemacht, erzählt er. Das habe die Schweine erschreckt; sie seien quiekend über den Bach geflüchtet, hätten dabei Löcher in den Maschendraht gerissen. Anders zäunen? Wolfgang Kreis ist skeptisch: Am Bachlauf dürfe er ja nicht absperren. Sonst komme die Firma nicht rein, die ab und zu das Bachbett reinige. Weidezaun-Flexibilität helfe da nicht, "die Wildschweine kündigen sich nicht an".

Die Jäger, versichern Höhn und Petry, tun das Ihre gegen die zu hohe Wildschwein-Population in und um Lauterbach . 32 Tiere hätten sie in den vergangenen drei Monaten geschossen. "Und für jeden Abschuss brauchen wir im Schnitt zehn Stunden Ansitz", sagt Höhn mit einem Seufzer.